Schneller als der Wind

(erst. 10.05.2026)

EIN TRAUM WIRD IN WINDESEILE WAHR
Segelbooten, die das mehrfache der wahren Windgeschwindigkeit erreichen, prägen heute die Regattasport Szene. Der Geschwindig-keit Weltrekord durch die Foiler liegt heute bei über 103 km/h und ein Ende ist nicht abzusehen. Das untere Bild (Sail GP 2026) sym-bolisiert den Stand der Technik.
Die Geschichte des Foilens ist eng mit dem Fliegen verbunden. Beides hat mit physikalischen Kräften der Hydromechanik zu tun, nur das Medium ist der Unterschied, Wasser oder Luft!
Die Fliegerei hat sich aufgrund kommerzieller Faktoren wesentlich schneller entwickelt wie das Foilen über einer Wasseroberfläche. Erst die Entwicklung von motorisierten Schiffen verhalf ab dem 20-Jahrhundert zum Durchbruch der Tragflügelboote, welche sich aber erst ab Mitte des letzten Jahrhunderts, vorwiegend als Fähren kommerzieller Anwen-dung, empfahlen.
Wind angetriebenen Booten ver-half erst die zielgerichtete Weiter-entwicklung der in Betrieb befind-lichen Tragflügelboote. Der Einsatz von innovativen Produkten, Mate-rialien und Konstruktionen brachte den ersehnten Erfolg. Die letzte Hürde, die Software gesteuerte Steuerung der Foils führte zum heutigen Standard. Diese komp-lexe technische Evolution, wie schon in der Raumfahrt beobachtet, bescherte der Segelszene einen Quantensprung! Die Boote lernten zu fliegen.

Geschichte der Tragflügelboote
Dieser Spoiler ist der geschichtlichen Entwicklung der motor-angetriebenen Tragflügelboote gewidmet. Nachstehend ein paar Meilensteine im Zeitraffer ohne Anrecht auf Vollständig-keit:

Enrico Forlanini war Spross einer berühmten italienischen Familie. Er beschäftigte sich zur Jahrhundertwende (1900) mit Luftschiffkonstruktionen und der Entwicklung von Flugbooten. Daraus entstand das erste einsatzfähige Tragflügelboot, ge-baut 1906, als dessen Erfinder er allgemein gilt (siehe Bild oben).
Der amerikanische Erfinder A.G. Bell beschäftigte sich ab 1908 ebenfalls mit dieser Technologie und stellte 1919 nach mehreren Versuchsbooten ein erstes verwendbares Tragflü-gelboot (Bell HD-4, siehe Bild unten) vor.
Vorreiter der Technologie in Deutschland war Fritz von Opel 1927, der mit über 100 km/h auf der Seine einen Wettbewerb gewann.
– Hanns Schertel von Burtenbach entwickelte mit Silbervogel 1934 ein Boot mit 50 PS Leistung und erreichte eine Geschwindigkeit von 55 km/h. Sieben Passagiere erfreuten sich der rasanten Fahrt von Mainz nach Köln und zurück.
Ab 1940 gingen mit den Gebr. Sachsenberg in der Schloss-werft in Hamburg-Harburg die Tragflügelboote in Serie.
Karl Johann Büller, führte diese Entwicklungen nach dem Krieg in der Schweiz als Supramar AG weiter, was zur Ent-wicklung des ersten kommerziellen Tragflügelbootes PT-10 (siehe Bild oben) führte, das 1953 auf dem Lago Maggiore in Dienst gestellt wurde.
Zwischen 1974 und 1985 stellte Boeing etwa 30 Passagier-schiffe vom Typ Boeing 929 her, die auf Tragflügeln eine Reisegeschwindigkeit von 80 km/h erreichten.

Verschiedene Neuentwicklungen führten zu den Tragflächen-booten wie wir sie heute kennen. Heute tüftelt man an der Antriebsart. Im Bestreben der Nachhaltigkeit und CO2-Neut-ralität wird die Innovation Elektromotor den nächsten Sprung geben.

