Törnbericht Bari – San Foca

JOURNAL 10. Juni bis 27. Juni 2021

Donnerstag 10.Juni 2021
Leider musste ich zuerst den Flug nach Frankfurt antreten, der Direktflug mit Swiss wurde annulliert und nach einem vierstün-digen Zwischenstopp ging es mit einem kleinen Flug-zeug der deutschen Luft-hansa weiter nach Bari.
In Bari angekommen werde ich sprichwörtlich gefilzt, vermutlich wegen NON-EU. Auch das Gepäck wird in die Bestandteile seziert. Eine Schikane, welcher wir uns etwa wegen der letzten Abstimmung (Bilateral), werden verantworten müssen?
Heute scheint mein „Glücks-tag“ zu sein.
Den reservierten PW will man mir nicht aushändigen. Wegen einem Compi-Fehler erscheint nur mein Vornahme auf der Bestellung. Es dauert über eine Stunde bis das Malheur bereinigt ist. Etwas verspätet, völlig ausgelaugt und mit flatternden Nerven, komme ich im Appartement „House of Levante“ an.
Endlich geschafft. Morgen fängt die Schufterei auf Blue Whale an. Bild rechts; schon nach wenigen Tagen sieht Blue Whale wie nach einem „Face-Lifting“ aus.

11. – 14. Juni 2021 Bari, Nautica Ranieri
Bericht 1 „Arbeiten in der Ranieri-Werft“
Die ersten Tage waren recht anstrengend, heiss & tüppig mit vielen Überraschungen. aber ab Nachmittag des heutigen Tages (Montag 14.Juni) rekelt sich „BW“ in den Fluten des „Mare Nos-trum“ und geniesst nach langem Trockendock das kühlende Nass.
In dieser Woche reihen sich noch vielen Pendenzen an-einander inkl. Service-Auf-trägen. „BW“ sieht von Tag zu Tag besser aus, erstrahlt wieder in alter Pracht, nur meine Rentner-Hände sehen ledern und blasenträchtig aus. Des einen Leid & des anderen Freud!
Bild links; Kurz vor dem Touch-Down.

15. – 17. Juni 2021 Bari, Nautica Ranieri
Bericht 2 „Arbeiten in der Ranieri Werft“
Diese Tage waren nicht überfüllt mit Arbeit sondern mit Enttäu-schungen. Zuerst das Gute; die Rigg Kontrolle und der Motor Service sind durch und alles „OK?“ (Unzulänglichkeiten der Service-Firma stellten sich erst später ein). Der Fischer-Panda Generator (neu; FPG) streikt. Service & Fehlerbehebung sollen erst in Brindisi möglich sein.
Die Tage wurden durch Bekanntschaften von Franz & Helga auf FAGO (CH-Flagge), eine Beneteau 39  und Michael und Monika (AUT-Flagge) aufgewertet. Das Kennenlernen war kurzweilig, feucht (alle Arten von Getränken) und gesellig. Die CH-Jacht ist seit heute Morgen Richtung Norden unterwegs. Ich muss mich bis Montag gedulden bis ich das Besteck nach Süden stecken kann. Meine Bootsnachbarn M & M auf der TESORO eine Bavaria 39 werden schon am Wochenende nach Süden losdampfen.

18– 20. Juni 2021 Bari, Nautica Ranieri
Bericht 3 „Letzte Klarschiff-Arbeiten in der Ranieri Werft“
Langsam tauchen die Leichen an Bord auf, zuerst der Generator und nun der Autopilot. Der letztere gibt nur noch „Pipstöne“ von sich. Beides muss bis Brindisi warten. Sonst ist fast alles fertig. Am Sonntag letzte Aktivitäten und Rückgabe des Miet-PW’s. Am Montag ist fast Windstille prognostiziert aber ich muss los. Der Diesel wird seine erste Bewährungsprobe bestehen müssen. Bei fast 39°C (über Land) darf es endlich gen Süden losgehen mit Fahrtwind als einziges laues Lüftchen.
Bild oben, rechts & links; De ungarische und die italienische Flaggen wurden von Corona verweht und der Impeller (unten) verfressen. Zum Glück war Ersatz an Bord!

