Es ist nicht beschämend, wenn du nicht weisst was der „Rockall“ ist, wo er sich befindet und ob es ihn überhaupt gibt. Blue Whale und ich wussten es auch nicht und nachdem wir es dank Tom MacClean herausgefunden haben, verstehen wir immer noch nicht, warum die halbe Welt nach diesem un-wirklichen (verschissenen) Stück Felsen mitten im nördlichen Atlantik verrückt ist. Es wird wohl mit Hoheitsgebiet, Meeres-schätzen und Fischereizone zu tun haben.
Der bekannte schottische Schriftsteller George MacDonald Fraser, Experte der Viktorianischen Epoche von 1837 bis 1901 (s.a. The Flashman Papers) machte 2006 folgende Bemerkung über den Felsen; „In viktorianischen Zeiten hieß es, Rockall besucht zu haben, sei der Inbegriff von Heldentum und mani-festiere die Tapferkeit und den moralischen Charakter des Reisenden wieder.“
Wir lassen diese Aussage stehen und widmen uns der typisch britischen Doktrin über den „nichtsnutzigen“ Felsen.
Bei dem Felsen geht es um nichts Geringeres als das, was du auf See zu sehen bekommst, wenn man überhaupt „Sicht“ hat.
Historisch-geographisch betrachtet ist es ein Ort auf der geopolitischen Achse des britischen Empire und des Kalten Krieges. Es konzentriert sich auf einen bisher nicht aner-kannten historischen Bezugspunkt: Die letzte territoriale Expansion Großbritanniens erhob im Septem-ber 1955 Anspruch auf die winzige Insel Rockall (ca. 750m2), die etwa 380 Kilometer westlich des schottischen Festlandes liegt.
Die Insel wurde annektiert, weil es sich in radioelektrischer Reichweite eines Testgeländes für UK‘s erste Atomrakete befand, den in Amerika hergestellten „Corporal“. Als „takti-sche“ Nuklearrakete, die für einen möglichen Einsatz in Osteuropa konzipiert wurde.

Um euch weitere Details zu ersparen ist noch erwähnenswert, dass dieser letzte expansive Moment des britischen Imperial-ismus durch symbolische und rhetorische Strategien legiti-miert wurde, die Rockall sowohl mit früheren geografischen Erkundungen als auch mit der Wissenschaft der Naturge-schichte verbanden.
In diesem Kontext ist zu verstehen, dass der Anspruch nur aufrechterhalten werden kann, wenn auch humane Präsenz nachgewiesen werden kann. Das sehen wir heute in der Arktis und der Antarktis.
Die grösste Tragödie im Jahr 1904 verur-sachte der Rockall resp. der Kapitän eines Passagierdam-pfers «Norge» mit Kurs New York der es fertigbrachte den Felsen zu rammen. Dabei kamen unglück-licherweise 600 der 700 Emigranten ums Leben. Eine Wahr-scheinlichkeit die einem Lottosechser gleichgesetzt werden kann.
Andere Beispiele für den Kontakt mit der Insel waren weniger gefährlich: Rockall soll mit einem Eisberg, einem Segelschiff, einem Wal und einem U-Boot schon mal verwechselt worden sein. Ein bewaffneter Handelskreuzer, der im ersten Weltkrieg dachte, es sei ein feindliches Schiff, warnte es, sich zu erge-ben, bevor es das Feuer eröffnete.
Noch heute untermauern Reaktionen der Öffentlichkeit, dass den Briten der Fels nicht gleichgültig ist. Auf einen Leitartikel im Manch. Guardian reagierte ein erboster Leser wie folgt;
„Der interessante Artikel über den Rockall muss bei Lesern den Eindruck erweckt haben, dass der Felsen ausser im Jahr 1921 von niemanden bestiegen wurde. Die ist kapitaler Un-sinn und muss nachhaltig berichtigt werden. Zu Ihrer Infor-mation, gelandet ist 1810 ein Mitglied der HSM Endymion, 1862 von der HMS Porcupine und 1887 jemand vom Fisch-kutter Gauntlet…….
Diese Zeilen müssen Tom MacClean motiviert haben den neuzeitlichen Reigen der Überlebensexperten auf dem Rockall zu eröffnen. Er ver-brachte 40 Tage, vom 26. Mai bis 4. Juli 1985 auf dem Fels. So wurde der Anspruch der Briten mit dem „Island Of Rockall Act“ von 1972 bekräf-tigt. Die Medien schwelgten in patriotischen Ausbrüchen und verliehen ihm den Titel „The King of Rockall“.
Der schottische Labour Peer Lord Kennet und ehemaliger Seemann bemerkte in einer Kolumne; „Es ist ein schrecklicher Ort. Es gibt keinen trost-loseren, verzweifelten und schrecklicheren Ort auf der Welt.“ Tom hätte eine Ode darüber anstimmen können.
Seit seiner Aktion wurde 1997 ein Team von Green-peace, das 42 Tage auf der Insel ver-brachte und 2014 Nick Hancock, der 45 Tage verbrachte registriert.
Wann die nächste Präsenz-Demonstration geplant ist, ist nicht öffentlich Bekannt, aber eines ist gewiss, vor dem Event wird eine Putz Equipe eine Säuberungsaktion starten müssen.