Törnbericht S. Foca – Preveza

Journal 28. Juni bis 13. Juli 2021

Montag 28.Juni 2021 San Foca (TAL) – Othonoi (GRE)
(Teilstrecke 4, 52nm)
Eigentlich eine Teiletappe nach Plan. Das Wetter stimmte, mit nördlichen Winden und Gr-Segel dem Ziel entgegen. Einzig die SW laufende Dünung machte BW zu schaffen. Etwa 3sm vor dem Ziel das Fiasko. Der Motor kollabiert nach einem Grunzen! Mit segeln geht’s noch 1nm Richtung Othonoi gen Osten aber dann schläft auch noch diese schwache Briese ein.
Bild unten zeigt BW im Schlepptau mit ca. 5kn fahrt!
BW erfährt Hilfe und Rettung durch einen ital. Motorbootfahrer. Auch er bringt das „gute Stück“ nicht zum Laufen und schleppt mich letztendlich in den Stadthafen von Othonoi. Dort erhoffe ich mir mechanischen Beistand. Ich habe im Laufe des Törns viel über die Italos gemeckert, aber nun bewahrheitet sich die Ausnahme.
Sergio kann Englisch und ist Blue Whale‘s rettender Engel. Für die Rettung bin ich so „Happy“, dass ich es mir nicht nehmen lasse, die Familie (2 EW & 4 Bambini) zum Abendessen im Örtchen Othonoi einzuladen.
Auf der Karte sind die 4 Stationen des Unglücks (Motorstillstand) und der Bergung festgehalten. Die Distanzen; Punkt 1-2 ca. 0,5nm & Punkt 2-3 ca. 1,5nm & Punkt 3-4 ca. 1,0nm. Total ca. 3,0nm!
Dienstag 29.Juni 2021 Nisos Othonoi (GRE)
(Warten auf den Mechaniker im Gemeindehafen)
Das Geduldsspiel fängt an, diesmal auf Griechisch. Erst mal muss BW auf den N-Pier verholt werden um Strom nachladen zu können und besseren Zugang zum Schiff zu haben. Mit einem Tau wird Blue Whale noch vor aufkommen der Thermik auf die andere Seite des Hafens verholt.
Ab Mittag fängt das Warten auf Vasili (Kosename „Billie“) an. Dank Einsatz von Yaris, dem einsatzfreudigen Hafenmeisters, kommen wir einen Schritt voran und wer glaubt’s, die Maschine läuft am Abend gegen 21:00 Uhr wieder. Die prov. erstellte Diesel Leitung zwischen dem zweiten Tankanschluss und Dieselfilter soll bis Korfu halten. Dort muss der Diesel gefiltert und der Ansaug im Tank gereinigt werden. Vermutlich haben die Schwankungen des Schiffes Unrat aufgewirbelt und zur Verstopfung des Diesel Ansauges geführt.
Billie verlangt für 4h Arbeit € 100.—  aber ich finde, dass guter Einsatz gebührend entlohnt werden muss und so überreiche ich ihm mit Drängen und Dankespreisungen € 200.—. Am Ende des Tages sind dann alle glücklich und zufrieden, wie im Märchen.
Am kommenden Tag holen wir die geglückte Reparatur ordentlich mit einer Feier nach und ertränken das Ereignis gebührend mit Ouzo.

Mittwoch 30.Juni 2021 Nisos Othonoi
(Klarschiff & Ruhetag im Gemeindehafen)

Die helfenden Erzengel von Othonoi, links Yaris und rechts Vasili (Billie)

Heute Morgen zogen die Nebelschwaden aus Süd über das Schiff und hüllten uns ein. Ein Schauspiel das nur durch zu hohe Wasser-temperaturen und „kühlere“ Luft ermöglicht wird. Einheimische haben das Phänomen nur im Winter erlebt, hoffentlich kein Omen!
Tag des Müssiggangs erwartet mich, denn nun heisst es Klarschiff machen und die morgige Fahrt nach Korfu, mit repariertem Motor, zu überstehen. Meine Ohren werden jedes Geräusch des Motors analysieren und die Nerven zum Bersten angespannt sein. Ein weiterer Ausfall der Maschine wäre desaströs.

