Törnplanung 2021

CORONA ANTWORTET AUF „Quo vadis Blue Whale 2021“

Quo vadis oder „wohin gehst du Blue Whale 2021? Diese Frage beschäftigt mich für das 2021 noch intensiver. Die Ferienplanung wird für alle zur Grat-wanderung, vor allem für Seenomaden, dessen Segeltour Revier- resp. Länder-übergreifend wird.
Die Törnplanung aus den Jahr 2020 soll im Wissen beibehalten werden, dass wegen der Pandemie auf zwangsmässige Anpassungen reagiert werden muss.
Im Jahr 2018 hat ein Jahrhundert Gewitter in der Schweiz den Törnplan durcheinander gewirbelt. 2019 wurde das Versäumte nachgeholt wodurch dann das Aktuelle in Verzug geriet. Das Jahr 2020 war durch COVID-19 verunmöglicht worden und so sind die geplanten Segeltörns noch weiter in Verzug geraten.
Nach wie vor beschäftigen uns die nicht kalkulierbaren Faktoren wie das Wetter und die politische Lage im Süden. Diese Faktoren sind dieses Jahr durch den wellenartig wütenden Virus ergänzt worden. Das Ziel bleibt bestehend, denn der Weg führt definitiv nach Süden. Das Segelrevier an der türkischen Riviera mit den zum greifen nahen griechischen Inselwelt und den verlockenden Angebote für „Yachties“ kann nicht ignoriert werden.
                                     Mit Mausklick Karte unten vergrössern!
Beim Ersteren handelt es sich um die Einflusssphäre des Meltemi, dem vorherrschenden tückischen Nordwind der Kykladen (Zykla-den). Seine Sphäre würde ich in der Hauptsaison durch-segeln. Dazu mehr Infos auf der separaten Bloggseite (Meltemi).
Beim Zweiten, der Entwicklung der Geschehnisse im Nahen Osten, sprich „Türkei“ ist die Lage nur schwer einzuschätzen. Auf eine Slalomfahrt zwischen Gummibooten ist nicht mein Thema und so muss die Lage zeitnah analysiert und beurteilt werden.
Der dritte Umstand, die Pandemie, verändert die Wahrnehmung fast täglich und auf örtliche Massnahmen muss flexibel Reagiert werden. So ist es ratsam, nicht nur einem „Plan B“ im Köcher mit zu führen.

Genug der Überlegungen und Zweifel! Der Segeltörn 2021 wird in drei Hauptetappen unterteilt. Die Spoiler enthalten Erläuterungen und technische Daten zu den geplanten Etappen. Ein Mausklick zur vergrösserten Visualisierung des Etappen-Überblicks auf obere Karte.

1.) Überführungstörn Bari – Preveza Mai
Überführungstörn Bari (ITA) – Preveza (GRE) Mai
Nach Abschluss der Arbeiten an Blue Whale erfolgt der Start-schuss am 1.Mai. Beim erreichen des Etappenziel in Preveza dürfte die LOG-Anzeige bei insgesamt ca. 236 Nm zu stehen kommen. Dafür habe ich 15 Tage eingerechnet. Das Durch-schnittsetmale von 16 Nm/d (Link für <d>) ist nicht überris-sen und hat genügend Reserve um Ruhephasen resp. Wetter-fenster an Hotspots zu gewähren. Eine spezielle Planung ist nicht mehr erforderlich, da die Etappe bestens vertraut ist. In Preveza sind ein paar Tage für Erholung, Verproviantierung und Rendezvous mit KS eingeplant.
(Link zu Etappen-Karte)
2.) Oneway-Törn Süd-Ionischen Inseln mit KS Mai-Juni
Oneway Törn Süd-Ionische Inseln mit KS Mai – Juni
Mit KS wollte ich die Südlichen Ionischen Inseln wie Ithaka, Kefalonia und Zakynthos besuchen. Diese Inseln reihen sich wie Perlen auf der Fahrt von Preveza nach Patras auf. Sehenswürdigkeiten auf dem Festland wie dem Peloponnese, z.B. das antike Olympia sind programmiert. Auf eine detail-lierte Ausarbeitung der Route wird verzichtet. Auf beiliegender Karte sind Anlegemöglichkeiten und die nautischen Distanzen ersichtlich. Das Kreuzen zwischen den Inseln und Orten wird etwa 250 Nm in Anspruch nehmen, d.H. etwa 17 Nm/d. Wir wollen das Revier als „Oneway-Törn“ in 30 d absolvieren. Ab dem 18. Mai von günstigen, schwachen bis frische Briesen angetrieben, werden die Hotspots vorwiegend segelnd ange-peilt. Durch die Hauptbewegungsrichtung nach Süd erhoffen wir den saisonbedingt, zunehmenden Charterbetrieb zu entfliehen. (Link zu Etappen-Karte)