Montag 21.Juni 2021 Bari – Monopoli
(Teilstrecke 1, 31nm)
Heute war der längste Kalendertag des Jahres. Die Briese erwies sich als gnädig, denn wenn sie blies wie üblich von vorne. So konnten ich die rund 31nm bis nach Monopoli gut bewältigen. Am SE-Kai des Hafens (Gebührenfrei) habe ich angelegt und schleppte mich anschliessend mit hängender Zunge zum Garibaldi Platz um die erste Teilstrecke zu feiern. Dort genoss ich ein (oder) mehrere Birra, wer weiss das schon (siehe Bild)? Den Rest des Tages verbrachte ich zwangsläufig im „Wachkoma“. Hinter der Kaimauer war die Luftbewegung so gering, dass die ungewohnt hohen Temperaturen, Feuchtigkeit wie auch der Strahlungseffekt der von der Sonne aufgeheizten Kai-mauer kaum auszuhalten waren. Ich kenne keinen Segler der gerne leidet!Dienstag 22.Juni 2021 Monopol – Brindisi
(Teilstrecke 2, 39nm)
Bild unten; So sieht die Adria um 05:30 Uhr aus!
Kaum zu glauben, um 05:30 bin ich bereits unterwegs. Anfänglich verleitete der schöne Morgen mit dem Sonnenaufgang zum Tag-träumen aber am Nachmittag setzte der angekündigte SE-Wind mit bis zu 14kn ein. Die letzten Meilen werden zur Geduldsprobe. In der Marina tanke ich (40l Diesel) und lege am reservierten Gäste-platz in der Marina Brindisi an. Morgen soll der verspro-chene Handwerker für den „FPG“ kommen und am Donnerstag ist die Weiterfahrt nach San Foca geplant. Die Marina für 88 €/d mit den heruntergekommenen Nasszellen und dem Ambiente eines Gruselfilms lässt wohl nur die Herzen der Einge-borenen höher schlagen. Ein Ort, den du mit guten Gewissen niemanden empfehlen würdest. „Dolce Vita“ sieht wahrlich anders aus.

Mittwoch 23.Juni 2021 Marina Brindisi
(1. Wartetag)
Den ganzen Tag über habe ich vergebens auf den Mechaniker der Danese Werft gewartet. Er war meine Hoffnung dem defe-kten FPG Leben einzuhauchen. Hat nicht geklappt. Welcher Frust! Und das bei 88€ Hafen-gebühren. Morgen ist ja auch noch ein Tag, aber der soll die letzte Chance sein.
In der Nacht lasse ich in Ge-danken schon mal den Sensenmann aufmarschieren. Er soll dem Mechaniker Beine machen!