Geschichte der Foil-Segelboote
Die eindrückliche Geschichte des Foil-Segelns reicht über 100 Jahre zurück, wobei frühe Experimente meist kläglich unter Ausschluss der Öffentlichkeit endeten und nur spärlich doku-mentiert wurden. Das Interesse der Öffentlichkeit schlummer-te, weil sich das Foilen auf Solo-Protagonisten beschränkte.
Der eigentliche Durch-bruch gelang erst durch den America’s Cup 2013 (siehe Bild links). Hier wurde erstmals innovativ Technik & Material ziel-gerichtet angewendet und ermöglichte die weltweite Verbrei-tung im Segelsport, gefolgt vom Wingfoilen
Die Technik katapultierte sich von Nischenexperimenten zu einer flächendeckenden Technologie, welche die Boote sprich-wörtlich fliegen lässt. Nicht mehr konventionelle Segel, son-dern Tragflügel-Segel und Foils müssen getrimmt werden. 
Um die Komplexität zu ver-deutlichen eine Darstellung der beim Foilen wirkenden Kräfte (siehe Bild rechts).
Noch ein paar geschichtliche Meilensteine:
Frühe Segelversuche, 1938 entwickelt durch Robert Gilruth und William Carlergab, führen in der Chesapeake Bay zu ersten halbwegs funktio-nierenden Segel-Tragflügelboote.
– Erste Erfolge durch das Boot „Monitor“ zeichneten sich in den1950er bis -80er Jahre aus. Erst 1956 wurde die 30 kn Marke geknackte.
Eric Tabarly überquerte 1987 als Erster mit einem Foiler den Atlantik (Bild oben). Kenner der Segelszene horchten auf und Revolutionäre Materialkomponenten wie Kohlenstofffaser beschleunigten die neue Ansätze.
Im America’s Cup 2013 wurde das Foilen im Regatta Sport etabliert. An der Vendée Globe 2016 erreichte man durchs
Foilen auf der Langstrecke um den Globus historische Rekor-de, die im 4 jg. Wettkampf Rythmus immer wieder unter-boten werden. Moderne Trends wie Wingfoilen, basierend auf Ideen der 1980er Jg., welche sich aus dem Wellensurfen entwickelt und seit etwa 2019 zu einer populären Trendsport-art entwickelt haben.

FAZIT
W
ollen wir ein kurzes Fazit ziehen, so lässt sich zusammenfas-send festhalten, dass Foilen die Zukunft des Wassersports dar-stellt. Es ermöglicht effizientes Fahren bei wenig Wind und ein völlig neues Gefühl von Freiheit. Adrenalinjunkie frönen dem neue Speed-Glücksgefühl auf dem Wasser.
Wir Segler der älteren Gene-ration, wollen es doch ein biss-chen Gemütlicher mit der Fort-bewegung angehen. Ich bin überzeugt, dass eine Mehrheit der Salzbuckel, sich einer Mit-fahrtgelegenheit, auf einem dieser höllischen Segelraketen, nicht erwehren könnte, ich auch nicht!
Blue Whale fragt: «Bekomme ich auch bald Foils

<Back to Seemannsgarn>        <Back to Non Plus Ultra>

 

 

Der Wal und das Meer

(erst. 18.03.2026)

ANEKDOTE MIT TIEFGANG
Im 18. bis 19. Jh. waren Hafenkneipen raue, düstere Orte für ar-beitslose Seeleute und diente Matrosen als erste Anlaufstelle nach langen entbehrlichen Reisen. Die Kneipen waren geprägt von billi-
gem, gepanschtem Alkohol, lauten Seemannsliedern und dichten Rauchschwaden. Die Einrichtung war simpel, funk-tional und oft schmutzig.
Die Spelunken waren der Schmelztiegel lichtscheuer Gestalten, kriminellen Zeit-genossen und des horizontalen Gewerbes. Gern gesehen waren abgetakelte Seeleute die sich als Geschichtenerzähler berufen fühlten und für ein Glas Grog ihren Seemannsgarn zum Besten gaben.
Unsere Geschichte beginnt mit der Aufforderung an einen dieser Urge-steine der Seefahrt, der in der Ha-fenkneipe einen guten Ruf als cha-rismatischer Anekdoten Erzähler innehatte. Schnell war die nächste Runde bestellt, die durstigen, rauen Kehlen befeuchtet und der Tisch bis auf den letzten Platz mit Zuhörern belegt. Dann gab der alte Salzbuc-kel mit fester Stimme seinen Garn vom Wal und das Meer zum Besten.