3.) Überführungstörn Patras - Türkische Küste ab Juni
Überführungstörn Patras – Südliche Sporaden
Der Überführungstörn nach Kusadasi an der türkischen Rivi-era ist wohl die anspruchsvollste Etappe des Segeltörns 2020. Sie umfasst Total ca. 590 Nm und wird ab 19. Juli gestartet. Eine Zeitspanne von 60 – 90 Tagen ist eingeplant (10 Nm/d). Ab hier spielt der Faktor „Zeit/Dauer“ eine kleine Rolle, denn es zählt nur eines; Vor dem Wetterumschwung im Herbst si-cher und gesund anzukommen. Die Etappe habe ich in zwei, etwa gleich lange Teilstrecken unterteilt, weil spätestens in Kythera die Entscheidung gefallen sein muss, ob weiter nach Süden oder zurück nach Kalamata gesegelt wird. Aus welchen Gründen auch immer!(Link zu Etappen-Karte)

4.) Option Dedokanes resp. südl. Sporaden ab September
Eventualetappe 4 im Dedokanes resp. der Südlichen Sporaden
Wenn der Überführungstörn weniger Zeit in Anspruch nimmt, so will ich mir die Option offen lassen einen Abstecher zu den Südlichen Sporaden resp. einen Kurztörn in der Inselwelt des Dodekanes durchzuführen. Beide Reviere durfte ich schon mehrfach mit Charteryachten besegeln. So ist keine weitere Planung erforderlich. Der Zeitrahmen dürfte sich Ende Sept. bis Mitte Oktober anbieten. Vorteil dieses Reviers ist, einen günstigen Überwinterungsplatz für Blue Whale zu finden und die gute Erreichbarkeit mit günstigen Flügen zu nutzen.