Donnerstag 24.Juni 2021 Marina Brindisi
(2. Wartetag)
Ja, das war der letzte Wartetag. Meine Verärgerung ist kaum in Worte zu fassen, denn noch immer warte ich vergebens. Alle Mails, Anrufe und Bitten haben nur bestätigt, dass es mit diesem Land (steil) bergab geht. Ich muss wohl aufgeben und einen Ex-perten in Griechenland bemühen. Da können die meisten Leute wenigstens eine Fremdsprache, nicht so wie die Italiener, die seit den Römern immer noch in Hochmut schwelgen und nicht bemerkt haben,dass das Imperium untergegangen und ihr „Mare Nostrum“ nicht mehr ihres ist.
In der Nachbarschaft der Marina befin-det sich die Danese Werft. Diese ist nach Möglichkeit zu meiden, obschon das Unternehmen einer dänischen Firmen-Gruppe gehört, hat sich der südliche Unternehmergeist durchgesetzt. Unter der Beschriftung der Werft (leider unleserlich) war der Slogan aufge-pinselt; „Spiacente, wegen Reichtums geschlossen.“
Beim ausklarieren aus der Marina ergiesst sich das Mitgefühl des Managements in 10% Rabatt. Die Rechnung bleibt trotzdem astro-nomisch hoch. Danke, denke ich, aber ich komme trotzdem nicht wieder.
Freitag 25.Juni 2021 Brindisi – San Foca
(Teilstrecke 3, 30nm)
Trotz unverrichteter Reparaturen bin ich wieder unterwegs. Ein Farewell an den Leuchtturm von Brindisi der stolz die Hafenein-fahrt bewacht. Mit geschwinder Fahrt, dank Wellen- & Windstille erreiche ich nach ca. 7h Port San Foca. Unterwegs hat mich noch ein belgisches Segelschiff, das ich von Bari her kannte, überholt. Sie sind unterwegs nach Otranto. Im Laufe des Tages steigerte sich die Hitze wieder über den Grenzbereich des erträglichen. Die Wetterfrösche in den klimatisierten Stationen behaupten;
Die heissen Tage kommen noch! Wie soll ich das bloss noch aus-halten? Glücklich jene, die ihre Eignerkabine runterkühlen können um sich zuzudecken.
Noch ein Erlebnis der negativen Art; Der Hafenmeister in San Foca findet mich nicht auf der Reservationsliste und will mich aus dem Hafen jagen. Selbstbewusst mit einem energi-schen „Mama Mia“, das obligate „vaffanculo“ vermeidend, darf ich doch noch anlegen. Später klärt sich das Missverständnis wie von selbst auf. Überschwänglich bedanke ich mich beim „Signor Capitano del Porto“. Auf das hat er gewartet, das hat er gebrauch und nun ist er glücklich! Warum trifft es immer Blue Whale und mich?

Samstag 26.Juni 2021 Port di San Foca
(Behördengang nach Otranto, 40km PW-Fahrt)
Negative Vorahnungen beiseite schiebend bin ich mit einem Privat-Chauffeur nach Otranto gepilgert. Dort wollte ich mich und Blue Whale ordnungsgemäss aus italienischen Hoheits-Gewässern abzumelden. Ich hätte die € 50 sparen können, denn nur auf Bitten hin bekomme ich eine unleserliche Bestätigung, dass ich Italien verlasse. Abzuwarten wird sein, ob die Griechen einen Beweis wollen woher ich komme oder für sie nur der Eintritt ins Land als solches entscheidend ist. Wer versteht schon die Hirnwindungen der Behörden?
Die 18 Monate Aufenthalt im EU Raum für ein Schiff mit CH-Flagge ist ja schon ärgerlich genug.Vermutlich wird bei jedem EU-Mitglied das übertreten der Grenze individuell von Zero an gerechnet, d.h. beim (wieder) Anmelden kurz vor Ablauf der Aufenthaltsfrist ge-nügt zu behaupten man komme eben aus………….(diesem Land)! Den Beweis für diese These werde ich am 2.Juli in Korfu beim Einklarieren in GRE versuchen antreten!

Sonntag 27.Juni 2021 Port di San Foca
(Ruhetag vor der Überfahrt)
Den heutigen Ruhetag ge-niesse ich in vollen Zügen bis fast eine Motoryacht vom Himmel auf die Blue Whale fällt. Die wird quasi über mich eingewassert. Nur mit beiseite drücken entgehe ich dem Versen-kungsversuch. Später legt auch noch ein Schiff der italienischen Küstenwache (auf Privatfahrt) stümperhaft mit typi-schem Italo Geschrei neben mir an. Wegen der Abgase kann ich nur Fragmente des Manövers beobachten. Später am Nachmittag und nach abklingen der letzten Hustenanfälle liege ich verlassen und alleine am Pier. Die letzte Mahlzeit im Städtchen schmeckt nach den Erlebnissen unecht. Grazie & Ciao Italia!

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