Magna Hungaria

Autor L.S. vom 28.05.2017

Magyarország

Die Sprache die eine Bevölkerungsgruppe prägt! 

Vorwort zum Aufsatz über Ungarn.

Unter der Rubrik „Wissenswertes“ & „Ungarn“ möchte ich etwas über die ungarische Sprachen berichten. Oft, wenn ich mich mit Freunden in meiner Heimatsprache unterhalte, werde ich von Zu-hörern gefragt; Was ist denn das für ein Kauderwelsch? Nun, die Antwort lässt sich nur verständlich erklären, in dem man etwas über Sprachen im Allgemeinen und deren Historie weiß, darum auch „Wissenswert“!
Weitere Gründe, warum dieser Aufsatz unter dem Blog „Segeln“ erscheint ist. Die Ungarn gehörten über eine längere geschicht-liche Periode zu den Adria Anrainerstaaten, in der Neuzeit ver-blieb ihnen leider nur noch das flächenmäßig größtes Binnenge-wässer Europas. Im ersten Weltkrieg wurde ihr seetüchtiges Kriegsschiff, die SMS Szet Istvàn der K u K Dynastie, 1918 von den Alliierten in der Meerenge von Otranto (It) versenkt.
Last but not least; Ungarn ist mein Geburtsland und auf der MSY Blue Whale sind die ungarischen Farben auf der Backbordsaling gehisst.
Für ein besseres Verständnis startet das Hauptthema „Magyar nyelv“ (ungarische Sprache) mit einem kurzen, interessanten geschichtlichen Hintergrund. Die weiteren Untertitel ermöglichen, dass gewisse Themen herausgepickt und andere, von geringerem Interesse, übersprungen werden können. Detaillierte Ausführun-gen sind nur noch als Bild-Dateien eingebetet.

Alle mit Rot markierten Ausdrücke und Begriffe sind mit WEB-Links versehen!

Gedanken von Dürrenmatt (Klick zum Lesen)

Friedrich Dürrenmatt soll einmal gesagt haben, dass es in Europa zwei furchtbar schwere Sprachen gäbe; nämlich Portugiesisch und Ungarisch.
Portugiesisch sei ja schon unglaublich schwer, aber Ungarisch sei schon so schwer, dass es nicht einmal mehr die Portugiesen verstünden.

Integration ja, aber keine Assimilation!
Die Ungarn stellen aus dem finno-ugrischen Sprachenkreis das größte Volk und auch dasjenige, welches am weitesten nach Westen gezogen ist. Es ist erstaunlich, dass es diesem Volk trotz sprachlicher Isolation und jahrhundertelangen Assimilationsdruck – vor allem, anfangs von türkischer und später von deutscher Seite her – gelungen ist, die recht eigentümliche Sprache zu bewahren. Nicht zuletzt deshalb definieren sich die Ungarn vor allem über ihre Sprache.
Es mutet wie ein Wunder an, dass die Magyaren nach ihrer Landnahme im ausgehenden 9.Jahrhundert nicht, wie so viele andere nomadischen Völker, nach und nach von den eingesessenen Völkern assimiliert wurden, das Gegenteil ist geschehen.
Ein Beispiel; Die Ursprüngliche Sprache der Helvetier, ein keltischer Dialekt wurde im Laufe der Geschichte im Osten vom alemannischen und im Westen vom frankeproven-zalischen Dialekten ersetzt!

Beispiel von Lehnwörtern.
Ungarisch mit Japanisch verwandt?
Einfluss der Deutschen Sprache!
Karte Sprachgebiet Lenguas Finougrias.

Die Sprachenfamilien
Über die Sprachverwandtschaft in Europa erkennen wir zu welcher Sprachgruppe die Nationen gehören. Griechische, lateinische, germanische, slawische Sprachgruppen, nur um einige zu benennen, haben alle das ur-indogermanisch als Sprachenfamilie, welche in Mesapotanien seinen Ursprung haben soll.
Das Ungarisch und Baskische können keiner dieser Gruppen resp. Familie zugeordnet werden. Sie passen noch am ehes-ten in die uralische Sprachenfamilie weil der agglutinierende Sprachbau herausragt. Diese These ist jedoch sehr umstrit-ten. Die Sprachenverwandtschaft der Europäer könnte rela-tiv einfach erklärt werden, nämlich, dass sie beieinander ab-geguckt oder abgeschrieben hätten. Der Ursprung ist jedoch in den Völkerwanderungen zu finden, den die großen Volks-gruppen welche in Europa angekommen sind, Kelten, Lango-barden, Goten und Germanen, nur um wenige zu nennen, bestanden wiederum aus zahlreichen Stämmen die der gleichen Sprachenfamilie (Indogermanisch) angehörten.

Bild der weltweiten Sprachenfamilien.
Beispiele der Sprachen-Verwandtschaft.

Klassifizierung einer Sprache

Wie kann man feststellen wie komplex und schwer eine Sprache zum Erlernen ist? Die Eigenschaften zur Beurteilung können wie folgt kurz zusammengefasst werden. Die wich-tigste Eigenschaft einer Sprache ist die Erlernbarkeit und ob die Sprache überhaupt lesbar ist und nicht noch ein zusätz-licher Aufwand für die Schrift von Nöten ist. Im Chinesischen und Japanischen werden die Logo- und Piktogramme wie auch Silbenschriften verwendet. Die antike sumerische Keil-schrift in Mesopotamien, oder auch die Hieroglyphen der Ägypter und Inkas in Südamerika haben die Wissenschaft lange auf Trab gehalten.

Hingegen sind unsere Schriftzeichen und Buchstaben gera-dezu einfach. Komplex zum Erlernen wird es, wenn die Be-tonung und Aussprache von Wörtern die Bedeutung stark verändert. Das Polnische wie das Tukuya der östlichen Ama-zonasindianer soll in dieser Hinsicht kaum zu überbieten sein. Zu guter Letzt kommen noch die grammatische und verbale Formen, Satzaufbau, Substantive, Vokale und die Konjugation des Wortstammes wie im Ungarischen zum Tra-gen. Die Regelausnahmen, synthetische oder analytische Sprache,archaischer Wortschatz oder verschiedener Schreib-weisen fürs gleiche, bedeutet eine enorme Erhöhung der Komplexität. Nachstehend die Rangliste der schwersten zu erlernenden Sprachen auf der Welt, ausgearbeitet nach „United States Department of State, Foreign Service Institute”.
Die Rangliste der Sprachen
Technische Daten zur Sprache

zum Abschluss etwas aus unserem vom Arabischen übernommenen Schreib- und Sprachgebrauch