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Törnberichte 2020

Die DRITTE SEGELSAISON IN QUARANTÄNE

Viele können es nicht mehr hören, Corona-Virus oder COVID-19. Diese beiden Begriffe und noch unzählige weitere Schlagwörter von 2020 lösen bei vielen Was-sersportfreunden irre Zuckungen im Gesicht oder unkontrollierte stereotypi-sche Bewegungen aus.
Auch Blue Whale wurde ein Opfer dieser Pandemie und musste die Saison 2020 in der Ranieri-Werft von Bari, im Trocken-lager, fristen. Vermutlich wird sie sich mit unzähligen Rostflecken revanchieren und so den langersehnten Saisonstart im Frühling 2021 mit harter, mühevoller Vorbereitungsarbeit verzögern. Gerne hätte ich in diesem Kapitel neue interessante Segelerlebnisse und Törnberichte präsentiert aber auch ich musste mich den Umstän-den beugen. Die Zeit nutzte ich mit diversen fälligen Gesundheits-Updates und als Ausgleich „Gartenarbeiten“. Ich war da in guter Gesellschaft, denn vielen Segel-Leidens-Genossen ist es ähnlich ergangen, oder konnten sich nur über einer kurze Segelsaison erfreuen. Wollen wir doch zuversichtlich in die Zukunft bli-cken, obschon die momentane Lage noch kao-tischer wirkt wie letztes Jahr und die Prophezeiungen der Wissenschaftler (auf Politiker hören wir ja schon lange nicht mehr) alles andere als Rosig erscheinen lässt. Wir sind in der zweiten Welle gefangen, die wir als Skipper auf See mühelos aussteuern würden, denn uns macht meist nur die 5. und 6. Welle zu schaffen.
Hast du schon daran gedacht die Segelfläche mit neuen oder ge-brauchten Hygienemasken zu vergrössern? Eine weitere Hilfe wäre die kürzlich programmierte Corona-App. Diese könnte nämlich die Wetter-App bestens ergänzen. Bemerkenswert ist auch, dass nie-mand zugeben, würde, welche Manöver in der Badewanne geübt wurden. Eigentlich schade, denn so wird der übliche Erfahrungs-austausch verhindert.
Jeder hat das Bedürfnis über seine eigenen Lock Down Er-fahrungen zu berichten, wie er oder sie, wollen wir den Club der Genderwächter nicht verär-gern, die segellose Zeit über-brückt hat. Diese aufregenden Gespräche sind bestimmt inte-ressant und werden die neue Saison hartnäckig begleiten. Sollten mir die Geschichten überdrüssig werden, so zeige ich mit entschuldigenden kargen Worten auf mein neues T-Shirt, welches meinen Gemütszustand der letzten Monate sicherlich zu Ausdruck bringt.
Zum Schluss möchte Blue Whale und ich allen ein freudiges „SCHIFF AHOI“ zurufen und hoffen, dass wir uns alle Gesund und fröhlich wiedersehen werden.
Die restliche Zeit bis zum Saisonstart lässt sich mit beiliegendem Bild nicht besser ausdrücken.
Dieser „Workout“ braucht bestimmt keine Motivation und dürfte bei regelmässiger Anwendung nicht nur für die eigene Konstitution sondern auch zur Desinfektion zu empfehlen sein.

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Vendée Globe 2020/2021

In 80 Tagen um die Welt

Die Sieger der Vendée Globe 2020/2021 sind im französischen Les Sables d’Olonne am 27. Januar über die Ziellinie gesegelt. Die Regatta um den Globus ist zwar noch nicht zu Ende, aber aus Gründen der Aktualität erlaube ich mir schon jetzt eine Reflektion der Geschehnisse. In der langjährigen Geschichte des Rennens durften wir eine noch nie dagewesene Spannung und Dramatik, die das Renngeschehen begleitet hat, erleben.
Gestattet mir, noch vor dem Rückblick des Rennablaufs, eine kleine literarische Note aus der Vergangenheit voraus zu senden. Den älteren oder belesenen Generation werden beim Anblick des Untertitels Erinnerungen wachgerufen, der sich im Text „In 80 Tagen um die Welt“ manifestiert, denn so ähnlich hat sich auch die aktuelle Vendée Globe zugetragen, einziges Gefährt – SEGELBOOT -.
PS. Für lesefaule Zeitgenossen habe ich eine knapp 27 minütige Zusammenfassung hinterlegt die mit atemberaubenden Bildern das ganze Rennen dokumentiert <der Link>. Wegen der Länge des Beitrages und Übertragungsschwierigkeiten auch noch die Linkadresse – https://youtu.be/1PdnfF5qm1g –