DIE GESCHICHTE VOM WAL UND DAS MEER
Einst lebte ein Wal im Meer, wo das Wasser so sanft, so klar und so durchsichtig war, dass er sich nicht daran stieß. Eines Tages begann der «Fisch» zu denken: „Was für ein Wunder. Ich kann mich im leeren Raum bewegen, ja schweben.“ Das Phänomen beschäftigte ihn zusehends, wie er sich bewegte und geriet darüber in Schrecken und Angst.
Ein Blick in die Tiefe lähmte ihn förm-lich: „Ich könnte vergessen wie man schwimmt!“ dachte er. Panik ergriff den Wal, da er befürchtete, er könne lautlos in die Tiefe sinken. Doch dann kam ihm ein rettender Ge-danke: „Ich nehme meine Fluke ins Maul und halte mich daran fest.
Er versuchte nach seiner Caudale (Pinna caudalis) zu schnappen, doch er schaffte es nicht. Je mehr er sich darum bemühte, umso gefährlicher erschien ihm die Tiefe des Ab-grunds. Die Angst wuchs ins unermessliche und nahm Besitz von ihm.
Das Meer schaute dem Trei-ben eine Weile zu. Dann fragte es den verzweifelten Wal: „Was tust du da?“ Dieser erwiderte: „Ich habe Angst, in die Tiefe zu fallen, und versuche daher, mich an meiner Flosse festzuhal-ten.“ Das Meer erwiderte: „Du hast es schon seit einige Zeit vergeblich versucht und bist doch nicht abgestürzt. Was ist wohl der Grund dafür?Der Wal überlegte kurz und antwor-tete: „Ich bin tatsächlich nicht in die Tiefe gestürzt.“ Danach realisierte er: „Weil ich schwimme.
Das Meer bestärkte ihn: „Du hast es erkannt„, sagte er: „Ich bin das weite Meer, dein Lebensraum in dem du existierst. Wenn du schwimmst, trage und beschütze ich dich, du sollst mich ehren und mich in alle Richtungen erkunden. Aber was tust du? Du ängstigst dich und vergeudest deine Zeit damit, nach deiner Fluke zu schnappen!

Der Fisch begriff, es fiel ihm wie Korallenstaub von den Augen. Er ließ von seinen vergeblichen Versuchen ab und machte sich an das große Abenteuer, das weite endlose Meer zu erkunden.

BLUE WHAL'S EPILOG
Eine ergreifend tiefgründige Geschichte «Aber hat auch nur einer der Zuhörer den Kontext begriffen?» fragt Blue Whale stirnrunzelnd. Vermutlich ist die Botschaft im Grog Dunst versunken. Spielt keine Rolle, dem Einen oder Anderen See-mann wird auf der Freiwache die Geschichte eine Reflexion auslösen. Die Erkenntnis der Botschaft bereichert dann das Seemannsgarns mit Lebensweisheit!
Dem pflichte ich bei und bemerke: «Ein hitverdächtiger Walgesang!».

 

<Back to Seemannsgarn>          <Back to Meeresgeflüster>

 

 

Mann über Bord (MOB)

(rev. 21.05.2020)

Das Horror-Szenario seegängiger Schiffe „MOB“

Der Kapitän fragt den neuen Matrosen:
„Sie wollen anheuern? Können Sie den überhaupt schwimmen?“