Besondere Eigenschaften der Sprache

Wer als z.B. Deutscher zum ersten Mal etwas Ungarisches hört wird nach anfänglichem „Häääh?“ und hochgezogenen Augenbrauen feststellen, dass das Ungarische eine ganze Reihe von Lauten besitzt, die es in seiner Sprache nicht gibt.
Weiterhin fällt eine recht eigenartige Betonung der Worte auf: es wird stets die erste Silbe eines Wortes betont. Aus-nahmslos! Die Schweizer im Züridytsch machen es übrigens genauso! Nur spielt das für sie und die Anderen zunächst keine Rolle, denn wenn jemand im korrekten Ungarisch daher kommt, verstehen tun es nur Landsleute.
Hier ein einfaches Beispiel für den großen (grammatikali-schen) Unterschied zwischen z.B. Deutsch und Ungarisch:

Ein Wortungeheuer?!?  – Beispiele
Während die Deutschen „mit unserer Ungerechtigkeit“ leben müssen, sprechen die Ungarn von „igazságtalanságunkkal“!
Wie bitte? Das sei ja ein wahres Wortungeheuer? Aussprechen – unmöglich!?!
Na, was bitte schön soll dann ein Ausländer von unserem „Einkommensteuergesetz“ halten?
Das hat genauso viele Buchstaben. Und lang muss der unga-rische Ausdruck ja auch sein, logischerweise, denn er muss ja all die Feinheiten in sich vereinigen, für die wir Deutschen mehrere Worte brauchen.
Weiter Zungenbrecher der Deutschen Sprache;
– Internetsuchmaschienenoptimierung
– Sonntaganachmittagsverkehrsdichte
– Grundschulintegrationslandesbeauftragtenstelle

Grammatikalische Details

Dieses Kapitel soll Interessiert ansprechen, welche weitere Details der sprachlichen Einzigartigkeit erklärt haben möch-ten oder grammatikalisch Bewandert sind. Die fünf Unter-titel dienen zur besseren Übersicht;
Mit Klick öffnet sich der Text!
Das Agglutinierende
Die Vokalharmonie
Die Suffixe
Die Hilfsverbe
Die Satzbildung
Bestimmt oder unbestimmt
Grammatikalische Geschlechter

Schlusserläuterungen
Das Ungarisch; Eine lebendige Sprache!
Der moderne Ungar liebt die aktive Form der Sprache. Pas-sivkonstruktionen, in denen vor allem der deutsche Amts-schimmel gern wiehert, gibt es im Ungarischen „Gott-sei’s-Gedank“ nicht mehr! Das soll aber nicht heißen, dass unga-rische Beamte ihre Untergebenen grundsätzlich auf Händen tragen und allgemein verständliche Schreiben formulieren.
Apropos Gott: die einzige Schrift, in der noch Passivaus-drücke vorkommen, ist die Heilige. Doch ist es wohl auch hier nur noch eine Frage der Zeit bzw. des Zeitgeistes, bis eine modernisierte Fassung der Bibel erscheint.
Das schwierige der Übersetzungen
Wie Leser, der deutschen und ungarischen Sprache mächtig, bemerkt haben, ist die angebotene „Google-Übersetzung“ wegen der sprachlichen Komplexität des Ungarischen recht dürftig. Dazu nachstehend ein paar detaillierte Erläuterungen (Hier Klick zu den Erläuterungen).

Resümee
Ist erster Linie ging es in diesem Bericht nicht darum zu überzeugen; Ungarisch lernen zu müssen. Die Erläuterungen sollen lediglich die Einzigartigkeit dieser Sprache hervorhe-ben. Vor allem die Beispiele zeigen doch sehr deutlich, dass Verständlichkeit für ungarischen Sprache erst aufgebracht werden kann, wenn mit Klischees und den alten Gewohn-heiten gebrochen wird. Diese Überwindung dürfte vermutlich schon einigen schwer fallen! Wer sich jedoch im Allgemeinen für Sprachen interessiert, für den werden die Erläuterungen über Art und Weise wie sich das Ungarische aufbaut, auf je-den Fall eine Bereicherung sein. Sobald sich dem Leser er-schließt, wie die menschliche Sprache, in diesem Fall das Ungarische, im allgemeinen funktioniert bzw. funktionieren kann, so wird man diese Sprache auch nicht mehr als so schwer einstufen, wie man es zu Anfangs vermutet hatte.
Ich hoffe, dass der Leser genügend Sitzfleisch mitgebracht und von der trockenen Materie nicht verschreckt wurde, so dass er von den wundersamen bis wunderbaren Eigenarten der ungarischen Sprache beeindruckt werden konnten.

An dieser Stelle möchte ich mit dem Irrtum aufräumen, dass die Magyaren oder Ungarn etwas mit den Hunnen zu tun hätten. Diese Legende ist weit verbreitet, sogar unter ungarischen Landsleuten! 

Die Hunnen-Legende

Es ist nicht verwunderlich, dass durch die aus dem Osten auftauchenden nomadischen Reiterscharen, Schrecken und Verwüstung verbreitet wurde. Etliche Legenden entstanden, erwiesen ist aber, dass die Hunnen die Völkerwanderung ausgelöst haben. Halb Europa wurde durch Brandschatzung stark in Mitleiden-schaft gezogen und so konnten sich Hungersnöte und Epide-mien ausbreiten.  Aus dieser Zeit stammte der christliche Ausruf „Geißel Gottes“ und bezog sich auf die Bestrafung der Römer für ihr ausschweifendes, lasterhaftes Leben.
Es verwunderte nicht, dass die Magyaren (Ungarn), welche erst 400 Jahre später in Europa gewütet hatten, mit den „Hunnen“ von Attila verwechselt wurden. Also stammt das Wort „Ungar(n)“ etwa vom Wort „Hunnen“ ab? Natürlich könnte man auch diesem Trugschluss erliegen; erst recht, wenn man bedenkt, dass Attila im ungarischen nichts mit der „Geisel Gottes“ zu tun hat und somit kein schändlicher Name ist, vergleichbar mit dem deutschen Namen „Adolf“. Selbst viele Ungarn verfallen dem Irrglauben, die Hunnen wären ihre Vorfahren gewesen! Die moderne Forschung hat bewiesen, dass der Ursprung der Bezeichnung „Hunnen“ im lateinischen zu suchen ist und grundsätzlich auf die antiken Reiterstämme, welche aus dem Osten kamen, verwendet wurde.
So wie die Hunnen in der Geschichte aufgetaucht sind, so sind sie auch wieder verschwunden!

Um den Aufsatz mit dem geschichtlichen Teil zu vervoll-ständigen, sind die wichtigsten geschichtlichen Meilen-steine aufgeführt. Mit Klick auf die markierten Texte oder Bilder können Zusatzinformationen abgerufen werden.

Zeittafel 1 ca. 5000 BC. bis 1000 AC.

Die Ungarische Geschichte Teil 1

Um den geschichtlichen Rahmen nicht zu sehr zu strapa-zieren, nachstehend die Meilensteine der Ungarischen Geschichte.