Donnerstag 01.Juli 2021 Othonoi – Korfu (Gouvia Marina)
(Teilstrecke 5, 34nm)
Im frühen Morgennebel lege ich ab und Motore nach Korfu. Die Geräusche des Diesels treiben mich fast zum Wahnsinn (kein Ver-trauen). Um 13:30 Uhr schaffe ich es trotzdem. Die erste Treibstoffuntersuchung ergibt „Diesel i.O.“! Es muss am Ansaug aus dem Tank liegen. Also Leitung aus-pusten und wieder umhängen.
Anschliessend kühle ich meine Nerven in der Gouvia Marina mit 2 grossen Bier runter. Jetzt fehlt nur noch die Reparatur des Fischer-Panda (FP) Generators und die Welt sieht für BW & mich wieder rosig aus. (Fahrstrecke siehe Karte Montag 28.06).

Freitag 02.Juli 2021 Korfu (Gouvia Marina)
(Behördengänge & Einkäufe)
Mit einem Miet-PW geht’s auf den nervigen Behördengang (Transit-LOG, Port-Police & Tepai). Die Bürokratie wurde vermut-lich in Griechenland erfunden und zur Perfektion kultiviert. Jedes „einfache“ Formular was der Beamten schon zum zigsten Mal aus-gefüllt hat, zwingt ihn zu Höchstleistungen und ausgedehntem Studium. Offenbar scheint er in jeder Hinsicht gelangweilt und unterfordert zu sein und will dies verheimlichen. Nach der Nerven-übung kaufe ich in der „Cava Golden Gate“ alle (viele) Getränke für die mittelfristige Zukunft ein.

Die Bucht mit der Gouvia Marina mit ca. 600 Schiffen auf Korfu

Die Reparatur des FP-Generators ist nicht möglich. Das Laufrad soll blockiert sein. Neue Pläne müssen geschmiedet werden, denn ich bin ca. alle 48h auf eine Land-Stromquelle von 230V ange-wiesen sollte gesegelt werden. BW ist sehr deprimiert, ich auch!

Samstag 03.Juli 2021 Korfu (Gouvia Marina)
(Einkäufe & Treffen mit „altem“ Bekannten)
Durch weiteren Getränke-Ein-käufen hat Blue Whale ca. 10 cm mehr Tiefgang (Bier- & Wasservorrat!).
Am Nachmittag ist ein Ausflug zum Lunch in die Taverna Alexakis in Kanoni geplant. Freudiges wieder sehen mit Alexakis. Wieder einmal gut gegessen, getrunken und bester Laune geht es zurück an Bord. Den Abend ver-bringe ich mit EM-Fieber vor der Glotze. Es war ein ange-nehmer, vom Wind eher stürmischer Tag, aber im sicheren Hafen lässt mich das „kalt“.

Karte mit Aktivitäten um Gouvia Marina & Korfu Stadt

Sonntag 04.Juli 2021 Korfu (Gouvia Marina)
(Ruhetag mit Bordarbeiten)
Auf dem Bild sind die Kerkyras Marina und die „alte“ Festung von Korfu zu sehen. Ein fast ereignisloser Tag mit vielen aufgescho-benen Bordarbeiten wegen zu hohen Temperaturen. Meine Boots-nachbarn sind aus Nordengland. Wir kommen ins Gespräch und ich erzähle meine Odyssee. Bemerkenswert, dass sie mich über den Verkauf eines gebrauchten, tragbaren Generator aufmerksam machen. Nach ersten Kontakten stellt sich heraus, dass der Verkäufer am gleichen Steg weilt.

