Chronologie einer Rettung

(erst. 25.05.2026)

GERETTETER TIMMY IN FREIHEIT ENTSCHWUNDEN
Skagen (Samstag 02.05.2026)
Irgendwo auf dem offenen Meer zwischen Dänemark, Norwegen und Schweden ist die Barge leer. Gerüchten zufolge hat „Timmy“ der Buckelwal das Schiff verlassen und schwimmt eigenständig nach Nordost, Richtung nördlichen Atlantik. Er soll getrackt wer-den, um Gewissheit zu haben, ob er es aus eigener Kraft schafft, sich mit seinen Artgenossen zu treffen. Aber Timmy entzieht sich der Beobachtung!
Eine „Fake-News„? Kommunique des Rettungsteams: «Der Peil Sender sendet offenbar kein Signal, was eine Katastrophe wäre!» Ist das eine Massnahme, den Standort des Wals zu verschleiern?
Die «Freilassung» von Timmy verlief merkwürdig, ja chaotisch. Es geistern Gerüchte vom Zerwürfnis im und um das Rettungsteam. Man konnte beobachten, wie sich erst die Behörden, dann «mut-massliche» Retter im Scheinwerfer Licht Timmys sonnten. Das Ganze nahm narzisstische Züge an.

Das Wichtigste im Fakten-Ticker
(Mit Klick auf Nummer öffnet sich die Nachricht)

1    03.03.2026 Wal-Sichtung im Hafen von Wismar
2    10.03.2026 Beginn einer Wal-Odyssey
     15.03.2026 Erneute Walsichtungen
    20.03.2026 Orientierungsloser Wal
3   23.03.2026 Buckelwal wird Timmy getauft
    01.04.2026 Widersprüchliche Gesundheitsdiagnose
4   03.04.2026 Timmy seinem Schicksal ergeben
    10.04.2026 Timmy will nicht sterben
5   24.04.2026 Streit um Walrettung
    26.04.2026 Das Rettungskonzept steht
6   28.04.2026 Lastkahn ist bereit
    29.04.2026 Der Wal wird «huckepack» genommen
7   01.05.2026 Timmys Reiseroute
    04.05.2026 Timmys Reise geht weiter

Blue Whales Gefühlskarussell
Blue Whale beobachtete die Geschehnisse um Timmy mit wachsendem Interesse. Der Wal sollte seinem unrühmlichen Schicksal überlassen werden, was sie als völlig absurd be-urteilte und ihr emotionales Gefühlskarussell in Gang setzte. Als sich Timmy seinem Schicksal kämpferisch widersetzte und folglich doch noch eine Rettung in Erwägung gezogen wurde, verliebte sie sich vom Tuberkel bis Fluke unsterblich!
Ermahnungen, sich wegen des grossen Altersunterschiedes keine Hoffnungen zu machen, wurden von ihr ignoriert und mit dem Argu-ment entkräftigt, dass sie nach ihrem Facelifting (Refit) un-widerstehlich auf ihn wirken würde. Ja, sie fantasierte mir sogar eine Vision, wie sie ihren Enkeln diese dramatischen Ereignisse als Betthupferl erzählen würde.
Kurze Zeit nach Timmys Rettung hat sich ihr Gefühlsdusel von selbst gelöst, denn Timmy ist spurlos Verschwunden. Dadurch können wir eine Liaison als «Mission Impossible» deklarieren. Ihr Gefühlskarussell dreht unwillkürlich weiter und wir sind wieder in ein finsteres Wellental eingetaucht.

Timmys Märchen, ohne «Happy End»?
D
as vermeintliche Rettungsmärchen endete – zumindest vorerst – mit Ungewissheit und hässlichen Anschuldigungen. Die Beteiligten werden sich wohl vor den Gerichten zerfleischen.
Bilder von der Freisetzung des schwer ge-schwächten Walbullen gibt es nicht. Ob er noch lebt, in welchem Zustand und wo – alles völlig unklar.
Und das womöglich für immer!

Diese Schlammschlacht ist nicht unser, Blue Whale bemerkt schweren Herzens:

Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen!

Nachtrag zu Timmys auffinden
Somit schliesst das letzte Kapitel um Timmys verschwinden in einem unrühmlichen Finale. Bis bestätigt war, dass der ange-schwemmte Walkadaver Timmy sein könnte, überboten sich Meldungen und Spekulationen stündlich. Ein kleines Update,
bis zur Gewissheit von Timmys verbleib, als Nachtrag:

19.05.2026 Nachtrag zu Timmy den Buckelwal
04.05.2026 Der Ostsee-Wal Timmy ist endlich frei, vor allem dank zwei engagierten Millionären. Nach einer auf-wendigen Rettungsaktion hat Timmy seinen Weg zurück in die Nordsee gefunden.
05.05.2026 Nach Einschät-zung von Experten ist der Buckelwal vermutlich tot. Es sei davon auszugehen, dass das extrem geschwächte Tier „nicht genug Kraft besaß, um längerfristig im tiefen Wasser zu schwimmen, und nicht mehr lebt“, so die einhellige Meinung der Experten.
08.05.2026 Es wird weiter gerätselt: Wo ist der Wal? Initiative liefert noch immer keine Daten.
15.05.2026 Toter Wal vor dänischer Insel entdeckt. Um festzustellen ob der Kadaver der vermiss-te Wal sei, sollen Ge-webeproben Klarheit schaffen.
16.05.2026 Buckelwal „Timmy“ ist tot. Der Buckelwal wurde in einer Transport-Barge Richtung Nordsee gebracht. Am 2. Mai wurde „Timmy“ freigelassen. Genau zwei Wochen später steht fest: Das Tier ist tot.
19.05.2026 Die dänischen Behörden wollen den Kadaver des „Timmy“ vor der Insel Anholt entfernen und eine Obduktion ermöglichen. (Bild unten: Ruhe in Frieden Timmy)

