Seefahrt und Philatelie

(rev. 14.05.2026)

SYMBOLE SEEFAHRT & PHILATELIE
Nach Entdeckung und Kolonialisierung der «Neuen Welt» wurde
die Kommunikation zwischen Heimat und Ferne essenziell. Die grossen Seefahrer Nationen legten ihr Schwergewicht auf Kriegsschiffe, Transporter und Postschiffe.
So konnte der rege Handel- und Infor-mationsfluss zwischen Nation und Kolonie aufrecht erhalten werden. Dies soll keine Geschichtsstunde der Philatelie werden, sondern ein nostalgischer Nachruf auf das «lange 19. Jahrhundert», die eine Epoche kurz vor der franzö-sischen Revolution bis zum 1.Weltkrieg beinhaltet.
Bild rechts, die seltenste & teuerste Marke der Welt, die       «Blaue Mauritius»      >>>>>
Das System der Frankierung mit Briefmarken wurde auch auf die Seesendungen übernom-men und so ist es nicht verwunderlich, dass die (Brief)-Marken vorwiegend mit Symbolen der Schifffahrt geschmückt wurden.
Die gleiche Zeitspanne wurde auch von etlichen literarischen Pro-tagonisten geprägt, welche Seefahrt und Epoche stilisierten. Die Philatelie würdigte auf eindrucksvollste Weise «Seefahrt & Post-wesen». Aktuelles und wichtige Persönlichkeiten, wie Prominenz und Adel, wurden auf den Marken abgebildet.
Nachstehend haben Blue Whale und ich eine kleine Auswahl selek-tioniert, wo Themen der damaligen zeitgenössisch maritimen Lite-ratur und der Schifffahrt durch das Postwesen gewürdigt wurden.
Die Hürden einer Würdigung durch einen Nobelpreis resp. einer Pulitzer-Auszeichnung sind sehr hoch und begehrt. Die Philatelie hat sich nicht «Lumpen» lassen und das gleichen Fahrwasser ge-wählt. So stellt die Auswahl «Literatur & Seefahrt» eine äusserst beeindruckende und gelungene Kombination dar, man könnte sogar von „kleinen Kunstwerken“ sprechen!

HOMER & ODYSSEUS
Der griechische Dichter Homer lebte im achten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Er schrieb die Epen ‚Ilias‘ und ‚Odyssee‘. Die ‚Odyssee‘ beschreibt die zehnjährige Irrfahrt und Heimkehr des Odysseus nach dem Fall von Troja.
Auf der Marke rechts sehen wir Odysseus, der sich selbst an den Mast hat binden lassen um den betörenden Gesang der Sirenen zu hören, ihren Verlockungen aber nicht zu verfallen.
Seiner Mannschaft wurden die Ohren mit Wachs verstopft. So konnten sie die Sirenen sicher passieren.
Sirenen waren in der griechischen Mythologie Vögel mit Frauenköpfen (Marke links oben), die mit ihrem be-zaubernden Gesang vorübersegelnde Seeleute auf die Insel lockten, um sie dann dort zu töten (oben hat man die Sirenen anschaulicher gestaltet). Auf der oberen Marke links erschiesst Odysseus alle Freier seiner ihm treu gebliebenen Penelope.
VICTOR HUGO & GUERNSEY INSELN
Der französische Schriftsteller Victor Hugo lebte von 1802 bis 1885. Er war ein erbitterter Gegner von Napoleon III. und musste daher von 1851 bis 1870 in der Verbannung auf der Insel Guernsey leben. Hugo schrieb Gedichte, Dramen und
Romane, unter de-nen ‚Notre Dame de Paris‘ (Der Glöckner von Notre Dame), ‚Les Miserables‘ (Die Elenden) und ‚Les Travailleurs de la Mer‘ (Die Arbeiter des Meeres) am bekanntesten sind.
Bei den Arbeitern des Meeres leistet Gilliatt eine unglaubliche
Aufgabe bei der Bergung einer Dampfmaschine, kämpft gegen Sturm und den Kraken und scheitert dennoch an der Sprach-losigkeit, Deruchette seine Liebe zu erklären. Während sie mit einem anderen auf dem Schiff am Horizont davonsegelt, lässt Gilliatt sich von der Flut, dem Meer überspülen.
JULES VERNE & DIE NAUTILUS
Der französische Schriftsteller Jules Verne lebte von 1828 bis 1905. Er ist Begründer des uto-pisch-technischen Abenteuer Romans. Viele seiner phantas-tischen Schilderungen wurden später wahr. Rechts Jules Verne mit seinem U-Boot „Nautilus“, dass von einem Riesenkraken angegriffen wird.
Eines seiner bekanntesten Werke, ‚20000 Meilen unter dem Meer‘ sehen wir auf der linken Marke oben. Rechts oben, das Uboot ‚Nautilus‘ wo Kapitän Nemo die Unterwasserwelt beo-bachtet. Der Roman „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ wurde schon mehrfach verfilmt.
ROBERT LOUIS STEVENSON - DIE SCHATZINSEL

Der englische Erzähler Robert Louis Stevenson lebte von 1850 bis 1894. Er schrieb verschiedene schottische Abenteuer Romane, Südsee-Erzäh-lungen und auch kritische Schriften. Weltruhm er-langte er durch seinen Roman ‚Treasure Island‘, die Schatz-insel. Auf den nebenstehenden Marken sind die beiden
Hauptfiguren dieses Romans zu sehen. Der als Koch getarnter, ein-beiniger Pirat Long John Silver mit seinem Papa-gei und der Schiffsjunge Jack Hawkins. Im Hin-tergrund der Schoner ‚Hispaniola‘.
Diese Marken gehören zu einem Satz von vier Marken über die Schatzinsel, British Virgin Island. Die Marshall Inseln haben einen Block mit neun Marken über die Pazifikreisen von Stevenson herausgegeben.