„Nein, aber in 23 Sprachen um Hilfe rufen.“
In diesem Beitrag sollen nicht die umstrittenen Segelmanöver eines „MOB“ (Mann über Bord) erläutert, sondern auf das Horror-Szenario als solches eingegangen werden.
Spätestens seit Erscheinen von Robert Louis Stevensons Roman «Die Schatzinsel», in dem Vizekapitän Arrows auf hoher See nächtlich von Bord der «Hispaniola» verschwindet, halten sich ähnliche Zwischen-fälle hartnäckig in den Schlag-zeilen (siehe dazu Spoiler „Schlagzeilen über POB“).
Sogenannte Segelunfälle, bei denen jemand angeblich von einer großen Welle weggespült wird, sind ein effizientes Mittel, um ungeliebte Ehefrauen, natürlich auch Ehemänner, aufdringliche Rivalen oder aufsässige Gläubiger auf elegante Weise loszuwerden (siehe Link zu Adria-Seeunfall). Dies hat unweigerlich auch bei modernen Kreuzfahrten Einzug gehalten wo Seeunfälle weniger auf Witterungseinflüsse zurück zu führen sind. Fachleute emp-fehlen, reisen so zu buchen, dass sicherheitshalber abgelegene und vorzugsweise haifischreiche Gewässer auf der Cruise ange-steuert werden.

Die HMS Hispagnola

Nun kommt es hin und wieder auch vor, dass jemand unbe-absichtigt über Bord geht, sei
es, weil er tat-sächlich von hoher See überrascht wird, sei es, weil er im Gedenken an Admiral Nelson dem Rum zu stark zugesprochen hat. In einem solchen Fall gelangt dann das soge-nannte «Mann über Bord»-Manöver zur Ausführung. Im Zeichen seglerischer Emanzipation der Frauen und in Einhaltung der „Political Correctness“ möchte Blue Whale auf den ersten Spoiler „WAS IST EIGENTLICH POB“ hinweisen.

1 Was ist eigentlich POB?
Die Modernisierung hat uns auch in der Seefahrt allgegen-wärtig. Die Seefahrtsbibel „Seemanschaft“, welche aus einer über tausendjährigen Tradition geschnitzt wurde, musste mit dem „Yacht-Knigge“ für „Verhaltensgestörte“ Schiffer-Egozentriker ergänzt werden. So war absehbar, dass infolge des Gender-Mainstreaming auch vor dem eingebürgerten Warnruf “Mann über Bord“ (MOB) nicht halt gemacht werden würde. Seit Urzeiten Bestandteil der traditionellen Seefahrt musste dieser Ausruf in „Person über Bord“ (POB) umbenannt werden. Welch ein Graus für Salzbuckel und Seebären! Pardon, auch diese Titel bedürfen zum Leidwesen ihrer Adressaten der Überarbeitung.  Unschwer zu erkennen, dass die retuschierte Bildbeilage unseres Patrons der Meere „Neptun“, im Gender-Look etwas lächerlich wirkt. Diese geschändete Karikatur-Darstellung „übermannte“ Blue Whale mit einem Anfall von Seekrankheit.
Für die seglerische Laien unter den Lesern: Das Kunststück des POB-Manövers besteht darin, Wind und Geschwindigkeit des Segelbootes so genau einzuschätzen, dass das Rettungsschiff tatsächlich unmittelbar neben dem im Wasser Schwimmenden anhält. Es darf nicht in voller Fahrt am Verunglückten vorbeirauschen und auch nicht zehn Meter vor ihm, im Gegenwind stehen bleiben, oder Gott behüte, überfahren werden. Eine Handbremse gehört nicht zum Rüstzeug einer Jacht. Die Bergung nötigt zur Eile, denn die fatale Auskühlungsgefahr des über Bord gegangenen ist der Leitwert eines MOB-Manövers; Deadline sind gleich viele Minuten, wie die Wassertemperatur in Grad jeweils ist! Regeln ohne Ausnahme gibt’s nicht, folglich der nächste Spoiler „SCHLAGZEILEN ZU POB“.
2 Schlagzeilen über POB resp. MOB
Ein Ehepaar auf hoher See in ihrer Yacht. Sturm. Sie fällt über Bord und schreit „Mausi, den Ring, Mausi, den Ring!! Er wirft ihr seinen Ehering nach und sagt:“ Stimmt, den brauch ich auch nicht mehr…“ Jedes Jahr verschwinden bis zu 20 Menschen auf Kreuzfahrt-schiffen, nicht nur durch Unfälle. Die Reeder erklären zwar, dass ein Teil der Vermisstenfälle auf Suizide zurückzuführen sei. In den anderen Fällen sei das Resultat unglücklicher Unfälle, oft als Folge von Alkoholmissbrauch. Besorgniserregend ist jedoch, dass es in rund 30 Prozent aller Fälle keinen Anhaltspunkt gibt, was mit den Passagieren geschehen sein könnte. So der letzte „prominente“ Fall des D. Küblböck, der im Jahr 2018, während einer Kreuzfahrt über Bord ging. Seit dem fehlt jede Spur von ihm. Vermutlich kein Gewaltopfer eines Abhorrers.
Ein Strafrechtler geht sogar so weit, das Kreuzfahrtgeschäft als „ein Eldorado für Mordgetriebene“ zu beschreiben. Nachstehend drei MOB-Ereignisse, die einen glücklichen Ausgang nahmen und dieser These entgegnen;