6000 – 4000 BC. Die finno-ugrischen Völker siedeln in der Umgebung des Uralgebirges
4000 – 3000 BC. Einzelne Stämme brechen aus der Gemeinschaft in östliche und westliche Richtungen auf Bild; heutiges Siedlungsgebiet
3000 – 2000 BC. Klimatische Veränderungen führen dazu, dass sich die Siedlungsräume der Ugrier langsam von Waldsteppen in Trockensteppen wandelten, weiter Stämme verlassen die Gegend.
2000 – 1500 BC. Die Vorfahren der heutigen Magyaren bleiben in ihrem Siedlungsgebiet, ändern allerdings ihre Lebensweise und werden zu einem Nomadenvolk Bild; die Wanderroute
ca. 1000 BC. Eine Klimaabkühlung zwingt die Magyaren in südlichere Gebiete auszuweichen. Dort kommen sie mit iranischen Völkern der Skythen und der Sarmaten in Kontakt. Sie übernehmen ihre Lebensgewohnheiten und wandeln sich zu einem Reitervolk.
ca. 500 BC. Eine erneute Abkühlung veranlasst die Magyaren ihre angestammten Gebiete in westlicher Richtung über den Ural zu verlassen. In der Gegend der heutige Republik Baschkortostan (RUS) welche nach überlieferten Quellen „Magna Hungaria“ genannt wurde werden sie heimisch und zu Halbnomaden.
ca. 500 AC. Die großen Völkerwanderungen bringen auch die Magyaren in südwestliche Richtung in Bewegung.
700 – 800 AC. Der Großteil der Magyaren wandert in das südwestliche „Levedien“ zwischen dem Fluss Don und dem Asowschem Meer ein Sie unterwerfen sich der Oberherrschaft der Chasaren, ein turkmenischen Stammesverband, und werden wieder Sesshaft.
820 – 839 Aufständen der Kabaren gegen die Chasaren scheitert, worauf diese Zuflucht bei den Magyaren suchen und integriert werden.
ca. 850 Die Chasaren zwingen die Magyaren nach Westen weiter zu ziehen bis sie im Zwischenstromland (ungarisch: Etelköz) sich niederlassen.
ca. 860 Angriffe der Chasaren und Bulgaren (auch ein Turkstamm) nehmen zu. Die Magyaren verbünden sich mit Byzanz.
862 – 881 Reiterheere der Magyaren unternehmen Raubzüge ins Karpatenbecken bis sie durch die Ostfranken gestoppt werden.
889 Die Ostfranken werden geschlagen, Großmähren und Teile Ostfrankens geplündert.
892 Die Magyaren verbünden sich mit den ostfränkische König Arnulf und besiegen die Langobarden. König Arnulf stirbt kurz darauf.
894 Auch der Großmährische König Sventopluk stirbt.
894 – 897 Ein Machtvakuum entsteht. Fürst Árpád führt die Magyaren über die Karpaten in die Pannonische Tiefebene. Bild; Landnahme
897 – 900 Árpád eroberten auch die grossmährische Provinz Transdanubien und sicherten sich weitere Gebiete von den Karpaten her.
898 Auf dem Reichstag in Szeged beschliessen die 7 Fürsten die Grundlagen für die Organisation und Verwaltung ihres neuen Staates Ungarn. Sie etablieren wie fast alle europäischen Völker des Mittelalters eine Ständegesellschaft
904 Kurszán, der politisch-religiöse Führer des ungarischen Stammesverbandes wird bei einem Festmahl ermordet. Dies nutzt der militärische Oberbefehlshaber Árpád und schaltete Kurszáns Gefolgsleute aus und reißt die Alleinherrschaft an sich.
905 – 932 Zeit der Beutezüge (50) in Europa
933 Erste große Niederlage der Reiterhorden bei der Schlacht von Riade durch den ostfränkische König Heinrich I.
ca. 950 Die Magyaren werden erstmals vom byzantinischen Kaiser Konstantin VII. schriftlich erwähnt. Namen und Bezeichnungen von sieben Stämmen werden überliefert; Nyék, Megyer, Kürtgyarmat, Tarján, Jenő, Kér und Keszi,
955 Zweite Niederlagen auf dem Lechfeld bei Augsburg durch den deutschen Kaiser Otto I. Drei Stammesfürsten (Bulcsú, Lél und Súr) werden gefangen genommen und gehängt. Große Gebietsabtretungen im Westen.
960 Fürst Géza (Urenkels Árpáds)  verbessert die Beziehungen mit dem Deutschen Reich und läßt sich im katholischen Glauben taufen.
966 Die Byzantiner stoppten die Tributzahlungen und schlagen die Magyaren bei Arkadiupolis
1001 Gézas Sohn Vajk, läßt sich auf den Namen Stephan I. (ungarisch: István) taufen und gilt als „Vater der Christianisierung“. Er erhält von Papst Silvester II. die Königskrone und wird nach seinem Tod Heilig gesprochen. Bild; Wappen
Zeittafel 2 ca. 1000 AC. bis Neuzeit

Die Ungarische Geschichte Teil 2

Um den geschichtlichen Rahmen nicht zu sehr zu strapa-zieren, nachstehend die Meilensteine der Ungarischen Geschichte.