DANIEL DEFOE & ROBINSON CRUSOE
Der englische Schriftsteller Daniel Defoe lebte von 1660 bis
1731. Er war Import-Kaufmann und deswegen viel unterwegs. Immer mal wieder „nagte er am Hungertuch“.
Als er 1719 seinen ‚Robinson Crusoe‘ schrieb war er bereits 60 Jahre alt. 1724 erschien in London sein Werk ‚A General History of the Robberies and Murders of the most notorious Pyrates and also their …..‚ von Captain Charles Johnson, dies war sein Pseudonym. Das Buch wurde zum Standardwerk über die Piraterie. Der Erfolg war so groß, daß Defoe 1728 einen Nachfolgeband herausgab.
Ausserdem verfasste er noch verschiedenen andere Schriften über das Piratenwesen. Eine davon über den Piraten John Rackam mit Mary Read und Anne Bonny, welche auf den Marken abgebildet sind.
TEODOR JOSEF CONRAD & LORD JIM
Josef Conrad, genau Teodor Josef Conrad Nalecz Korzeniowski lebte von 1857 bis 1924. Mit 17 Jahren geht der Pole in Marseille an Bord einer Bark, erst als Passagier, dann als Schiffsjunge. 1886 bekommt er das Kapitänspatent. Schon
als Seeoffizier beginnt er zu schreiben und lebt seit 1894 nur als Schriftsteller, allerdings in materieller Not. Er ist einer der bedeu-tendsten Seefahrtsliteraten. Neben vielen Erzählungen sind folgende Werke zu nennen: Lord Jim, Sieg, Die Schattenlinie, Almayers Wahn, Der Verdammte der Inseln, Der Freibeuter, Die Rettung, …… etc.
JAMES FENIMORE COOPER’s SEEGESCHICHTEN
Der amerikanische Schriftsteller James Fenimore Cooper lebte
von 1789 bis 1851. Er war sechs Jahre
Seeoffizier. Er ver-fasste historische Romane, Seege-schichten und viele Indianererzählun-gen. Allen bekannt sind ‚Lederstrumpf‘, ‚Der letzte Mohikaner‘, ‚Die Prärie‘ und ‚Der Pfadfinder‘.
ERNEST HEMINGWAY “DER ALTE MANN & DAS MEER
Der Amerikaner Ernest Hemmingway lebte von 1899 – 1961.
Er arbeitete im Sanitätsdienst, dann bei der Infanterie und wurde schwer verwundet. Später war er Reporter und Aus-landskorrespondent an verschiedenen Kriegsfronten. Er schrieb Romane, Novellen und Kurzgeschichten.
1954 erhielt er den Nobelpreis. Seine bekanntesten Werke sind ‚Wem die Stunde schlägt‘, ‚Inseln im Strom‘, ‚Fiesta‘ und ‚Der alte Mann und das Meer‘. Für diese Novelle bekam er 1953 den Pulitzerpreis. Der Inhalt dieser Erzählung wird auch auf den Marken angedeutet: ein alter Mann in einem kleinen Fischerboot kämpft mit einem riesigen Fisch, besiegt ihn aber verliert ihn auch wieder an die Haie.
DREI DEUTSCHE SEEFAHRER & SCHRIFTSTELLER
1.) Hans Leip (Pseudonym: Li-Shan Pe, 1893 – 1983) war
ein deutscher Schriftsteller. Sein Werk besteht aus Roma-nen, Erzählungen, Gedichten, Theaterstücken, Hörspielen und Filmdrehbüchern. Vorherrschende Themen sind das Meer und die Seefahrt. Unter den vielen Büchern sind hier nur genannt „Jan Himp und die kleine Brise“, das „Bordbuch des Satans“ und „Am Rande der See“. Die Illustration auf der Marke bezieht sich auf sein Gedicht „Die Brücke Tuledu“, auf der die „leichten Mäd-chen“ zu finden sind.

2. Joachim Ringelnatz (1883 – 1934, eigentlich Hans Gustav Bötticher) war ein deutscher Schriftsteller, Kabarettist
und Maler. Er fuhr zur See, war bei der Marine und veröffentlichte unter verschiedenen Pseudo-nymen in der satirischen Zeitschrift Simplicissimus Gedichte. Lyrik, Prosa, Dramatik und Kinder-bücher umfassen sein Werk. Vor allem ist er für seine humo-ristischen Gedichte um den Seemann Kuttel Daddeldu bekannt.

3. Felix Graf von Luckner (1881 – 1966) war Seeoffizier, 
Kaperfahrer, Schriftsteller und ein Botschafter der „Völkerver-ständigung“ auf vielen Vortragsreisen weltweit. Im 1. Welt-krieg 1916 wurde er Kommandant des Hilfskreuzers „See Adler“, einem Segelschiff. Über diese wagemutige und später berühmte Fahrt verfasste er das Buch ‚Seeteufels Weltfahrt‘

Blue Whale’s drei Supplements als Bonmots!

MARK TWAIN & HUCKLEBERRY FINN
Der Amerikaner Samuel Langhorn Clemens lebte von 1835 bis
1910. Seit 1861 nennt er sich selber nur noch Mark Twain. Er war Jour-nalist, Reporter, Sozial-kritiker, Moralist, Silber-gräber, Reiseschriftstel-ler und Lotse.
Er hat das Lotsen-patent auf dem Mississippi erwor-ben und fuhr vier Jahre zwischen New Orleans und St. Louis. Daher kommt auch sein Name.
Wenn beim Loten der Wassertiefe der Decksmann ‚mark twain‚ ausrief (2. Mar-
kierung), dann war immer noch ausreichend Wasser unter dem Kiel. Neben den Kinderbüchern über ‚Tom Sawyer und Huckleberry Finn‘ ist sein ‚Leben auf dem Mississippi‘ als Seefahrtsliteratur zu nennen
HANS CHRISTIAN ANDERSEN & DIE KLINE MEERJUNGFRAU
Hans Christian Andersen (1805 – 1875) ist der bekannteste Dichter und Schriftsteller Dänemarks. Berühmt wurde er durch seine zahlreichen Märchen. Seine „kleine Meerjungfrau“ (dänisch Den lille Havfrue) ist ein Kunstmärchen das auf der Sage der Undine basiert.
Die Meerjungfrau rettet den Prinzen, als sein Schiff untergeht. Aber dann nach diversen Verwicklungen endet die große un-erfüllte Liebe der kleinen Meerjungfrau in eine unsterbliche Schaum-Seele umso an dem Glück der Menschen teilzuhaben. Marke rechts: Die kleine Meerjungfrau an der Uferpromenade Langelinie in Kopenhagen.
GORCH FOCK alias JOHANN KINAU
Bild unten: Ewer der Finkenwerder Fischer
Gorch Fock, der eigentlich Johann Kinau hieß wurde 1880 in Hamburg Finken-werder geboren. Er wollte wie sein Vater Fischer wer-den. Weil er zu schmächtig war, beschritt er die Lauf-bahn als Kaufmannsgehilfe und Buchhalter. Früh be-gann er Geschichten und Theaterstücke zu schreiben, fast alle in Niederdeutscher Sprache. 1912 erschien sein Roman ‚See-fahrt ist Not‘ der zu einem Standardwerk der Seefahrtslitera-tur wurde. In dem Roman wird das Le-ben der Nordsee-fischer von Finken-werder heldenhaft, bodenständig und mythisch beschrie-ben. Dann schien sein Seefahrtstraum in Erfüllung zu gehen. Während des ersten Weltkrieges wurde er 1916 zur Marine einberufen. Zwei Monate später starb er in der Schlacht am Skagerrak. Bei der Deutschen Marine wurden bisher zwei Segelschul-schiffe und ein Vorpostenboot nach ihm benannt.