Blue Whale’s Fassungslosigkeit
Blue Whale ist am Boden zer-stört und erzürnt. In einem Artikel der «Berliner Morgen Post» war zu lesen:
Der Walkadaver soll zu Bio Diesel verarbeitet werden -.
Nun will BW ihr Testament ergänzen um abzusichern, dass ihr ein solches Schicksal erspart bleibt.
Kann ich verstehen, aber jegliche Entsorgungsart, wenn es dann mal soweit ist, muss Zeitgemäss beurteilt werden.

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Der Wal und das Meer

(erst. 18.03.2026)

ANEKDOTE MIT TIEFGANG
Im 18. bis 19. Jh. waren Hafenkneipen raue, düstere Orte für ar-beitslose Seeleute und diente Matrosen als erste Anlaufstelle nach langen entbehrlichen Reisen. Die Kneipen waren geprägt von billi-
gem, gepanschtem Alkohol, lauten Seemannsliedern und dichten Rauchschwaden. Die Einrichtung war simpel, funk-tional und oft schmutzig.
Die Spelunken waren der Schmelztiegel lichtscheuer Gestalten, kriminellen Zeit-genossen und des horizontalen Gewerbes. Gern gesehen waren abgetakelte Seeleute die sich als Geschichtenerzähler berufen fühlten und für ein Glas Grog ihren Seemannsgarn zum Besten gaben.
Unsere Geschichte beginnt mit der Aufforderung an einen dieser Urge-steine der Seefahrt, der in der Ha-fenkneipe einen guten Ruf als cha-rismatischer Anekdoten Erzähler innehatte. Schnell war die nächste Runde bestellt, die durstigen, rauen Kehlen befeuchtet und der Tisch bis auf den letzten Platz mit Zuhörern belegt. Dann gab der alte Salzbuc-kel mit fester Stimme seinen Garn vom Wal und das Meer zum Besten.

DIE GESCHICHTE VOM WAL UND DAS MEER
Einst lebte ein Wal im Meer, wo das Wasser so sanft, so klar und so durchsichtig war, dass er sich nicht daran stieß. Eines Tages begann der «Fisch» zu denken: „Was für ein Wunder. Ich kann mich im leeren Raum bewegen, ja schweben.“ Das Phänomen beschäftigte ihn zusehends, wie er sich bewegte und geriet darüber in Schrecken und Angst.
Ein Blick in die Tiefe lähmte ihn förm-lich: „Ich könnte vergessen wie man schwimmt!“ dachte er. Panik ergriff den Wal, da er befürchtete, er könne lautlos in die Tiefe sinken. Doch dann kam ihm ein rettender Ge-danke: „Ich nehme meine Fluke ins Maul und halte mich daran fest.
Er versuchte nach seiner Caudale (Pinna caudalis) zu schnappen, doch er schaffte es nicht. Je mehr er sich darum bemühte, umso gefährlicher erschien ihm die Tiefe des Ab-grunds. Die Angst wuchs ins unermessliche und nahm Besitz von ihm.
Das Meer schaute dem Trei-ben eine Weile zu. Dann fragte es den verzweifelten Wal: „Was tust du da?“ Dieser erwiderte: „Ich habe Angst, in die Tiefe zu fallen, und versuche daher, mich an meiner Flosse festzuhal-ten.“ Das Meer erwiderte: „Du hast es schon seit einige Zeit vergeblich versucht und bist doch nicht abgestürzt. Was ist wohl der Grund dafür?Der Wal überlegte kurz und antwor-tete: „Ich bin tatsächlich nicht in die Tiefe gestürzt.“ Danach realisierte er: „Weil ich schwimme.
Das Meer bestärkte ihn: „Du hast es erkannt„, sagte er: „Ich bin das weite Meer, dein Lebensraum in dem du existierst. Wenn du schwimmst, trage und beschütze ich dich, du sollst mich ehren und mich in alle Richtungen erkunden. Aber was tust du? Du ängstigst dich und vergeudest deine Zeit damit, nach deiner Fluke zu schnappen!

Der Fisch begriff, es fiel ihm wie Korallenstaub von den Augen. Er ließ von seinen vergeblichen Versuchen ab und machte sich an das große Abenteuer, das weite endlose Meer zu erkunden.

BLUE WHAL'S EPILOG
Eine ergreifend tiefgründige Geschichte «Aber hat auch nur einer der Zuhörer den Kontext begriffen?» fragt Blue Whale stirnrunzelnd. Vermutlich ist die Botschaft im Grog Dunst versunken. Spielt keine Rolle, dem Einen oder Anderen See-mann wird auf der Freiwache die Geschichte eine Reflexion auslösen. Die Erkenntnis der Botschaft bereichert dann das Seemannsgarns mit Lebensweisheit!
Dem pflichte ich bei und bemerke: «Ein hitverdächtiger Walgesang!».

 

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