997-1038 Stephan I., der Heilige, Staatsgründer und erster ungarischer König, Westorientierung des sich formierenden Königreichs.
1222 Andreas II. (1175-1235) erlässt die „Goldene Bulle“ über aristokratische Vorrechte, die eine ähnliche Rolle wie die Magna Charta von 1215 spielte.
1241/1242 Einfall der Mongolen, die goldenen Horden unter Kahn Batu (Enkel des Dschingis Kahns)
1301-1342 Karl I. Robert von Anjou. Karte: Herrschaftsgebiet
1342-1382 Ludwig I. der Große von Anjou.
1368-1437 Sigismund von Luxemburg, Entwicklung eines Ständestaates.
1370 Vereinigung der Königreiche Ungarns und Polens. Karte: Königreich H&P
1397-1439 Albrecht von Habsburg, Bedrohung durch osmanisch-türkisches Reich.
1458-1490 Matthias Corvinus besetzt wichtigste Ämter und Behörden mit Magyaren, die deutsche Bevölkerung (etwa 50 %) behält jedoch ihre eigenen Rechte; Kampf gegen die Osmanen; 1490 stirbt Corvinus, Rückeroberung Wiens durch die Habsburger. Karte; Grenzgebiet Habsburg & Ungarn & Osmanisches Reich
1514 Bauernaustand von György Dózsa. (Link zu ganzem Bericht!)
1526 Ungarische Armee in der Schlacht von Mohács von den Türken vernichtend geschlagen; Landaufteilung in drei Teile; Westen geht an die Habsburger, der Osten wird Fürstenstand Siebenbürgen, die Mitte fällt ans Osmanische Reich.
1541-1686 Unter der Herrschaft der Türken (145 Jahre) wird Buda (Ofen) westliche Grenzstadt des Osmanischen Reiches.
1686 Rückeroberung Budas und Pests durch kaiserliche Truppen unter Prinz Eugen von Savoyen; Habsburger Herrschaft über ganz Ungarn. Bild; Statue Prinz Eugens auf dem Budapester Königspalast
ab 1698 Ansiedlung der Ungarndeutschen in der Zeit von Maria Theresia.
1703-1711 Unabhängigkeitskampf gegen den Habsburger Machtanspruch in Sieben-bürgen unter der Führung des Fürsten Ferenc II. Rákoczi. Annahme der Pragmatischen Sanktion durch die Stände Ungarns (Unteilbarkeit des Habsburger Reiches, Anerkennung der weiblichen Thronfolge).
1836 Ungarisch wird Staatssprache.
15. März 1848/49 Der nationale Unabhängigkeitskampf führt zur Revolution (Proklamation der Unabhängigkeit am 14. April 1849).
Aug.1849 Niederschlagung des Freiheitskampfes mit Hilfe russischer Truppen.
1867 Pest wird Sitz des Reichstages sowie Sitz aller ung. Ämter der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie. Krönung Kaiser Franz Josefs I. zum König von Ungarn.
1916 Kaiser Karl IV. von Habsburg wird zum letzten ungarischen König gekrönt.
Okt.1918 Bürgerlich-demokratische Revolution, Proklamation der Republik.
März 1919 Räterepublik für 133 Tage.
20. Juni 1920 Vertrag von Trianon: Ungarn verliert 2/3 seines Staatsgebietes und 1/3 seiner Bürger; 3 Millionen Ungarn verbleiben außerhalb der Landesgrenzen. Karte; Territorium Ungarn nach Trianon!
1919-1944 Ära des Reichsverwesers Miklós Horthy. Er bemüht sich von Anfang an um Revision der Grenzen und richtet einen parlamentarisch-bürgerlichen Staat mit diktatorischen Elementen ein.
1938 Erster Wiener Schiedsspruch: Rückgabe des von Ungarn bewohnten Gebietes der Slowakei.
1940 Zweiter Wiener Schiedsspruch: Teil Siebenbürgens geht zurück an Ungarn.
23. Juni 1941 Ungarn gestattet im Zweiten Weltkrieg den Durchzug deutscher Truppen nach Jugoslawien. Selbstmord von Minister-präsident Graf Teleki.
Juni 1941 Ungarn erklärt der UDSSR den Krieg; nach Vernichtung der 2.Ungar. Armee „Schaukelpolitik“.
19. März 1944 Besetzung Budapests durch deutsche Truppen – nach 6-wöchiger Belagerung. Beginn der Judenverfolgung unter Anleitung Eichmanns.
28. Dez. 1944 Kriegserklärung der provisorischen ungar. Regierung an Deutschland.
04. April 1945 Eroberung Ungarns durch die Rote Armee.
20. Aug. 1949 (Sankt Stephans-Tag): Verkündung   der Verfassung der Ungarischen Volksrepublik. Text der Proklamation!
23. Okt. 1956 Beginn des Ungarn-Aufstandes, blutige Niederschlagung 04. November 1956  durch sowjetische Truppen.
1958 Hinrichtung von Imre Nagy (Ministerpräsident) während des Aufstandes.
1957-1989 Sozialistische Volksrepublik mit Einparteiensystem. Detaillierte Erläuterungen
23. Okt. 1989 Ausrufung der Republik – Ende der Volksrepublik Ungarn. Detaillierte Erläuterungen
11. Sept. 1989 Ungarn öffnet seine Grenze für DDR-Flüchtlinge nach Deutschland
1990 Erste freie Wahlen: Sieg des konservativen „Ungarisches Demokratisches Forum“ unter Ministerpräsident Antall. Ungarn tritt am 06. Nov.dem Europarat bei.
1991 Austritt Ungarns aus dem Warschauer Pakt; Bildung der Visegrád-Gruppe (zusammen mit Polen und der CSSR). Abzug der Roten Armee aus Ungarn und auflösung des Warschauer Paktes.
1994 Zweite freie Wahlen: Sieg der Ungarischen Sozialistischen Partei unter Ministerpräsident Gyula Horn, Koalitionsbildung mit dem Bund der Freien Demokraten. Ungarn stellt am 01. April 1994 Beitrittsantrag zur EU.
19. Juni 1995 Staatspräsident Göncz wird zum zweiten Mal ins Amt gewählt.
13. Dez. 1997 Einladung zur Aufnahme von Beitrittsverhandlungen zur Europäischen Union anlässlich des Europäischen Rates in Luxemburg.
16. Dez. 1997 Unterzeichnung des Beitrittsprotokolls zur NATO.
10./24. Mai 1998 Parlamentswahlen: Wahlsieg von FIDESZ-MPP, die unter Ministerpräsident Viktor Orbán Koalition mit der FKgP und dem MDF eingeht.
12. März 1999 NATO-Beitritt Ungarns.

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Fabula Helvetica

Autor L.S. vom 17.04.2017

Helvetische Erzählung

– Fundament Schweizerischer Geschichte – 

Vorwort zum Aufsatz über Helvetien.

Vermutlich werden viele Fragen; Was hat ein Beitrag zur Schwei-zerischen Geschichte mit einem Segelblog zu tun?  Die Antwort ist relativ einfach; Die MSY Blue Whale segelt unter CH-Flagge und man soll das Land ehren wo der Anker sich ein-gräbt resp. wo sich die Lebenswurzeln räkeln. In der Hoffnung, dass die Web-seite auch von „Ausserirdischen“ gele-sen wird, dürfte das kurzen CH-Profil mit etwas Geschichte gewürzt und den Finalen Gedicht, mit an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit zur Völkerverständigung beitragen. Das historische „Gedicht“ am Ende des Beitrags ist als finalen Paukenschlag gedacht. Touch!

Identifikationsfigur

Mein Geburtsland weist keinerlei Bezug zur Schweiz auf, jedoch sind gewisse Parallelitäten augenfällig. Gemein ist, dass in der Antike beide Volksgruppen versuchten ihre Lebensbedingungen mittels Wanderschaft zum besseren zu wenden. Eintracht und Tradition halfen im „dunklen Zeitalter“ die Integrität zu festigen. Kleine Volksgruppen, wie die Helvetier und Magyaren, wurden zum Spielball der Großmächte. Ihren Grundwerten treu bleibend und den Freiheitskampf trotz hohem Blutzoll unbeirrt folgend, führte letztendlich zum Erfolg. Der Aufstieg als freie europäische Nati-onen war gesichert und verbrieft.

Reihenfolge des Eintritt der Kantone in den Bund

Geschichtliche Fakten können langweilen, hingegen ist diese Epo-che der Helvetier fundamental. Ich bin überzeugt, dass auch die-se Fakts zum allgemeinen Wissensstand gehören müssten, da sie nachweislich zur heutigen Schweiz beigetrugen.
Was war denn von solcher Bedeutung resp. Tragweite? Im nach-stehenden Beitrag sind die tragischen Ereignisse aufgeführt wel-che erst zwei Jahrtausende später in einem bemerkenswerten Gedicht manifestiert wurde. Das Werk beschreibt die Vision des keltischen Adeligen Orgetorix (Der König der Totschläger), ver-mutlich erster umstrittener, verratener Held der Helvetier. Das Gedicht musste in der Primarschule unter viel Mühe auswendig gelernt werden. Wer die geschichtlichen Fakten vorher nachliest, wird der Inhalt des Gedichtes eher faszinieren.Für Interessierte; Alle rot markierten Ausdrücke und Begriffe sind mit WEB-Links versehen!