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Vendée Globe 2020/2021

In 80 Tagen um die Welt

Die Sieger der Vendée Globe 2020/2021 sind im französischen Les Sables d’Olonne am 27. Januar über die Ziellinie gesegelt. Die Regatta um den Globus ist zwar noch nicht zu Ende, aber aus Gründen der Aktualität erlaube ich mir schon jetzt eine Reflektion der Geschehnisse. In der langjährigen Geschichte des Rennens durften wir eine noch nie dagewesene Spannung und Dramatik, die das Renngeschehen begleitet hat, erleben.
Gestattet mir, noch vor dem Rückblick des Rennablaufs, eine kleine literarische Note aus der Vergangenheit voraus zu senden. Den älteren oder belesenen Generation werden beim Anblick des Untertitels Erinnerungen wachgerufen, der sich im Text „In 80 Tagen um die Welt“ manifestiert, denn so ähnlich hat sich auch die aktuelle Vendée Globe zugetragen, einziges Gefährt – SEGELBOOT -.
PS. Für lesefaule Zeitgenossen habe ich eine knapp 27 minütige Zusammenfassung hinterlegt die mit atemberaubenden Bildern das ganze Rennen dokumentiert <der Link>. Wegen der Länge des Beitrages und Übertragungsschwierigkeiten auch noch die Linkadresse – https://youtu.be/1PdnfF5qm1g –

Literarischer Rückblick
Jules-Gabriel Verne, der französische Schriftsteller und Mitbegründer der Science Fiktion Romane, hat 1873 das vielbeachtet und futuristische Buch „In 80 Tagen um die Welt“ geschrieben. Seine Vision den Erdball, für damalige Zeiten unvorstellbar kurzen 80 Tagen zu umrunden, ist schon lange Wirklichkeit geworden, hat aber selten eine solche Überein-stimmung wie das aktuell Vedée-Abenteuer erfahren.
Auch dass die Rennjachten nahe „Point Nemo“ vorbei-segelten, und somit die Nautilus und den Bestseller „20‘000 Meilen unter dem Meer“ heraufbeschwören, oder das Kap Horn sichteten wo sich die Seekrimi-Anekdode „Der Leuchtturm am Ende der Welt“ abge-spielt haben soll, ist wohl eher Zufällig. Diese schon fast vergilbten und in Ver-gessenheit geratenen Romane dürften eine Renaissance erleben, denn die neunte Auflage der Vendée Globe hat sie wieder in Erinnerung gerufen, wo sie vermutlich dank der 80 Tage Renndramatik länger verbleiben dürften. Aber nun zum wahren Geschehen im nächste Spoiler, der „Vendée Globe 2020/2021“.
Die Vendée Globe 2020/2021
Auf Blue Whale’s Webseite ist schon ein Beitrag zu diesem Thema publiziert worden „Gladiatoren der Ozeane“, aber die Intensität und die Spannung der diesjährigen Vedée Globe schreit förmlich danach, die Geschehnisse Revue passieren zu lassen. Deshalb beschränkt sich dieser Aufsatz mit ergänzen-den Informationen zum erwähnten Beitrag wo allgemeine Infos nachgelesen werden können. In diesem Bericht ist nur der Ablauf des aktuellen Rennens (Karte & Video) wiederge-geben. Die 9.Aus-gabe der Vendée Globe kam zu einem unglaub-lichen Crescendo als acht Skipper die Ziellinie vor dem französ. Küstenort an der Biskaya, in Les Sables d’Olonne, innerhalb von 23 Stunden 44 Minuten überquerten. Die Teilnehmer und ihre Yachten kannst du mit Klick aufs Bild öffnen. 
Nicht nur eine Rekordteil-nehmerzahl von 33 Booten sondern auch die atypi-schen Abfolge von Wetter Systemen in Atlantik und Ozean, vermutlich dem Klimawandel geschuldet, haben die Superlative mehrfach übertroffen.
Die Top 10 bzw. 12 Boote haben sich während der 28‘500nm an verschiedenen markanten Punkten zwangsläufig gruppiert und das Rennen quasi neu gestartet. Fulminant war die Ziel Einfahrt der ersten 5 Boote, die nach 36 Stunden das Podium beanspruchten. Ein aussergewöhnliches Rennen, welches noch lange in Erinnerung bleiben wird. 
Havarien & Rettungsaktionen (08.11.2020-01.12.2020)
11.11.2020 Jérémie Beyou muss wenden, in der Sturmnacht sind die Backstage gebrochen und ein Ruderschaden ist auch noch zu verzeichnen. Für Reparaturarbeiten wird er in den Starthafen zurück kehren und versucht das Rennen später wieder aufzunehmen
Armel Tripon muss Beidrehen, er ist mit einem Gegenstand kollidiert und beschädigt ein Foil.
16.11.2020 Nicolas Troussel hat etwa 260 Seemeilen nord-westlich der kapverdischen Inseln im Sturmtief „Theta“ sein Rigg verloren und muss aufgeben.
19.11.2020 Armel Tripon muss erneut beidrehen und Schäden im Rigg reparieren
22.11.2020 Alex Thomson muss Strukturschäden am Bug reparieren und fällt zurück.
25.11.2020 Thomas Ruyant meldet Schaden an den Tragflächen und fällt zurück.
27.11.2020 Thomas Ruyant muss sein BB-Foil verkürzen und Alex Thomson wird merklich langsamer.
28.11.2020 Alex Thomson muss nun wegen Ruderproblemen das Rennen endgültig aufgeben. Er weicht nach Kapstadt aus.
Alex Thomson noch vor der Havarie aus besseren Zeiten