Person geht über Bord und überlebt fast 24 h im Meer vor Kuba (01. Juli 2018 Nau.ch)
Grosses Glück für einen Mann in der karibischen See vor Kuba. Der 33-Jährige Matrose des Kreuzfahrtschiffes „Norwegian Getaway“ wurde über 30 Kilometer vor der Küste nach auf-wendiger Suche gefunden.

Britin überlebt nach Sturz von Kreuzfahrt-schiff zehn Stunden in der Adria (20.08.2018 dx.com)
Singen und Yoga-Fitness haben der Frau laut eigenen Angaben das Leben gerettet, nachdem sie von Bord gegangen war. Ein Schiff der kroatischen Kriegsmarine konnte die Frau schließlich unversehrt bergen.

42-Jähriger wird aus See geholt und entert Boot des Retters (23. Juli 2019 Tagesanzeiger.ch)
Nachdem ein Mann aus dem Zürichsee gerettet worden war, stieß er seinen Helfer von dessen Schiff und fuhr davon. Dann prallte er in andere Boote. Auch der verdutzte Bootseigner konnte schlussendlich gerettet werden.

Blue Whale hat sich mit dieser Thematik schon mal auseinandergesetzt und zwar im Bericht; „Überleben dank Jeans“! Mit Mausklick öffnet sich der Bericht.

3 Einhandsegler & MOB
Praktisch alle MOB Szenarien decken Varianten von Cruising mit Crew’s ab, seien diese Kreuzfahrer oder Yachten. Selbst bei einer großen Crew sind die Chancen, wieder lebend an Bord zu kommen, minimal. Die Solosegler kommen da etwas kurz, verständlich, das beim „Gau-Happening“ mit tödlicher Sicherheit „Game Over“ sein wird. Ausnahme, du bist auf einem Teich unterwegs resp. du bist wegen einem Ausweich Manöver auf einem überfüllten Seegebiet über Bord gegangen. Wenn der „worst case“ den Solosegler doch ereilen soll, sind die Möglichkeiten und Hilfsmittel sehr bescheiden.
Dazu ein paar Tipps;

  • Das Cockpit auf offener See nicht verlassen.
  • Life-Leine tragen
  • achteraus schwimmende Leine installieren, natürlich nur bei geringer Bootsgeschwindigkeit tauglich.
  • Autopilot mit körpergetragener Fernsteuerung gekoppelt, sofern vorhanden, d.h. das Ruder wird quer gelegt resp. „Schuss in den Wind“ erfolgt bei abbrechen des Funkkontaktes.
  • PLB-Gerät (Personal Location Beacon) am Körper tragen, erleichtert die Ortung resp. Bergung

Die Schwimmweste ist umstritten seit die Seglerikone Eric Tabarly erklärte; „Ich trage keine Weste weil ich nach dem über Bord gehen nicht länger als notwendig leiden möchte!“
Es muss nicht das Extrem des Einhandseglers Conrad Colman sein, der an der Vendee Globe über Bord ging und Glück hatte. Diese gilt als härteste Einhandregatta der Welt. Es kann auch ein Kurztörn auf einem Binnen-See sein, wo die Verkettung unglücklicher Umstände zum Super Gau des Einhandseglers führen.

Zum Gedenken an die vielen auf See verschollenen Persön-lichkeiten und Legenden des Einhandsegeln, widmet Blue Whale den Spoiler 4.