Die Kelten (Klick zum Lesen)

Vorgeschichtliches bis zur römischen Herrschaftszeit

Das Gebiet der heutigen Schweiz ist seit der Altsteinzeit (Paläolithikum) besiedelt. In der Früh-Eisenzeit ca. 800 BC. entstanden die ersten Pfahlbau-Siedlungen um die Seen. In dieser Periode (Hallstatt-Zeit genannt) wandern keltischen Volksstämme in ganz Mitteleuropa ein.

Ein Stamm, Helvetier genannt, ließ sich auf dem Gebiet der heutigen Schweiz nieder und vermischt sich mit der dort an-sässigen Bevölkerung. Sprache, Bräuche und Glaubenskult wurden von den Kelten geprägt. Besseren klimatischen Be-dingungen während der zweiten Eisenzeit-Periode (500 BC. bis ca. 100 AC.) wie auch Innovationen in der Landwirtschaft trugen zur starken Bevölkerungszunahme bei. Die keltischen Stämme (lat. „Gallier„), wurden von der römischen Expan-sionspolitik, nach und nach in ihr Territorium eingegliedert.

Die Keltischen Stämme

Orgetorix & Gallus Julius Caesar
Um das Jahr 70 BC. werden die gallischen Helvetier zum ersten Mal in der Geschichte erwähnt. Durch die Zunahme der Bevölkerung und die geografische Begrenzung des Sied-lungsgebietes wollte man ins westliche Gallien (Bretagne) auswandern. Der Anführer, Orgetorix (keltisch; Der König der Totschläger) war (61 BC.) ein bedeutender und reicher Adliger des Stammes der Helvetier. Er wollte nicht nur An-führer sein sondern auch König werden! Durch Aufwiegelung und Bündnis der benachbarten keltischen Stämme sollte der Weg nach Westen durch das römisches Gallien sichergestellt werden. Das streben nach der Krone wurde Orgetorix zum Verhängnis. Aufgedeckt und abgeurteilt beging er vermutlich in der Folge Selbstmord († 60 BC.). Die Saat nach Freiheit und Selbstbestimmung war gesät.

In Jahre 58 BC. zogen die Helvetier dennoch aus. Sie unter-nahmen diesen Schritt wohl nicht nur aufgrund des Plans des Orgetorix, sondern wegen des Drucks von rechts des Rheins. Die Expansion der dort siedelnden germanischen Stämme, der Alemannen, wurde immer spürbarer. Der Exodus der Helvetier, angeführt von Ariovis, wurde von Feldherr Julius Ceasar vereitelt. Die Helvetier wurden bei Bibracte von den Römischen Legionen Caesar geschlagen und die Überleben-den wieder in ihre Heimat zurückgeschickt.

Caesar hielt die geschichtlichen Ereignisse (aus seiner Sicht der Dinge) in seinem zweiten Band der Reihe „Bello Gallico“ fest. Fast zwei Jahrtausende später wurde die Geschichte von Orgetorix in einem Gedicht des Schweizer Schriftsteller Alfred Hartmann um 1883 wieder zum Leben erweckt. Das Gedicht wurde in den 60er Jahren Bestandteil des Deutsch-unterrichts, welches z.T. mit viel Mühe auswendig gelernt werden musste.

Und nun nachstehend das Gedicht des Orgetorix in zwei Teilen!

Gedicht des Orgetorix - Die Verschwörung -

Orgetorix „Die Verschwörung“

Es standen im Ring auf grasiger Au
Helvetiens Mannen aus jeglichem Gau,
die Mannen vom ganzen Land;
sie standen beisammen in Waffen und Wehr,
die wuchtige Keule, den spitzigen Speer,
die hatte jeder zur Hand.

Und mitten im Ringe flammenden Blicks,
da stand der Häuptling Orgetorix.

und sprach mit beredtem Mund:
»Was weilen wir hier im kargen Tal?
Was bauen wir Hütten auf schwankem Pfahl?
Hört, was ich euch rate zur Stund’!

Wir stecken die morschen Hütten in Brand;
wir ziehen hinunter ins gallische Land;
wir ziehen mit Weib und Kind.
Wer trotzt wohl unserer Keulen Wucht?
Wir jagen die Memmen in die Flucht,
wie die Spreu des Kornes der Wind.

Wo die Traube reift, wo die Mandeln blüht,
wo des Mädchens schwarzbraunes Auge glüht,
wo nimmer die Schneeflocke fällt, –
Helvetiens Mannen, dahin, dahin,
in die gallischen Lande laßt uns ziehn!
Dem Starken gehört die Welt!«

Die trotzigen Mannen jubelten wild,
und jeder schlug mit dem Schwert an den Schild,
daß es laut am Fels widerhallt’!
Der Kriegszug ward beschlossen im Ring;
ein Rauschen wie Geisterflüstern ging
durch die heiligen Eichen im Wald.

»Zwei volle Jahre geb‘ ich euch Frist,
bis alles zur Reise bereitet ist;
zwei Jahre noch wollen wir harren.
Zwei volle Jahre noch habt ihr Zeit,
zu bauen das Korn, zu wirken das Kleid,
ans Joch zu gewöhnen die Farren.

Und ist dann alles zur Fahrt bestellt,
so stürzen wir jäh auf das gallische Feld
wie der Strom, der den Damm gebrochen,
wie die Lawine jäh zu Tale geht,
wenn der Südsturm über den Gletscher weht.«
So hatte der Häuptling gesprochen.

Gedicht des Orgetorix - Der Verrat -

Orgetorix „Der Verrat“

Und wiederum standen die Mannen im Ring,
berufen, zu halten ein Blutgeding,
ein Ding auf Leben und Sterben.
Und wiederum stand Orgetorix
in Ringes Mitte finsteren Blicks;
es ging um Leben und Sterben.

»Und glaubt ihr mich schuldig, was mir so fern,
ich woll‘ mich erschwingen zu eurem Herrn
und woll‘ euch machen zu Knechten;
und liehet ihr dem Verleumder das Ohr,
und wenn ich euer Vertrauen verlor,
so will ich mit euch nicht rechten.

Zieht ohne mich fort ins gallische Land,
den Rhodan hinunter zum Meeresstrand;
ein anderer mag euch weisen.
Doch dass ihr mit Unrecht mir gegrollt
und dass ich euch nimmer verraten wollt‘,
das soll mein Blut euch beweisen…«

Und stiess sich das eherne Schwert ins Herz;
er fiel in den Sand mit stummem Schmerz –
wo fändet ihr seinesgleichen?
Und schweigend auseinander ging der Ring,
berufen zum Blutgeding;
es bebten die heiligen Eichen.