30.11.2020 Kevin Escoffier hat seinen Notruf-Sender ausgelöst und ist in die Rettungsinsel umgestiegen.

Nachstehend die Ereignisse am 01.12.2020;
Wer hätte am 30. November ahnen können, dass die Such- & Rettungs- Aktion für den havarierten Skipper, Kevin Escoffier (Video), das Endergebnis dermassen beeinflussen würde? Jean le Cam, Sébastien Simon (später Ausgeschieden), Yannick Bestaven und Boris Herrmann eilten Kevin Escoffier zu Hilfe. Die zurzeit führenden Charlie Dalin und Thomas Ruyant waren zu weit voraus, um sich an der Rettungsaktion beteiligen zu können. Klick auf Karte öffnet Havarie OrtDie Rennjury gewährten demzufolge Zeitgutschriften für die verlorene Zeit und den Sucheinsatz. Die ungewöhnlichen Wetterbedingungen bedeuteten dann, dass es bis zum Ziel ein hart umkämpfter Wettbewerb bleiben würde.

Havarien & Rettungsaktionen (02.12.2020-27.01.2021)
02.12.2020 Sébastien Simon ist mit einem Gegenstand kollidiert und hat schwere Schäden zu verzeichnen. er muss das Rennen aufgeben.
03.12.2020 Samantha Davies hat das gleiche Schicksal ereilt wie Sébastien Simon der nun auch Wassereinbruch verzeichnet. Auch für Samantha dürfte in guter Position liegend (beste Skipperin) das Rennen zu Ende sein.
06.12.2020 Jean le Cam konnte Kevin Escoffier der Marine übergeben. Die drei Havaristen Thomson, Simon und Davis geben auf. Sie sind in Kapstadt angekommen.
08.12.2020 Louis Burton und Damien Seguin fallen mit großen technischen Schwierigkeiten zurück.
11.12.2020 Fabrice Amadeo im Verfolgerfeld auf #25 liegend steckt Kurs auf Kapstadt ab, sie muss aufgeben.
15.12.2020 Charlie Dalin muss beidrehen und einen Schaden am Backbord-Foil beheben.
17.12.2020 Thomas Ruyant der Zweitplatzierte hat offenbar ein Leck im Vorschiff.
18.12.2020 Lois Burton hat es als nächsten erwischt. Er wird einen Reparaturstopp nahe der Macquarie Insel einlegen müssen und weit zurückfallen. Er kehrte am 21.12. wieder im Rennmodus zurück. 23.12.2020 Ein Videorückblick des ZDF bei Rennhälfte, Dauer 6:47Min. (Link mit Mausklick auf Markierung)
02.01.2020 Die Spitze hat Kap Horn umrundet!
05.01.2021 Boris Herrmann beklagt Risse im Grosssegel und Isabelle Joschke, die Zwischenzeitlich bis auf Platz #5 vorgedrungen war meldet Probleme mit dem Schwenkkiel.
10.01.2021 Isabelle Joschke meldet Totalschaden am Schwenkkiel. Sie ist die letzten Tage immer mehr zurückgefallen und muss das Rennen aufgeben. Clarisse Cremer ist nun beste Skipperin auf Platz #12.
16.01.2021 Sébastien Destremau weit zurückliegend muss vor Neuseeland aufgeben. Ohne Autopilot und weitere technische Geräte ist es zu gefährlich weiter zu segeln.
18.01.2021 Boris Herrmann hat erneut Segelprobleme und fällt etwas zurück.
27.01.2021 Boris Herrmann havariert mit einem Fischertrawler 90nm vor dem Ziel und kann sich nur noch in langsamer Fahrt dem Ziel nähern.

Das war kurz vor Zieleinlauf der Spitzengruppe die letzte Havariemeldung. Diese Eilmeldung hat nicht nur Freunde schockiert. Der Franzose würde sagen; C’est la vie!

Zieleinlauf & Podestplätze
Zwischen Mittwoch (27.01) und Donnerstagabend beendeten die ersten acht Boote innerhalb von 23 Stunden und 44 Min die Cirkumnavigation. Die Dramatik und Spannung wird erst durch den Vergleich mit dem Rennen von 2016 verdeutlich, als zwischen dem Sieger Armel Le Cléac’h und dem achtpla-tzierten Boot eine Zeitspanne von 19 Tagen und 19 Stunden registriert wurde. (Bild unten; Charlie Dalin, der erste im Ziel)
Drei Skipper wurden mit Zeitkompen-sationen belohnt, Boris Herrmann, Yannick Bestaven und Jean Le Cam. So musste gewartet werden bis Jean le Cam das Rennen beendet hatte und die endgültige Rangliste feststand.
Bestaven gewann mit seinen 10:15 Stunden gutgeschriebener Zeit, Charlie Dalin, der als Erster die Ziellinie überquerte, wurde als Zweiter und Louis Burton als Dritter gewertet.
Boris Herrmann, der noch kurz vor der Havarie als Sieger ge-handelt wurde, ist auch noch von Jean Le Cam abgefangen worden, weil dieser die grössere Zeitgutschrift verbuchen durfte.              (Bild unten; Yannick Bestaven der Sieger)
Yannick Bestaven wurde als Gesamt-sieger dieser neun-ten Ausgabe ausge-rufen. Er beeindru-ckte mit seiner Fäh-igkeit, hart, schnell und konstant im südlichen Polarmeer zu segeln und im letzten Sprint mit einer perfekten Taktik, aber auch mit seiner Aufrichtigkeit und Sportlichkeit an Land zu brillieren. Auf dem Podium vor dem daneben stehenden Charlie Dalin und jubelnden Gästen er-klärte er: „Es gibt zwei Gewinner an dieser Vendée Globe!“
Charlie Dalin, der Skipper von Apivia, wurde an der Spitze der Flotte bejubelt, landete jedoch offiziell auf dem zweiten Platz und verpasste den Gesamtsieg um weniger als drei Stunden. Eine kaum zu überbietende Dramatik.
Der letzte Platz auf dem Podium ging an Louis Burton, der an Bord seines „betag-ten“ Bootes, dass das Rennen 2016 gewann, volles En-gagement und Ent-schlossenheit zeigte. Diese Tatsache führt ins Bewusstsein, dass auch „alte“ Renn-ungeheuer nicht abgeschrieben werden dürfen.
Das Rennen wird auch für die heldenhafte Rettung von Kevin Escoffier durch Jean Le Cam in Erinnerung bleiben, der durch die Zeitgutschrift auf dem vierten Platz bestätigt wurde. Jean hat bewiesen, dass man auch im mittleren Alter von 61 Jahren, keineswegs seine Segelfertigkeiten einbüsst, und nicht unterschätzt werden darf.
Im Bild Jean Le Cam der Oldie in seinem Element