4 Verschollene Legenden
Viele berühmte Persönlichkeiten und Legenden des Segel-sportes haben ihre Leidenschaft mit dem Leben bezahlt und gelten auf See als verschollen. Die näheren Umstände bleiben für immer ungelüftet. Nicht nur Regatten durch gefährliche Seegebiete fordern ihren Tribut. Verwunderlich ist, obschon dort mehrheitlich Profis am Werk sind, beste Ausrüstungen zur Verfügung haben und die Retter „Gewehr bei Fuss“ stehen, fordert die See regelmässig ihre Opfer.
Als berühmte Ausnahme und Ikone des America‘s Cup zählte Sir Peter Blake, der im Dezember 2001 an Brasiliens Küste als Umweltschützer unterwegs, überfallen und ermordet wurde.

Ein Vers von Jules Verne soll uns nachdenklich stimmen;

Die Ahnengalerie der Legenden nach Ereignisjahren gelistet; (mit Mausklick auf Namen öffnet sich ein Link)

1909 Joshua Slocum
Gilt als erster Einhandsegler der eine Weltumrundung vollbrachte. Der kanadisch-amerikanische Seefahrer verschwand mit seinem Boot auf einer Expedition nach Südamerika.

1913 Rudolf Diesel
Der deutsche Ingenieur und Erfinder des Diesel-Motors wurde zuletzt am 29. Sept. 1913 an Bord eines Fährschiffes auf dem Ärmelkanal gesehen.

1928 Franz Romer
Verschwand bei dem Versuch, als Erster mit einem Faltboot den Atlantik zu überqueren.

1961 David Kenyon Webster
Der amerikanische Schriftsteller, Journalist und Soldat fuhr am 9. September 1961 vor die Küste von Santa Monica (Kalifornien) und verschwand.

1975 Bas Jan Ader
Der niederländische Performance-Künstler verschwand im Juli 1975 mit seinem Segelboot Ocean Wave beim Versuch einer künstlerisch motivierten Atlantik-Überquerung. Sein Boot wurde etwa 10 Monate später an der irischen Küste angeschwemmt, er selbst oder Hinweise auf sein Schicksal wurden jedoch nie gefunden.

1978 Alain Colas
Alain Colas war ein französischer Skipper und wurde als Teilnehmer der Einhandregatta „Route du Rhum“ bekannt. Er war auch der Erste, der mit einem Mehrrumpfboot erfolgreich die Erde umsegelte. Er kam auf See vor der Küste der Azoren um.

1978 Eddie Aikau
Der hawaiianische Lifeguard und Surfer gilt seit dem 17. März als verschollen auf See. Er war Crewmitglied des Forschungs-schiffs Hōkūleʻa, das an jenem Tag kenterte. Aikau versuchte Hilfe zu holen und paddelte ohne Rettungsweste mit seinem Surfbrett Richtung Lānaʻi. Er wurde nie wieder gesehen. Der Rest der Crew wurde gerettet.

1979 Agamemnon Despopoulos
Der US-amerikanische Physiologe stach am 2. Nov. in Bizerta (Tunesien) auf seiner Segelyacht Cybele in See, um mit seiner Frau Sarah Jones-Despopoulos den Atlantik zu überqueren. Das Ehepaar gilt seitdem als vermisst.

1992 Nigel Burgess
Teilnehmer des traditionellen Vendèè Globe Race (früher Golden Globe Race) genannt verschwand in der ersten Nacht vor Biskaya.

1997 Gerry Roufs
Er war ein kanadischer Profi-Rennsegler, der während der Einhandregatta Vendée Globe 1996/97 im Südpolarmeer verschwand.

1998 Éric Tabarly
Gilt als einer der herausragender Hochseesegler und innova-tivsten Konstrukteure von Regattayachten des 20. Jahrhun-derts. Tabarlys Segelyachten trugen den Namen Pen Duick. Éric Tabarly lehnte es stets ab, sich an Bord zu sichern. 1998 sollte ihn dies das Leben kosten, als er bei einer Nachtfahrt in der Irischen See über Bord ging.

2007 Jim Gray
Der Informatiker verschwand mitsamt seinem Boot in der Nähe von San Francisco im Pazifischen Ozean.

2018 John Fisher
Der Teilnehmer des Ocean Volvo Race ist in einem Sturm, rund tausendzweihundert Seemeilen westlich der südame-rikanischen Küste, von Deck gespült worden. Trotz sofort eingeleiteter Suchoperation konnte der englische Segler nicht aufgefunden werden und gilt als verschollen.