Der Schriftsteller Alfred Hartmann

Der Schweizer Schriftsteller
Alfred Hartmann
(1814 – 1897)
war Herausgeber der humoristischen Zeitschrift ‚Postheiri‘

Quelle des Gedichts:
Aus dem Zürcher Lesebuch für das fünfte Schuljahr+
7. unveränderte Auflage 1961

Um den geschichtlichen Bilderbogen zu vervollständigen, erlaube ich mir, unter den nachstehenden Titeln die noch restlichen, wichtigen Meilensteine der Schweizerischen Geschichte aufzuführen.

Die Helvetier und die Völkerwanderung

Karte der Völkerwanderung

Während der Völkerwanderungen aus Osten (ca. 375 AC.) kam die eingesessene keltische Landbevölkerung stark unter Druck. Der über 200-jährige Frieden „Pax Romana“ bröckelte weil die Bedrohung nicht nur von den Hunnen im Norden sondern auch durch die im Süden aufziehenden Langobarden zunahm. Der Untergang des weströmischen Reiches wurde durch die innerpolitischen Machtkämpfe und Bürgerkriege beschleunigt bis das Reich im 5. Jahrhundert endgültig kol-labierte. Jetzt kam den Helvetiern ihre geographische Lage zum Tragen und so konnten sie sich während dieser Epoche behaupten.

Das Siedlungsgebiet der Alemannen

Vermutlich profitierten sie auch von ihren barbarischen, legen-dären Kampfeslust. Die Römer hatten sie gelehrt sich zu arran-gieren, was in der Folge zum Vorteil genutzt werden konnte. So wurde in weiten Gebieten des helvetischen Nordostens mit den germanischen Stämmen, anfangs mit den Alemannen und später mit den Schwaben, kooperiert. Ein Relikt aus dieser Zeit; Der alemannische Dialekt dominiert noch heute die ostschweize-rische Sprache. Zeitgleich mit dem Rückzug der Römer breitete sich in entgegengesetzter Richtung der christliche Glauben aus und verdrängte die angestammten Götter und Opferkulte. Von nun an wurde die Geschichte durch die Do-minanz von selbsternannten Fürsten und den Klöstern ge-schrieben. Es sollte das fast 1000-jährige „dunkle Zeitalter“ der Kriege, Hungersnöte und Säuchen beginnen. Die Aus-wüchse der Unterdrückung durch das System der Lehenspy-ramide im Heiligen Römisches Reich bestimmten fortan die mittelalterliche Gesellschaftsordnung.

Aus den Helvetiern werden Schweizer

Karte des Frankenreichs ca. 750 AC.

Den meisten Blog-Lesern werden die historischen Ereignisse, welche schlussendlich zum heutigen Staatsgefüge, der „Schweizerischen Eidgenossenschaft“ geführt haben, geläufig sein, darum nur ein kurzer Abriss der geschichtlichen Mei-lensteine mit Schlagwörtern;

300 – 500 Entstehung des Oströmischen Reiches mit Hauptort Konstantinopel und Niedergang des Weströmischen Reiches
500 – 700 Das Vakuum im Westen wird durch die Herrschaft der Frankenkönige ausgefüllt
750 – 1400 Das finstere Mittelalter beginnt, Fundamentalisten stützen sich auf Bibeltexte, daraus resultiert eine menschen verachtende und brutale Lebensart, Feudalherrschaften, Klöster, Christianisierung, diese Zeitspanne weist auch Erholungsphasen mit Kulturschaffen auf.
1291 In diese Zeit fällt die Gründung der alten Eidgenossenschaft, welches als loses Zweckbündnis von Talgemeinschaften der Zentralschweiz getragen wird, begünstigt durch die Rivalitäten zwischen Papst, Kaiser und Fürsten wegen Gebietserweiterungen
1315 Sieg in der Schlacht bei Morgarten gegen Habsburg
1386 Schlacht bei Sempach, Arnold von Winkelried beschert als Held den Sieg gegen die Habsburger
1474 – 1477 Die Eidgenossen dienen in den Burgunderkriegen als Reisläufer (Söldner), sie finden als begehrte Krieger Anstellung und können der Armut im Land entfliehen
1499 Deklaration der völligen Unabhängigkeit (8 Kantone)
1500  Aufklärungszeit, Lichtblicke des biblisch, jüdisch-christlichen Menschenbildes gewinnen Einfluss und bildet die Grundlage für eine Humane & brüderliche Gesellschaft
1515 Niederlage in der Schlacht bei Marignano gegen Frankreich, Ende der territorialen Expansion
1516 Der „Ewigen Frieden mit Frankreich“ zementiert Gebietsansprüche der Eidgenossenschaft und regelt das Aushebungsverfahren von Söldner für den Dienst im französischen Heer bis zur Revolution 1789
1523 – 1536 Die Reformation (1523 Zwingli, Zürich – 1536 Calvin, Genf) war eine Zerreissprobe der jungen Eidgenossenschaft. Die Aufklärung und Kritik am Absolutismus (Ancien Régime) kam in der Schweiz gut an.
1648 Austritt aus dem Deutschen Reich (Ende des 30-jährigen Krieges), Unabhängigkeitserklärung
1798 Gründung der Helvetischen Republik, Rückbesinnung auf die keltischen Vorfahren, Besetzung durch Napoleon
1803 Der französische Kaiser Napoleon diktierte der Schweiz unter dem Titel Mediation [Vermittlung] eine föderalistische Verfassung
1848 Nach etlichen Turbulenzen konnte die CH-Verfassung in Kraft treten. Stichworte; Bundesstaaten und Demokratie
1859 Die Schweizer Regimente in fremden Diensten werden bis auf die „Schweizer Garde“ beim Papst aufgelöst
1876 Henry Dunant gründet das (IKRK), Internationale Komitee vom Roten Kreuz, aufgrund Erlebnisse der Schlacht 1859 bei Solferino (It)
1891 (Heute wieder ein Thema) einführung der Volksinitiative & Abstimmung
1900 Gründungszeit der Industrialisierung, Ostschweiz, Textil- & Maschinenindustrie, im Norden (Basel) Chemie, West-CH Uhrenindustrie, später Banken mit Dienstleistung & Tourismus
1914 Neutralität im 1.Weltkrieg
1920 Beitritt zum Völkerbund, Neutralitätserklärung
1938 Anerkennung absolute Neutralität
1960 Mitglied Freihandelszone der EFTA
1971 Frauenstimmrecht wird eingeführt
1981 Verfassungsrechtliche Gleichberechtigung von Mann & Frau
1989 Abschaffung der Armee in Volksabstimmung abgelehnt
1992 Kein EWR Beitritt (später EU)

Bilderbogen aus verschiedenen Epochen der Schweizerischen Geschichte

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Laudatio Mittelmeer

Autor L.S. vom 13.02.2017

Das Mittelmeer

– Die Wiege der Zivilisation – 

Vorwort zum Aufsatz über das Mittelmeer.