Einige Stunden vor dem Ziel hatte der deutsche Skipper Boris Herrmann Schreckensmomente zu überstehen. Er kollidierte mit einem Fischtrawler der seine Träume zunichtemachte. Kurz vor dem Vorfall kämpfte er noch immer um den Sieg. Die Taktik, sein modifi-ziertes älteres Boot, mit einer material-schonenden Fahr-weise konstant an der Spitze zu halten, war nicht nur nerven-aufreibend, sondern hat sich auch bewährt. Nach achtzig Renntagen ein solches Schicksal zu erleiden, zeigte wieder einmal die grausame Seite einer Vendée Globe Veranstaltung auf.
Nur mit dem sechsten Schlussrang belohnt war Thomas Ruyant der Verlierer der diesjährigen Globe.  Diese Position wiederspiegelt seine Leistung auf dem Wasser in keiner Weise. Der Skipper von LinkedOut verbrachte zwei Drittel des Rennens in den Top Drei, obwohl er sich vor Einfahrt in den Indischen Ozean ein Foil gebrochen hatte.
Die Enttäuschung wird für ihn schwer zu überwinden sein, zumal er als Favorit gehandelt wurde und das wohl innovativste Schiff im Feld sein eigen nennen durfte. Der aus Nordfrankreich stammende Skipper wird sicherlich noch länger mit der Enttäuschung zu kämpfen haben.
Der zweimalige paralympische Meister Damien Seguin belegte den siebten Platz und beeindruckte alle, indem er seiner Erfolgsliste eine weitere Heldentat hinzufügte.Mit nur einer Hand geboren, wollte er beweisen, dass jeder versuchen sollte, seine Träume zu verwirklichen auch wenn er handikapiert ist. Er dürfte nicht nur für Segler ein Vorbild und Idol werden.
Der italienische Skipper und ehemalige Uni-Dozent für Philo-sophie, Giancarlo Pedote mit Sitz in Lorient, Bretagne, belegte den achten Platz und erzielte die beste Leistung, die ein Italiener in der Vendée Globe Geschichte jemals abschloss.
Schließlich kehrte der Lokalmatador Benjamin Dutreux am Freitagmorgen (29.01) nach Hause zurück und wurde weniger als 24 Stunden nach der Ankunft des ersten Bootes in dieser außergewöhnlichen Vendée Globe Ausgabe Neuntplatzierter.
Heute Samstag, erreichte Maxime Sorel mit V & B Mayenne, als Zehnter die Ziellinie. Seine Rennjacht wurde schon in Jahr 2007 gebaut und hat an zwei Vedée Globe Rennen teilgenom-men, aber heute zum ersten Mal den Kurs beenden können. Zuvor musste das Schiff wegen diversen Havarien vorzeitig die Rennen abbrechen.

Schlussgedanken zum Finale
Das Rennen ist noch lange nicht zu Ende. 15 Skipper und Skipperinnen sind noch unterwegs und kämpfen um die Ehre das härteste Rundum Rennen beenden zu können. Darunter sind fünf Frauen die die Achtung der Segelscene verdienen, vor allem, die Französin Clarisse Cremer, die als zwölfte ins Ziel kommen dürfte.
Experten sind sich einig, dass diese Auflage das wohl verrücktesten Ren-nen um die Welt war, die Vendée Globe 2020/2021! Sie wird bald in die Geschichte eingehen und in nächster Zukunft wohl kaum zu toppen sein. Auch Jules Verne dürfte anlässlich der Spannung und Dramatik des Rennens sich im Grabe umgedreht haben.
Trotzdem fiebern wir bereits einer Neuauflage entgegen. Die Zehnte Vendée Globe 2024 als Jubiläum dürfte viel Innova-tives im Gepäck haben und vor allem junge und talentierte Gladiatoren der Ozeane hervorbringen. Auch diese Neuauflage in vier Jahren werden wir mit gleichen Erwartungen, Hingabe und Intensität verfolgen.
Segelsaison – Abschluss oder Neuanfang?
Es ist müssig über den Abschluss resp. den Neuanfang zu philo-sophieren, denn sie hat 2020 wegen der Corona Epidemie nicht oder nur gebeutelt stattgefunden. So war es ein Highlight an der diesjährigen Vendée Globe als virtueller Gast teilnehmen und ohne Gefahr von Havarien mitsegeln zu dürfen. Eine zeitfüllende Be-schäftigung im nimmer endenden Lockdown. So wurde über mehr als zwei Monate des Seglers Herz erfreut, natürlich nur für jene, die nichts Besseres vorhatten, durften oder konnten.
Den Rückblick ist mit diesem Bericht geschlossen, aber eine opti-mistische Perspektive für die Segelsaison 2021 fehlt noch. Blue Whale träumt schon von Begegnungen mit Jachten die mit paral-lelen Kurs auf Seen oder Meeren unterwegs sind, wo Skipper zu uns rüber schielen und eifrig, ja unermüdlich die Segel trimmen und die Crew herumhetzen. Spätestens dann wissen wir, das die Neuauflage der Vendée Globe gestartet hat und wir mitten drin sind.

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Gladiatoren der Ozeane

(rev. 26.10.2024)

BRUTSTÄTTE DER NEUZEIT GLADIATOREN?