Literarischer Rückblick
Jules-Gabriel Verne, der französische Schriftsteller und Mitbegründer der Science Fiktion Romane, hat 1873 das vielbeachtet und futuristische Buch „In 80 Tagen um die Welt“ geschrieben. Seine Vision den Erdball, für damalige Zeiten unvorstellbar kurzen 80 Tagen zu umrunden, ist schon lange Wirklichkeit geworden, hat aber selten eine solche Überein-stimmung wie das aktuell Vedée-Abenteuer erfahren.
Auch dass die Rennjachten nahe „Point Nemo“ vorbei-segelten, und somit die Nautilus und den Bestseller „20‘000 Meilen unter dem Meer“ heraufbeschwören, oder das Kap Horn sichteten wo sich die Seekrimi-Anekdode „Der Leuchtturm am Ende der Welt“ abge-spielt haben soll, ist wohl eher Zufällig. Diese schon fast vergilbten und in Ver-gessenheit geratenen Romane dürften eine Renaissance erleben, denn die neunte Auflage der Vendée Globe hat sie wieder in Erinnerung gerufen, wo sie vermutlich dank der 80 Tage Renndramatik länger verbleiben dürften. Aber nun zum wahren Geschehen im nächste Spoiler, der „Vendée Globe 2020/2021“.
Die Vendée Globe 2020/2021
Auf Blue Whale’s Webseite ist schon ein Beitrag zu diesem Thema publiziert worden „Gladiatoren der Ozeane“, aber die Intensität und die Spannung der diesjährigen Vedée Globe schreit förmlich danach, die Geschehnisse Revue passieren zu lassen. Deshalb beschränkt sich dieser Aufsatz mit ergänzen-den Informationen zum erwähnten Beitrag wo allgemeine Infos nachgelesen werden können. In diesem Bericht ist nur der Ablauf des aktuellen Rennens (Karte & Video) wiederge-geben. Die 9.Aus-gabe der Vendée Globe kam zu einem unglaub-lichen Crescendo als acht Skipper die Ziellinie vor dem französ. Küstenort an der Biskaya, in Les Sables d’Olonne, innerhalb von 23 Stunden 44 Minuten überquerten. Die Teilnehmer und ihre Yachten kannst du mit Klick aufs Bild öffnen. 
Nicht nur eine Rekordteil-nehmerzahl von 33 Booten sondern auch die atypi-schen Abfolge von Wetter Systemen in Atlantik und Ozean, vermutlich dem Klimawandel geschuldet, haben die Superlative mehrfach übertroffen.
Die Top 10 bzw. 12 Boote haben sich während der 28‘500nm an verschiedenen markanten Punkten zwangsläufig gruppiert und das Rennen quasi neu gestartet. Fulminant war die Ziel Einfahrt der ersten 5 Boote, die nach 36 Stunden das Podium beanspruchten. Ein aussergewöhnliches Rennen, welches noch lange in Erinnerung bleiben wird. 
Havarien & Rettungsaktionen (08.11.2020-01.12.2020)
11.11.2020 Jérémie Beyou muss wenden, in der Sturmnacht sind die Backstage gebrochen und ein Ruderschaden ist auch noch zu verzeichnen. Für Reparaturarbeiten wird er in den Starthafen zurück kehren und versucht das Rennen später wieder aufzunehmen
Armel Tripon muss Beidrehen, er ist mit einem Gegenstand kollidiert und beschädigt ein Foil.
16.11.2020 Nicolas Troussel hat etwa 260 Seemeilen nord-westlich der kapverdischen Inseln im Sturmtief „Theta“ sein Rigg verloren und muss aufgeben.
19.11.2020 Armel Tripon muss erneut beidrehen und Schäden im Rigg reparieren
22.11.2020 Alex Thomson muss Strukturschäden am Bug reparieren und fällt zurück.
25.11.2020 Thomas Ruyant meldet Schaden an den Tragflächen und fällt zurück.
27.11.2020 Thomas Ruyant muss sein BB-Foil verkürzen und Alex Thomson wird merklich langsamer.
28.11.2020 Alex Thomson muss nun wegen Ruderproblemen das Rennen endgültig aufgeben. Er weicht nach Kapstadt aus.
Alex Thomson noch vor der Havarie aus besseren Zeiten