Liebe SegelnBlog-Leser, viele Male habe ich schon die Gelegenheit gehabt das Mittelmeer besuchen zu dürfen, sei es als Reisender oder als Segler. Immer wieder haben mich die Küstenlandschaf-ten, die Inselwelten wie auch die Metropolen, und nicht zu verges-sen, Menschen, Völker und Kulturen mit ihren vielen Facetten in ihren Bann gezogen.  Im nachstehenden „Aufsatz“ möchte ich eine Kurzfassung der wichtigsten Themen geben, die mich bei meinen Besuchen ans Mittelmeer fas-ziniert, beschäftigt und nachdenken ließen. Recherchen haben mir dann Einblicke in die Vielfalt und Zusammenhänge des Ganzen ge-währt. Ein Zitat bringt es auf den Punkt; „Reisen ist die schönste Art des lernens!“
Und nun, die ketzerische Frage; Wer hat den schon ausgelernt? Meine Erkenntnis; Solange ich denke, lebe ich, also bin ich, ich will die schönsten Dinge des Lebens erleben. Wo sollen den die Erleb-nisse herkommen, wenn nicht durchs Reisen? Vielleicht kann ich so bei meinen, heute sagt man wohl „Followers“ oder Gleichge-sinnte, den Anstoß zu mehr Lebensfreude injizieren, was ein Hauptthema dieses Blogs sein soll. 
Für Interessierte; Alle rot markierten Ausdrücke sind mit WEB-Links versehen!

Der Mittelmeerraum (Klick zum Lesen)

Die Entstehung der Kontinente

Der Ur-Kontinent Pangäa zerbrach zu Urzeiten und die Bruchstücke begannen zu driften, dies nennen wir den Kontinentaldrift. Die tektonische Landverschiebungen umschlossen einen kleinen Bereich des Urmeeres, die Landmassen rundherum wurden vor ca. 90 Millionen Jahren gefaltet und aufgetürmt und so entstanden die großen Gebirge um das Meer. Das Mittelmeer war geboren, welches von drei interkontinentalen Landmassen, Südeuropa, Vorderasien und Nordafrika, eingegrenzt wurde. Im laufe der Jahrmillionen änderte sich das Klima noch unzählige Male, auf unterschiedlichste Einflüsse wie Vulkanausbrüche und Eiszeiten zurückzuführen. In der letzten Kaltzeit erfuhr die Region ihre letzte markante Klimaveränderung, und begünstigte durch ihre Lage, konnte sich im Mittelmeerraum ein einzigartiges, mildes Klima einstellen. Heute bezeichnen wir es als Oelbaumklima, welche die geografische Ausbreitung dieser Baumart eingrenzt. Die Entwicklung der ganzen Region wurde durch dieses Merkmal beschleunigt und etablierte sich zur Wiege der Zivilisation.

Die Gebirge
Im Uhrzeigersinn, in Spanien beginnend, treffen wir auf folgende Gebirge. Die Sierra Nevada im Westen gefolgt von den Pyrenäen, im Norden das Zentralmassiv, die Alpen, und im Osten die Dinariden. Den Übergang zu Vorderasien markieren die Gebirge in Griechenland und der Türkei, die Pindos und Rhodopen sowie im Süden das Taurusgebirge. Die libanesischen Berge bilden den Abschluss zu den weiten Flachlandgebieten im Süden. Den Abschluss bildet das Atlasmassiv der Maghreb Staaten.

Die Gebirge ums Mittelmeer

Meerengen und Gewässer
Im Osten befindet sich die Meerenge des Bosporus zwischen der europäischen und der asiatischen Kontinentalplatte mit Zugang zum Schwarzen Meer. Sie entstand vermutlich erst vor 7‘500 Jahren als Auswirkung des steigenden Meeresspiegels. Zwischen dem afrikanischen Kontinent und der iberischen Halbinsel befindet sich die Meerenge von Gibraltar und erschließt den atlantischen Ozean im Westen. Grosse Zuflüsse versorgen das Mittelmeer mit Süßwasser. Die grössten sind die Rhone, der Po und der Nil. Wobei letzterer der längste Fluss Afrikas ist.

Die frühen Landbewohner  nannten die für sie unendliche Wasserfläche liebevoll „Mare Mediterraneum“, das so viel heisst wie; Das Meer inmitten (umschlossen) von Land

Die mediterranen Windsysteme
Die in der mediterranen Hemisphäre angetroffenen besonderen Windsysteme werden nicht nur durch die Gebirge, die Land- und Wassermassen sondern auch durch die globale Wetterlage hervorgerufen. Aus Unkenntnis dieser Zusammenhänge wurden sie bis in die Neuzeit gefürchtet, da sie aus heiterem Himmel auch Orkanstärke erreichen konnten. Heute erweisen wir gebührenden Respekt und können uns darauf einstellen. Die wichtigsten Windsysteme im Uhrzeigersinn in Spanien beginnend;

Darstellung Windsysteme Mittelmeer

Der Poniente, ein Westwind der auch Levante genannt wird, sollte er auf Ost drehen. Der Mistral ein Nordwind aus dem Rohne Tal und hat schon manchem das Fürchten gelehrt. Der Libeccio ist eher unbekannt, weht an Korsikas Küsten regenmässig in den Sommermonaten aus W bis SW. Er ist unter anderem für Saharastaub im europäischen Mittelmeerraum verantwortlich. In den Wintermonaten dreht er auf N bis NW-liche Richtungen und wird Tramontana genannt.
Die stärkste Winderscheinung im Mittelmeer heißt Bora und schaufelt polare Luft von N bis NE über die Dinariden in die Adria. Es wurden schon Windgeschwindigkeiten von bis zu 250 km/h gemessen. Weiter Südlich in Griechenland heißt der NO-Wind Meltemi. Aufgebaut durch die Verschiebung der innertropischen Konvergenzzone (Monsuntief in Vorderasien und Azorenhoch) treibt er vorwiegen Anfang Sommer sein Unwesen. Zwischen den Inseln kanalisiert sich der Wind und erreicht Orkanstärke. Das Gegenstück ist der Scirroko (auch Chili genannt), der klassische S-Wüstenwind im südlichen bis südwestlichen mediterranen Seeraum, der auch schon Sandstürme und beträchtlichen Wellengang verursachen kann. Die Winde, Samum und Sharki sind alles gefürchtete Südwinde, aus den heißen Wüstenregionen zum Teil mit Sturmstärke wehend, jedoch örtlich begrenzt.

Geschichtliches
Erste nachweisliche Spuren von Menschen tauchen im Mittelmeerraum vor ca. 27‘000 Jahren auf. Die in der Nähe von Marseille, nach dem Entdecker Henri Cosquer benannten und heute überfluteten Höhlen, wurden erst im Jahr 1985 entdeckt.