Seit das Virus grassiert, werden vermehrt ältere Filme in der Glotze präsentiert. Kürzlich flimmerte der französische Spielfilm „En Solitaire“ aus dem Jahr 2013 über den Bildschirm. Die deutsche Fassung mit dem Titel „Zwischen den Wellen“ resp. „Turning Tide“ in Englisch hat mich in seinen Bann gezogen und diesen Bericht injiziert. Wirklichkeit und Fiktion sind im Film so gekonnt verflochten, dass ein Seemannsgarn vom allerfeinsten entstanden ist.
Was ist Tatsache und wo fängt die Fiktion an? Das Vendee Globe Rennen ist Tatsache, wie auch einige der Geschehnisse im Film. Diese wurden jedoch aus ver-schiedenen Rennen teilweise herausgepickt und eingefügt. Der Rest ist Fiktion und geht einge-fleischten Seglern unter die Haut. Alle Szenen wurden auf hoher See ohne Spezialeffekte gedreht und tragen zur Glaubwürdigkeit bei. Ein wahrer Filmgenuß für Segelfreunde.
Aber nun Mal der Reihe nach. Das „einmalige“ Golden-Globe-Race von 1968 erfuhr erst im Jahr 1978 unter dem Namen „Vendee Globe“ eine Neuauflage. Seit 1978 fließen alle 4 Jahre Innovation und schier unbeschränkte Geldmittel in die wiederkehrende Ein-hand-Nonstop Regatta. Zum 50 Jährigen Jubiläum des ersten ur-sprünglichen Rennens hat Don McIntyre die Wettfahrt mit „alten“ Fahrtenjachten und ohne moderne Technik zum Leben erweckt. Die folgenden Spoilerinhalte versuchen das Thema der „Gladia-toren der Meere“ etwas zu durchleuchten.

Golden Globe Race - Geschichte & Neuauflage -
Die Sunday Times schreibt anlässlich der vollendeten Weltum-seglung des Sir Francis Chichester von 1967 ein Rennen aus. Gesucht ist der schnellste Segler, der die Circumnavigation nur mit Windeskraft, Einhand und Nonstop beendet. Das Rennen sollte zur Legende und Tragödie werden. Robin Knox-Johnston gewinnt die Regatta am 22. April 1968 als letzter verbliebener Teilnehmer.

Robin Knox-Johnston bei seiner Siegesfahrt im Jahr 1968

Sechs Schiffe müssen aufgeben, wobei der Führende des Rennens, Bernard Moitessier, statt in den Atlantik abzubiegen einfach geradeaus, erneut in den Indischen Ozean und Pazifik, weitersegelt und so auf Ruhm und Preisgeld verzichtet. Nigel Tetley’s Trimaran sinkt aber er kann durch glückliche Umstän-de gerettet werden. Donald Crowhurst, ebenfalls mit einem Trimaran unterwegs, begeht nach mysteriösem Rennverlauf Selbstmord (dazu zwei links auf Blue Whale;
<Das Buch> & <Der Film>).

Nach 50 Jahren erweckt Don McIntyre dieses mystische Rennen, in Gedenken an die Segellegenden von damals, erneut zum Leben. Die ultimative Herausforderung ist der Verzicht auf jegliche neuzeitliche Technik, also kein GPS und elektronische Kartennavigation. Die Teilnehmer dürfen nur mit 32 – 36 Fuß Langkielern aus GFK, welche noch vor 1988 in Betrieb gesetzt wurden, starten. Sie müssen unter den glei-chen Rahmenbedingungen wie ihre Vorgänger vor 50 Jahren das Rennen starten. Welche Challenge und Herausforderung!
Der Sieger der Neuauflage 2018/2019, Jean-Luc Van Den Heede benötigt 212 Tage für die Rundum, genau 100 Tage weniger als Robin Knox Johnston vor 50 Jahren. Eine tolle Leistung, die weiteren Resultate sind unter folgendem <Link> zugänglich.

Vedee Globe - Das Folgeprojekt -
Die Vendee Globe ist ein Nonstop-Einhand-Rennen um den Globus mit Schiffen die aussehen wie futuristische Unge-heuer. Ihr Körper ist kantenlos-rundlich, glatt und geschmeidig, Flügel symbolisiert durch farbige Canvas (Segel) und ver-stellbare bleierne Kiel-bomben welche die See unter Wasser durchpflügen. Seit neuestem lernen sie mit Foilers zu „fliegen“. Die bis zu 60“ (Fuß) großen Rennziegen hüpfen toll-wütig von Welle zu Welle und fordern die ungeteilte Aufmerksamkeit des Skippers. Der Franzose Philipp Jeantot hat das ausgelaufene Einhand-Rennen, das „Golden Globe Race“, im Jahre 1978 wieder zum Leben erweckt. Durch neue Regeln und Innovation erlebte die Szene eine Renaissance und erzielt bis heute mit atemberaubenden Geschwindigkeiten und Etmale unzählige Rekorde.
Die Popularität erlebt Höhenflüge. Die Seegräber der Meere erfreuten sich regem Zuwachs bis die Sicherheitsvorschriften drastisch angepasst werden mussten.
Sie schafften innert Kürze den Rundumrekord von 120 auf knapp über 74 Tage zu drücken. Die Geschichte „In 80 Tagen um die Welt“ von Bestsellerautor Jules Verne aus dem 19-Jahrhundert konnte unterboten werden. Wauhhh, und das nur mit Windkraft!
Die Historie der Vedee Globe kann im folgenden Kurzfilm-Link aufgerufen werden       <Trailer Vendee Globe>

Der Spielfim Solitaire - Die Handlung -
Entgegen dem Titel handelt der Dokumentar-Spielfilm nicht über ein Kartenspiel sondern übers Segeln, das heißt, übers Extremste was der Segelsport zu bieten hat, die Vendeè Globe! Kurz vor dem Start des Rennens muss ein Segler wegen eines Unfalls ersetzt werden. Der Ersatzmann Yann springt ein und übernimmt die schwierige Aufgabe. Wegen eines beschädigten Ruders muss er auf den Kanaren einen Zwangs stopp für Reparaturen einlegen. Nach Wieder-aufnahme des Rennens bemerkt Yann erst auf hoher See, dass sich ein blinder Passagier an Bord geschlichen hat. Mit dem Jugendlichen an Bord verstößt er aber gegen die Regu-larien der Regatta und müsste Disqualifiziert werden. Versuche den ungewollten Gast loszuwerden scheitern. Auf der lebensgefährlichen Reise, die durch Wetterumschwünge, hohe Wellen und andere dramatische Ereignisse erschwert wird, nähern sich Jung und Alt an. Für beide steigert sich das Abenteuer zur echten Herausforderung. Am Ende des Ren-nens überschlagen sich die Ereignisse und es kommt zum einem unerwarteten Finale.