30.11.2020 Kevin Escoffier hat seinen Notruf-Sender ausgelöst und ist in die Rettungsinsel umgestiegen.

Nachstehend die Ereignisse am 01.12.2020;
Wer hätte am 30. November ahnen können, dass die Such- & Rettungs- Aktion für den havarierten Skipper, Kevin Escoffier (Video), das Endergebnis dermassen beeinflussen würde? Jean le Cam, Sébastien Simon (später Ausgeschieden), Yannick Bestaven und Boris Herrmann eilten Kevin Escoffier zu Hilfe. Die zurzeit führenden Charlie Dalin und Thomas Ruyant waren zu weit voraus, um sich an der Rettungsaktion beteiligen zu können. Klick auf Karte öffnet Havarie OrtDie Rennjury gewährten demzufolge Zeitgutschriften für die verlorene Zeit und den Sucheinsatz. Die ungewöhnlichen Wetterbedingungen bedeuteten dann, dass es bis zum Ziel ein hart umkämpfter Wettbewerb bleiben würde.

Havarien & Rettungsaktionen (02.12.2020-27.01.2021)
02.12.2020 Sébastien Simon ist mit einem Gegenstand kollidiert und hat schwere Schäden zu verzeichnen. er muss das Rennen aufgeben.
03.12.2020 Samantha Davies hat das gleiche Schicksal ereilt wie Sébastien Simon der nun auch Wassereinbruch verzeichnet. Auch für Samantha dürfte in guter Position liegend (beste Skipperin) das Rennen zu Ende sein.
06.12.2020 Jean le Cam konnte Kevin Escoffier der Marine übergeben. Die drei Havaristen Thomson, Simon und Davis geben auf. Sie sind in Kapstadt angekommen.
08.12.2020 Louis Burton und Damien Seguin fallen mit großen technischen Schwierigkeiten zurück.
11.12.2020 Fabrice Amadeo im Verfolgerfeld auf #25 liegend steckt Kurs auf Kapstadt ab, sie muss aufgeben.
15.12.2020 Charlie Dalin muss beidrehen und einen Schaden am Backbord-Foil beheben.
17.12.2020 Thomas Ruyant der Zweitplatzierte hat offenbar ein Leck im Vorschiff.
18.12.2020 Lois Burton hat es als nächsten erwischt. Er wird einen Reparaturstopp nahe der Macquarie Insel einlegen müssen und weit zurückfallen. Er kehrte am 21.12. wieder im Rennmodus zurück. 23.12.2020 Ein Videorückblick des ZDF bei Rennhälfte, Dauer 6:47Min. (Link mit Mausklick auf Markierung)
02.01.2020 Die Spitze hat Kap Horn umrundet!
05.01.2021 Boris Herrmann beklagt Risse im Grosssegel und Isabelle Joschke, die Zwischenzeitlich bis auf Platz #5 vorgedrungen war meldet Probleme mit dem Schwenkkiel.
10.01.2021 Isabelle Joschke meldet Totalschaden am Schwenkkiel. Sie ist die letzten Tage immer mehr zurückgefallen und muss das Rennen aufgeben. Clarisse Cremer ist nun beste Skipperin auf Platz #12.
16.01.2021 Sébastien Destremau weit zurückliegend muss vor Neuseeland aufgeben. Ohne Autopilot und weitere technische Geräte ist es zu gefährlich weiter zu segeln.
18.01.2021 Boris Herrmann hat erneut Segelprobleme und fällt etwas zurück.
27.01.2021 Boris Herrmann havariert mit einem Fischertrawler 90nm vor dem Ziel und kann sich nur noch in langsamer Fahrt dem Ziel nähern.

Das war kurz vor Zieleinlauf der Spitzengruppe die letzte Havariemeldung. Diese Eilmeldung hat nicht nur Freunde schockiert. Der Franzose würde sagen; C’est la vie!