Die Kerkyras Marina & Festung (old Ford) von Kanoni aus fotografiert.

Nachdem für morgen eine Besichtigung und Testlauf vereinbart wurde steigt die Hoffnung, das alte Programm wieder aufnehmen zu können. Vielleicht wendet sich BW Pechsträhne zum Guten.

Montag 05.Juli 2021 Korfu (Gouvia Marina)
(Generator-Test)
Leider verlief der Test des Generators enttäuschend. Das chinesische Fabrikat erfüllte die veranschlagten Werte in keiner Weise und so mussten die Ver-handlungen abgebrochen werden. Franz und Helga sind in der Marina angekommen und wir tauschen bei einem Bier unsere Erfahrungen der letzten Tage aus. Ein Mail aus Athen mit Vorschlag wie die Generatorreparatur ablau-fen könnte und der Sonnenunter-gang in der Marina stimmen mich wieder etwas zuversichtlicher.

Dienstag 06.Juli 2021 Korfu (Gouvia Marina)
(Wiedersehen mit alten Weggefährten)
Den Tag habe ich mit Gene-ratorabklärungen und Klar-Schiff-Arbeiten verbracht. Hitze und Feuchtigkeit er-reichte wieder mal Spitzen-werte. Das Highlight des Tages war der gemütliche Abend mit Helga und Franz. Ein wahrhaftiger Gaumen-schmaus mit Unmengen von Essen. Unsere Wege trennen sich kurzfristig aber unsere Fahrwasser könnten sich auf Paxos in der schönen Naturbucht von Lakka kreuzen.

Mittwoch 07.Juli 2021 Gouvia Korfu – Sivota (Festland)
(Teilstrecke 6, 23nm)
Bild rechts; Die Bucht von Sivota (Festland)
Eine rausche Fahrt mit Motor ohne besondere Vorkomm-nisse. Viele schwärmen von Sivota, aber der zweite Blick vermittelt ein auf Tourismus und Yachtsport getrimmtes Örtchen. Muss ja nicht schlecht sein, aber die Nachteile wie Menschenmassen und Preise sind offensichtlich. Diese Faktoren zerren an der Eigenschaft der Superlative.
Der Hafen und Gästepier lässt auch Wünsche offen. Keine Nass-zellen nur Wasser & Strom gegen Aufpreis. Aber das Konzept scheint aufzugehen denn beide Orte sind chronisch überfüllt und das für € 25/d am Gästequai und 43€/d im Hafen. Der Hafen ist jedenfalls wesentlich ruhiger auch wegen des einkommenden Schwells. Am schönsten sind bei ruhigem Wetter die vielen Ankermöglichkeiten in der Bucht.
Noch ein Erlebnis; Obschon ich eine Reservation durch SAMMY hatte, musste ich für einen Liegeplatz im Hafen kämpfen!

Die Karte der Teilstrecken 6 & 7 nach Lakka auf Paxos

Donnerstag 08.Juli 2021 Sivota (Festland)
(Ruhetag)
Wieder mal ein Ruhetag, aber mehr hätte ich in dieser feuchtigkeitsge-schwängerten Luft ohnehin nicht vollbringen können. Am Stadtpier und im Hafen ist ein pausenloses Kommen und Gehen der Yachten zu beobachten. Ja, morgen erhoffe ich mir mehr etwas mehr Ruhe in Lakka auf Paxos, denn die meisten Charterboote dürften übers Wochenende zu den Marinas zurück-kehren müssen.

Freitag 09.Juli 2021 Sivota – N. Paxos (Lakka)
(Teilstrecke 7, 13nm)
Die Überfahrt hat ca. 3 Std gedauert und wurde durch eine Delfin-Schule kurz vor der Buchteinfahrt zum Highlight. Die Tiere waren sprungfreudig und hielten sich auf Distanz wodurch keine Fotos möglich waren. Die Bucht ist doch mehr Überlaufen wie gehofft. Die Charterboote sind zwar weg, aber zu viele Eigner (GB, ITA, FRA) sind Unterwegs. Erst ab 14:00 darf ich am Gästesteg wegen der Touristenboote festgemachen. Morgen erhoffe ich mir einen besseren Standplatz ohne Einschränkungen zu ergattern.