BW’s Resümee
Die Konsequenz der Rekordjagden ist, dass schon ein kleines Missgeschick des Skippers dazu führen kann, dass das Segel Geschoss abtaucht oder in seine Bestandteile zerlegt wird. Niemanden erstaunt die Opferbereitschaft ihrer Kapitäne, sie sind die Märtyrer resp. Gladiatoren der Meere und der Ruhm ist ihnen bei Ankunft gewiss. Die segelnden, kaum zu bändi-genden Monster sind ohne Rücksicht auf Verluste darauf ge-trimmt, in möglichst kurzer Zeit um den Erdball zu rauschen.
Ein Adrenalinrausch muss die Skipper der Rennyachten alle-samt gefangen halten um solche Risiken und Strapazen zu erdulden. Man stelle sich vor, du alleine auf weiter See ohne Audienz! Die Segeljunkies brauchen keinen enthusiastischen Applaus der sie zu neuem Wagemut anspornt oder Krafterguß beflügelt. Woher sie die Ausdauer und Motivation nehmen bleibt uns verborgen. Das Huldigen der Ozean Gladiatoren be-schränkt sich lediglich auf die Aus- und Einfahrt aus dem Hafen. Die ersten Glücklichen die ankommen, sonnen sich in der Menschenmenge und werden hochgejubelt. Fast verges-sen jene, die später Eintreffen und nur die hinteren Plätze belegen aber ebenso unmenschliches geleistet haben. Sie erhalten als Obolus nur den Stempel „Survived & Completed“. Für den Gladiator niederschmetternd aber für den Beobachter verständlich, denn die Ankunftsphase der Akteure erstrecken sich über 90 Tage und keine Audienz verfügt über eine solche Ausdauer resp. über genügend Sitzfleisch.
Eine perfekte, verrückte Show für Irrsinnige! 

Hinweis für Segelfilm-Freund
Wenn dieser Beitrag „Lust auf mehr“ entfacht hat und du ein Freund des Segelfilm-Genres bist, dann könnte dich dieser Link <Die besten Segelfilme> interessieren. Der Beitrag be-fasst sich mit dramatischen, authentischen und abenteuer-lichen Segelfilmen der letzten Dekade. Die Movies sind nach Veröffentlichungsjahr gelistet und enthalten einen Kurzbeschrieb der Handlung resp. der Story mit Bildern, diverse Links zu Hintergrundinformationen und zu einem Trailer.

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Mann über Bord (MOB)

(rev. 21.05.2020)

Das Horror-Szenario seegängiger Schiffe „MOB“

Der Kapitän fragt den neuen Matrosen:
„Sie wollen anheuern? Können Sie den überhaupt schwimmen?“

„Nein, aber in 23 Sprachen um Hilfe rufen.“
In diesem Beitrag sollen nicht die umstrittenen Segelmanöver eines „MOB“ (Mann über Bord) erläutert, sondern auf das Horror-Szenario als solches eingegangen werden.
Spätestens seit Erscheinen von Robert Louis Stevensons Roman «Die Schatzinsel», in dem Vizekapitän Arrows auf hoher See nächtlich von Bord der «Hispaniola» verschwindet, halten sich ähnliche Zwischen-fälle hartnäckig in den Schlag-zeilen (siehe dazu Spoiler „Schlagzeilen über POB“).
Sogenannte Segelunfälle, bei denen jemand angeblich von einer großen Welle weggespült wird, sind ein effizientes Mittel, um ungeliebte Ehefrauen, natürlich auch Ehemänner, aufdringliche Rivalen oder aufsässige Gläubiger auf elegante Weise loszuwerden (siehe Link zu Adria-Seeunfall). Dies hat unweigerlich auch bei modernen Kreuzfahrten Einzug gehalten wo Seeunfälle weniger auf Witterungseinflüsse zurück zu führen sind. Fachleute emp-fehlen, reisen so zu buchen, dass sicherheitshalber abgelegene und vorzugsweise haifischreiche Gewässer auf der Cruise ange-steuert werden.

Die HMS Hispagnola

Nun kommt es hin und wieder auch vor, dass jemand unbe-absichtigt über Bord geht, sei
es, weil er tat-sächlich von hoher See überrascht wird, sei es, weil er im Gedenken an Admiral Nelson dem Rum zu stark zugesprochen hat. In einem solchen Fall gelangt dann das soge-nannte «Mann über Bord»-Manöver zur Ausführung. Im Zeichen seglerischer Emanzipation der Frauen und in Einhaltung der „Political Correctness“ möchte Blue Whale auf den ersten Spoiler „WAS IST EIGENTLICH POB“ hinweisen.