Zieleinlauf & Podestplätze
Zwischen Mittwoch (27.01) und Donnerstagabend beendeten die ersten acht Boote innerhalb von 23 Stunden und 44 Min die Cirkumnavigation. Die Dramatik und Spannung wird erst durch den Vergleich mit dem Rennen von 2016 verdeutlich, als zwischen dem Sieger Armel Le Cléac’h und dem achtpla-tzierten Boot eine Zeitspanne von 19 Tagen und 19 Stunden registriert wurde. (Bild unten; Charlie Dalin, der erste im Ziel)
Drei Skipper wurden mit Zeitkompen-sationen belohnt, Boris Herrmann, Yannick Bestaven und Jean Le Cam. So musste gewartet werden bis Jean le Cam das Rennen beendet hatte und die endgültige Rangliste feststand.
Bestaven gewann mit seinen 10:15 Stunden gutgeschriebener Zeit, Charlie Dalin, der als Erster die Ziellinie überquerte, wurde als Zweiter und Louis Burton als Dritter gewertet.
Boris Herrmann, der noch kurz vor der Havarie als Sieger ge-handelt wurde, ist auch noch von Jean Le Cam abgefangen worden, weil dieser die grössere Zeitgutschrift verbuchen durfte.              (Bild unten; Yannick Bestaven der Sieger)
Yannick Bestaven wurde als Gesamt-sieger dieser neun-ten Ausgabe ausge-rufen. Er beeindru-ckte mit seiner Fäh-igkeit, hart, schnell und konstant im südlichen Polarmeer zu segeln und im letzten Sprint mit einer perfekten Taktik, aber auch mit seiner Aufrichtigkeit und Sportlichkeit an Land zu brillieren. Auf dem Podium vor dem daneben stehenden Charlie Dalin und jubelnden Gästen er-klärte er: „Es gibt zwei Gewinner an dieser Vendée Globe!“
Charlie Dalin, der Skipper von Apivia, wurde an der Spitze der Flotte bejubelt, landete jedoch offiziell auf dem zweiten Platz und verpasste den Gesamtsieg um weniger als drei Stunden. Eine kaum zu überbietende Dramatik.
Der letzte Platz auf dem Podium ging an Louis Burton, der an Bord seines „betag-ten“ Bootes, dass das Rennen 2016 gewann, volles En-gagement und Ent-schlossenheit zeigte. Diese Tatsache führt ins Bewusstsein, dass auch „alte“ Renn-ungeheuer nicht abgeschrieben werden dürfen.
Das Rennen wird auch für die heldenhafte Rettung von Kevin Escoffier durch Jean Le Cam in Erinnerung bleiben, der durch die Zeitgutschrift auf dem vierten Platz bestätigt wurde. Jean hat bewiesen, dass man auch im mittleren Alter von 61 Jahren, keineswegs seine Segelfertigkeiten einbüsst, und nicht unterschätzt werden darf.
Im Bild Jean Le Cam der Oldie in seinem Element