An Stadtpier von Lakka drängeln die Jachten

Blue Whale im Gewühl inmitten der Gästeboote. In der Nähe ein traditioneller Schoner, die Eigner David und Penny (seit Brexit unter polnischer Flagge) lerne ich später kennen.

Samstag 10.Juli 2021 Nisos Paxos, Lakka
(Ruhetag 1)
Ein Tag der Gegensätze. Zuerst hat mich ein Touristen-Cruiser fast versenkt obschon ich im erlaubten Bereich vertäut war. Er zwängte sich zwischen die festgemachten Jachten rein, wo nur ca. 3m Platz war, er aber ca. 5,50m Schiffsbreite hatte. Das zweite Debakel war die schlechte Kühlleistung der Kühlschränke. Ist es zu warm oder sind sie defekt? Das gute des Tages resp. des Abends war das „Super-Nachtessen“ in der Taverna Pounentes beim Dorfplatz.
Franz und Helga anker-ten in der Bucht und schlossen sich mir an. Georgios bedient mich schon seit Jahren mit ausgesuchten Köstlich-keiten und hat sich über den unerwarteten Be-such nach zwei Jahren gefreut.

Sonntag 11.Juli 2021 Nisos Paxos, Lakka
(Ruhetag 2)
Ein Fussball-Ruhetage. Vor dem EM-Endspiel wollte ich keine grossen Sprünge mehr unternehmen. Die Lage Vorort hat sich auch beruhigt, Viele Schiffe haben Quai und Bucht verlassen. Die Abend-stimmung im Hafen entschädigte mich für die endlosen Schweisstropfen des Tages. Die Temperaturen waren wieder einmal unausstehlich.

Montag 12.Juli 2021 N. Paxos (Lakka – Gaios)
(Teilstrecke 8, 5nm)
Die kurze Überfahrt nach Gaios hat mich dem letzten Etappenziel näher gebracht. Die Saison ist voll im Gang und so werden die Liegeplätz immer rarer. Am späten Nachmittag wird um jeden Meter am Gästepier gerungen. In Preveza wird die Entscheidung fallen müßen –WOHIN & WIE -weiter! Faktoren wie, Hitzewelle, Tourismusströme und ungelöste technische Probleme auf Blue Whale werden in den Entscheid eingebunden. Zeit bringt Rat, aber welchen?
Im Bild oben wird die Morgenidylle des Örtchen Gaios eindrücklich vermittelt.

Dienstag 13.Juli 2021 N. Paxos – Preveza (Cleopatra Marina)
(Teilstrecke 9, 31nm)
Bild links; Noch fern ist die Küste aber das Etappen-Ziel Preveza kommt allmählich näher.
Nach einer fast schlaflosen Nacht, ich habe leider beim Anlegen die kleine und un-scheinbare Bar übersehen und musste die ganze Nacht dafür leiden. Trotzdem lege ich um 06:30 nach Preveza ab. Das ist die letzte Teilstrecke der 1. Etappe.
In den letzten Wochen habe ich 258 nm zurückgelegt. Kein berau-schendes Etmal aber das Ziel der ersten Etappe ist erreicht und Blue Whale geht es, bis auf ein paar Blessuren, gut.
In der Cleopatra Marina versuche ich mit dem technischen Depar-tement und der Hafenverwaltung Lösungen für meine Probleme auszuarbeiten, aber ich höre nur; „Wir sind überlastet!“. In Griechenland laufen die Uhren etwas gemächlicher und so muss ich jede Zusage und Lösung zähneknirschend mit viel Geduld den Verantwortlichen und Mechanikern entlocken.

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