In der Antike beherrschten verschiedene Hochkulturen in Teilen des Mittelmeerraumes. Jedoch erst den Römern gelang durch die punischen Kriege die ganze Region ihrem Einfluss unterzuordnen. Ihre Seeflotte, vorwiegend aus Galeeren bestehend, erzwang die Seeherrschaft. Daraus resultierte die Pax Romana eine friedliche Zeit wo die Mittelmeerregion zum ersten und zum letzten Mal vereint war. Diese Periode führte zur Erholung und zu Wohlstand. So verwundert es auch nicht, dass die römischen Machthaber beschlossen, das Mittelmeer umzutaufen und ihren Machtanspruch zu bekräftigten. Sie nannten es folglich „Mare Nostrum“, was so viel heißt wie „unser Meer“! Erst später beeinflusste die Völkerwanderung den Mittelmeerraum nachhaltig und führten zu Machtverschiebungen.

Maritimes
Schon in der Jungsteinzeit wurden Wasserfahrzeuge entwickelt und dienten vorwiegend dem Fischfang an den Küsten. Ägypter und später die griechischen Stadtstaaten waren die ersten Seefahrernationen. Wobei sich die ägyptischen Segelboote sich vorwiegend auf das Befahren des Nils konzentrierten, haben die Athener und Spartaner ihre Expansion mit Hilfe ihrer Seeflotte auf die ägäischen Inseln und aufs benachbarte Festland ausgeweitet. Wer kennt nicht die Sagen Homers über die Irrfahrten des Odyssee?

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Die Phönizier, Vorfahren der Libanesen, waren die ersten in der Antike welche sich trauten grössere Distanzen übers Meer zu segeln. Sie erschlossen sich Zutritt in entfernte Regionen und kamen durch Handel zu großen Reichtümern. Viele Siedlungsbegründungen, unter anderem Karthago, welche als Handlungsposten mit dem Hinterland genutzt wurden, werden ihnen zugeschrieben. Somit war ein großer Schritt in der Entwicklung getan, das Mittelmeer trennte die Völker nicht mehr, sondern hat sie verbunden.

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Landwirtschaft

Der fruchtbare Halbmond, ein halbkreisförmiges Gebiet ausgehend vom persischen Golf bis zum heutigen Ägypten wird als Ursprung des Ackerbaus und der Viehzucht bezeichnet. Durch die Domestizierung von Nutzpflanzen (Weizen, Gerste und Leim) wie auch der Nutztiere (Schaf, Ziege, Rind), konnte die Versorgung der Bevölkerung sichergestellt werden.

Der Handel mit diesen Gütern ermöglichte den Erwerb des begehrten Kupfer, Zinn und Eisens. Die Entwicklung ihrer Bewohner wurde schon früh durch den regen Handel beeinflusst und Begehrlichkeiten für andere Handelsgüter geweckt. Das brachte den Völkern und Kulturen Wohlstand aber auch kriegerische Auseinandersetzungen.

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Kulturelles

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Mit dem wachsenden Wohlstand erfuhr das kulturelle und spirituelle Leben Impulse und die abendländische Kultur war entstanden. In den Wissenschaften wurden erste Ansätze der Geometrie, Physik, Astrologie und Medizin entwickel. Die Baukunst wurde verbessert und es entstanden bis heute bewunderte Tempel und Bauten. Die Schrift konnte weiterentwickelt werden wodurch Wissen weite Verbreitung fand. Die Demokratie, im antiken Athen entwickelt, ist eine der Errungenschaften die wir noch heute pflegen. Man beachte, dass sechs der sieben Weltwunder in der Mittelmeerregion zu finden sind und somit deren kulturelle Bedeutung unterstreichen.

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Spirituelles

Die kulturelle und spirituelle Entwicklung der Mittelmeer Bewohner führten zu den ausgeprägten Götterkulten. Anschaulich die ägyptischen Mythologie, der bis ins Detail organisierte Olymp der Griechen und letzt endlich die römischen Gottheiten. Im ersten Jahrhundert n.Ch. wurden die römischen Götzenbilder durch die sich ausbreitende christliche Lehre abgelöst. Im achten Jahrhundert n. Ch. breitet sich ein weiterer Glaube wie ein Lauffeuer über die südliche Hemisphäre des Mittelmeers aus, der Islam. Nun beherbergt der mediterrane Raum drei der fünf Weltreligionen

Der Klimawandel

Der mediterrane Raumbereich hat der Menschheit viel gegeben, leidet heute aber unter der zunehmenden Bevölkerungsdichte. Die heutige Einwohnerzahl wird auf ca. 427Mio Menschen geschätzt. Jedoch schon in 30 Jahren wird die Region zur weltweit höchsten Bevölkerungsdichte emporsteigen. Der Wasserverbrauch wird eine der grössten zu bewältigenden Probleme darstellen. Der Verbrauch wird sich in den nächsten 30 Jahren vervierfachen. Schon heute hat ¼ der Bevölkerung keinen direkten Zugang zu Nahrungsmitteln. Die Kornkammer des Mittelalters, Griechenland, kann schon heute die eigene Bevölkerung nicht mehr ernähren. Zwanzig Millionen Einwohner haben keinen direkten Zugang zu Trinkwasser. In absehbarer Zukunft werden nicht nur Hungers- sondern auch Durstnöte die Region heimsuchen. Durch den Klimawandel verursacht werden heute Durchschnittlich bis zu 2°C höhere Temperaturen gemessen. Die Olivenhaine im Süden sind Teilweise schon vertrocknet. Wie viele Hinweise und Warnungen sind noch von Nöten bis der Mensch erkennt, dass es höchste Zeit ist gegen an zu steuern? Der Klimawandel hat die Region fest im Griff, es besteht jedoch Hoffnung. Die Landbevölkerung hat auch früher schon Katastrophen wie Erdbeben und Vulkanausbrüche überstanden. Nur waren diese Vorkommnisse nicht so global. Wird sie es diese Mal auch packen?

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Die Zukunft

Seit 27‘000 Jahren ist die Gegend besiedelt und hat Jahrtausende lang Hoffnung und Halt für die Bewohnern und Emigranten gegeben. Noch heute sehen 100‘000-de ihre Zukunft im mediterranen Raum. Sie emigrieren in Massen in den Mittelmeerraum und erhöhen die Spannungen. Marseille war in der Vergangenheit schon immer ein Schmelztiegel der kulturellen Verschiedenheiten und konnte sich bis heute behaupten. Aber wie lange noch? auch hier nehmen die Spannungen unverkennbar zu. Hat der Slogan, „wir müssen lernen zusammen zu leben“ immer noch Beachtung? Der Eindruck, abgedroschen zu sein, ist unverkennbar. Aber haben wir denn eine andere Chance?

Der Oliven-Zweig als Zeichen der Hoffnung

Das Mittelmeer, die Wiege unsere Existenz spricht zu uns, aber niemand hört hin! Was, wenn das Mittelmeer schon zu uns gesprochen hat?

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