Ein Zitat zum Abschluss
Der legendäre US-Präsident John F. Kennedy (1917-1963) der ein enthusiastischer Segler war, hat im Rahmen der be-rühmtesten Segelregatta der Welt, dem America’s Cup, in einer Rede nachstehendes bemerkt:
„Wir sind mit dem Ozean verbunden. Und wenn wir zum Meer zurückkehren, egal ob wir segeln oder es nur beobachten, dann gehen wir dahin zurück, wo wir einst hergekommen sind.“

<Back to Maritimes Kaleidoskop>     <Back to Glossar>

 

Törnberichte 2019

(rev. 30.07.2021)

Rückblende der zweiten Segelsaison auf dem Mittelmeer

Viele wissen, dass akribische Törnplanung kein Garant sein kann den maritimen Vorkommnissen zu trotzen oder aus dem Weg zu gehen. Um sicher voranzukommen werden viele Variablen und Unsicherheiten eingeplant, aber immer öfter treibt uns das Wetter an den Rand des Wahnsinns.

Eine extreme, tödliche Gewitter Tiefdruckrinne 11.Juli 2019

Es ist so unberechenbar geworden, dass entgegen der Vielfalt in-novativer Hilfen wie „Wetter Apps“ die Einschätzung der Lage eher schwieriger geworden ist. Ich kann nur vermuten,  dass es mit der Klimaerwärmung zusammenhängt, jedenfalls vertreten viele diese These. Erfahrenen Salzbuckel sind ebenfalls Ratlos.
Mit einem Mausklick (Werbung überspringen!) bist du inmitten eines Unwetters, Stellvertretend für alle Stürme im Mittelmeer des Sommers 2019.
Mich beschäftigt die Frage, wie wird es weitergehen? Vor 30 Jah-ren konnte der Wetterbericht für das Segelrevier vielerorts nur über Radio abgehört werden. In den wenigen Marinas hing eine kurze Abschrift dieser Meldungen aus. NAVTEX, Isobaren Karte und der Barometerstand waren die besten Hilfsmittel dieser Ära. Mit gesundem Menschenverstand und Studium der Hilfsmittel war eine verlässliche Beurteilung und Vorhersage möglich.

Ein wunderschöner Anblick aber bitte gebührenden Abstand halten! 03.Juni 2019 zwischen Corfu und der nord-ionischen Insel Othonoi

Einheimische verwiesen stets, auch den Himmel zu beobachten und die Zeichen der Natur zu deuten. Aber heute ist das unge-nügend. Der Wetterwechsel kommt zu schnell, unerwartet und heftig. Wie sollen wir uns den verhalten ohne uns in Gefahr zu begeben? Hierzu ein interessanter Beitrag auf BLAUWASSER:DE

Warum erwähne ich dies in der Rückblende einer Segelsaison? Die Antwort liegt auf der Hand. Weil das Wettergeschehen sich wie ein „graues Tuch“ über meine Wegstrecken gelegt hatte und immer wieder für viel Unbehagen sorgte, ja sogar Stress!

Aber nun mal der Reihe nach! Nachstehend ein Überblick über die wichtigen Etappen der Segelreise 2019 mit zugehörigem Links für bessere Orientierung;

1  Vorbereitungen März & April Link
2  Ein brüderlicher Törn, Mai Link
3  Albanien Rundreise mit KS, Mai Link
4  Nach Apuliens Küste (ITA) mit KS, Juni Link
5  Die Perlen Apuliens Link
 Apulien Land & Küsten Teil 1 – 3 link über Pos. 5
6  Bari nach Tremiti & zurück, mit AS Juli Link
7  Saison-Ende in Bari Juli 2019 Link
8  Törnplanung 2020 Link

Die Törnberichte mit Karten- und Bilddokumenten orientieren sich in gewohnter Manier an den gelisteten Etappen. In der Galerie sind ausführliche Bilddokumente hinterlegt.


<Back to Main Page Logbuch
>
                 <Back to Start>