Einige Stunden vor dem Ziel hatte der deutsche Skipper Boris Herrmann Schreckensmomente zu überstehen. Er kollidierte mit einem Fischtrawler der seine Träume zunichtemachte. Kurz vor dem Vorfall kämpfte er noch immer um den Sieg. Die Taktik, sein modifi-ziertes älteres Boot, mit einer material-schonenden Fahr-weise konstant an der Spitze zu halten, war nicht nur nerven-aufreibend, sondern hat sich auch bewährt. Nach achtzig Renntagen ein solches Schicksal zu erleiden, zeigte wieder einmal die grausame Seite einer Vendée Globe Veranstaltung auf.
Nur mit dem sechsten Schlussrang belohnt war Thomas Ruyant der Verlierer der diesjährigen Globe.  Diese Position wiederspiegelt seine Leistung auf dem Wasser in keiner Weise. Der Skipper von LinkedOut verbrachte zwei Drittel des Rennens in den Top Drei, obwohl er sich vor Einfahrt in den Indischen Ozean ein Foil gebrochen hatte.
Die Enttäuschung wird für ihn schwer zu überwinden sein, zumal er als Favorit gehandelt wurde und das wohl innovativste Schiff im Feld sein eigen nennen durfte. Der aus Nordfrankreich stammende Skipper wird sicherlich noch länger mit der Enttäuschung zu kämpfen haben.
Der zweimalige paralympische Meister Damien Seguin belegte den siebten Platz und beeindruckte alle, indem er seiner Erfolgsliste eine weitere Heldentat hinzufügte.Mit nur einer Hand geboren, wollte er beweisen, dass jeder versuchen sollte, seine Träume zu verwirklichen auch wenn er handikapiert ist. Er dürfte nicht nur für Segler ein Vorbild und Idol werden.
Der italienische Skipper und ehemalige Uni-Dozent für Philo-sophie, Giancarlo Pedote mit Sitz in Lorient, Bretagne, belegte den achten Platz und erzielte die beste Leistung, die ein Italiener in der Vendée Globe Geschichte jemals abschloss.
Schließlich kehrte der Lokalmatador Benjamin Dutreux am Freitagmorgen (29.01) nach Hause zurück und wurde weniger als 24 Stunden nach der Ankunft des ersten Bootes in dieser außergewöhnlichen Vendée Globe Ausgabe Neuntplatzierter.
Heute Samstag, erreichte Maxime Sorel mit V & B Mayenne, als Zehnter die Ziellinie. Seine Rennjacht wurde schon in Jahr 2007 gebaut und hat an zwei Vedée Globe Rennen teilgenom-men, aber heute zum ersten Mal den Kurs beenden können. Zuvor musste das Schiff wegen diversen Havarien vorzeitig die Rennen abbrechen.

Schlussgedanken zum Finale
Das Rennen ist noch lange nicht zu Ende. 15 Skipper und Skipperinnen sind noch unterwegs und kämpfen um die Ehre das härteste Rundum Rennen beenden zu können. Darunter sind fünf Frauen die die Achtung der Segelscene verdienen, vor allem, die Französin Clarisse Cremer, die als zwölfte ins Ziel kommen dürfte.
Experten sind sich einig, dass diese Auflage das wohl verrücktesten Ren-nen um die Welt war, die Vendée Globe 2020/2021! Sie wird bald in die Geschichte eingehen und in nächster Zukunft wohl kaum zu toppen sein. Auch Jules Verne dürfte anlässlich der Spannung und Dramatik des Rennens sich im Grabe umgedreht haben.
Trotzdem fiebern wir bereits einer Neuauflage entgegen. Die Zehnte Vendée Globe 2024 als Jubiläum dürfte viel Innova-tives im Gepäck haben und vor allem junge und talentierte Gladiatoren der Ozeane hervorbringen. Auch diese Neuauflage in vier Jahren werden wir mit gleichen Erwartungen, Hingabe und Intensität verfolgen.
Segelsaison – Abschluss oder Neuanfang?
Es ist müssig über den Abschluss resp. den Neuanfang zu philo-sophieren, denn sie hat 2020 wegen der Corona Epidemie nicht oder nur gebeutelt stattgefunden. So war es ein Highlight an der diesjährigen Vendée Globe als virtueller Gast teilnehmen und ohne Gefahr von Havarien mitsegeln zu dürfen. Eine zeitfüllende Be-schäftigung im nimmer endenden Lockdown. So wurde über mehr als zwei Monate des Seglers Herz erfreut, natürlich nur für jene, die nichts Besseres vorhatten, durften oder konnten.
Den Rückblick ist mit diesem Bericht geschlossen, aber eine opti-mistische Perspektive für die Segelsaison 2021 fehlt noch. Blue Whale träumt schon von Begegnungen mit Jachten die mit paral-lelen Kurs auf Seen oder Meeren unterwegs sind, wo Skipper zu uns rüber schielen und eifrig, ja unermüdlich die Segel trimmen und die Crew herumhetzen. Spätestens dann wissen wir, das die Neuauflage der Vendée Globe gestartet hat und wir mitten drin sind.

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