1 Was ist eigentlich POB?
Die Modernisierung hat uns auch in der Seefahrt allgegen-wärtig. Die Seefahrtsbibel „Seemanschaft“, welche aus einer über tausendjährigen Tradition geschnitzt wurde, musste mit dem „Yacht-Knigge“ für „Verhaltensgestörte“ Schiffer-Egozentriker ergänzt werden. So war absehbar, dass infolge des Gender-Mainstreaming auch vor dem eingebürgerten Warnruf “Mann über Bord“ (MOB) nicht halt gemacht werden würde. Seit Urzeiten Bestandteil der traditionellen Seefahrt musste dieser Ausruf in „Person über Bord“ (POB) umbenannt werden. Welch ein Graus für Salzbuckel und Seebären! Pardon, auch diese Titel bedürfen zum Leidwesen ihrer Adressaten der Überarbeitung.  Unschwer zu erkennen, dass die retuschierte Bildbeilage unseres Patrons der Meere „Neptun“, im Gender-Look etwas lächerlich wirkt. Diese geschändete Karikatur-Darstellung „übermannte“ Blue Whale mit einem Anfall von Seekrankheit.
Für die seglerische Laien unter den Lesern: Das Kunststück des POB-Manövers besteht darin, Wind und Geschwindigkeit des Segelbootes so genau einzuschätzen, dass das Rettungsschiff tatsächlich unmittelbar neben dem im Wasser Schwimmenden anhält. Es darf nicht in voller Fahrt am Verunglückten vorbeirauschen und auch nicht zehn Meter vor ihm, im Gegenwind stehen bleiben, oder Gott behüte, überfahren werden. Eine Handbremse gehört nicht zum Rüstzeug einer Jacht. Die Bergung nötigt zur Eile, denn die fatale Auskühlungsgefahr des über Bord gegangenen ist der Leitwert eines MOB-Manövers; Deadline sind gleich viele Minuten, wie die Wassertemperatur in Grad jeweils ist! Regeln ohne Ausnahme gibt’s nicht, folglich der nächste Spoiler „SCHLAGZEILEN ZU POB“.
2 Schlagzeilen über POB resp. MOB
Ein Ehepaar auf hoher See in ihrer Yacht. Sturm. Sie fällt über Bord und schreit „Mausi, den Ring, Mausi, den Ring!! Er wirft ihr seinen Ehering nach und sagt:“ Stimmt, den brauch ich auch nicht mehr…“ Jedes Jahr verschwinden bis zu 20 Menschen auf Kreuzfahrt-schiffen, nicht nur durch Unfälle. Die Reeder erklären zwar, dass ein Teil der Vermisstenfälle auf Suizide zurückzuführen sei. In den anderen Fällen sei das Resultat unglücklicher Unfälle, oft als Folge von Alkoholmissbrauch. Besorgniserregend ist jedoch, dass es in rund 30 Prozent aller Fälle keinen Anhaltspunkt gibt, was mit den Passagieren geschehen sein könnte. So der letzte „prominente“ Fall des D. Küblböck, der im Jahr 2018, während einer Kreuzfahrt über Bord ging. Seit dem fehlt jede Spur von ihm. Vermutlich kein Gewaltopfer eines Abhorrers.
Ein Strafrechtler geht sogar so weit, das Kreuzfahrtgeschäft als „ein Eldorado für Mordgetriebene“ zu beschreiben. Nachstehend drei MOB-Ereignisse, die einen glücklichen Ausgang nahmen und dieser These entgegnen;

Person geht über Bord und überlebt fast 24 h im Meer vor Kuba (01. Juli 2018 Nau.ch)
Grosses Glück für einen Mann in der karibischen See vor Kuba. Der 33-Jährige Matrose des Kreuzfahrtschiffes „Norwegian Getaway“ wurde über 30 Kilometer vor der Küste nach auf-wendiger Suche gefunden.

Britin überlebt nach Sturz von Kreuzfahrt-schiff zehn Stunden in der Adria (20.08.2018 dx.com)
Singen und Yoga-Fitness haben der Frau laut eigenen Angaben das Leben gerettet, nachdem sie von Bord gegangen war. Ein Schiff der kroatischen Kriegsmarine konnte die Frau schließlich unversehrt bergen.

42-Jähriger wird aus See geholt und entert Boot des Retters (23. Juli 2019 Tagesanzeiger.ch)
Nachdem ein Mann aus dem Zürichsee gerettet worden war, stieß er seinen Helfer von dessen Schiff und fuhr davon. Dann prallte er in andere Boote. Auch der verdutzte Bootseigner konnte schlussendlich gerettet werden.

Blue Whale hat sich mit dieser Thematik schon mal auseinandergesetzt und zwar im Bericht; „Überleben dank Jeans“! Mit Mausklick öffnet sich der Bericht.

3 Einhandsegler & MOB
Praktisch alle MOB Szenarien decken Varianten von Cruising mit Crew’s ab, seien diese Kreuzfahrer oder Yachten. Selbst bei einer großen Crew sind die Chancen, wieder lebend an Bord zu kommen, minimal. Die Solosegler kommen da etwas kurz, verständlich, das beim „Gau-Happening“ mit tödlicher Sicherheit „Game Over“ sein wird. Ausnahme, du bist auf einem Teich unterwegs resp. du bist wegen einem Ausweich Manöver auf einem überfüllten Seegebiet über Bord gegangen. Wenn der „worst case“ den Solosegler doch ereilen soll, sind die Möglichkeiten und Hilfsmittel sehr bescheiden.
Dazu ein paar Tipps;

  • Das Cockpit auf offener See nicht verlassen.
  • Life-Leine tragen
  • achteraus schwimmende Leine installieren, natürlich nur bei geringer Bootsgeschwindigkeit tauglich.
  • Autopilot mit körpergetragener Fernsteuerung gekoppelt, sofern vorhanden, d.h. das Ruder wird quer gelegt resp. „Schuss in den Wind“ erfolgt bei abbrechen des Funkkontaktes.
  • PLB-Gerät (Personal Location Beacon) am Körper tragen, erleichtert die Ortung resp. Bergung

Die Schwimmweste ist umstritten seit die Seglerikone Eric Tabarly erklärte; „Ich trage keine Weste weil ich nach dem über Bord gehen nicht länger als notwendig leiden möchte!“
Es muss nicht das Extrem des Einhandseglers Conrad Colman sein, der an der Vendee Globe über Bord ging und Glück hatte. Diese gilt als härteste Einhandregatta der Welt. Es kann auch ein Kurztörn auf einem Binnen-See sein, wo die Verkettung unglücklicher Umstände zum Super Gau des Einhandseglers führen.

Zum Gedenken an die vielen auf See verschollenen Persön-lichkeiten und Legenden des Einhandsegeln, widmet Blue Whale den Spoiler 4.

4 Verschollene Legenden
Viele berühmte Persönlichkeiten und Legenden des Segel-sportes haben ihre Leidenschaft mit dem Leben bezahlt und gelten auf See als verschollen. Die näheren Umstände bleiben für immer ungelüftet. Nicht nur Regatten durch gefährliche Seegebiete fordern ihren Tribut. Verwunderlich ist, obschon dort mehrheitlich Profis am Werk sind, beste Ausrüstungen zur Verfügung haben und die Retter „Gewehr bei Fuss“ stehen, fordert die See regelmässig ihre Opfer.
Als berühmte Ausnahme und Ikone des America‘s Cup zählte Sir Peter Blake, der im Dezember 2001 an Brasiliens Küste als Umweltschützer unterwegs, überfallen und ermordet wurde.

Ein Vers von Jules Verne soll uns nachdenklich stimmen;

Die Ahnengalerie der Legenden nach Ereignisjahren gelistet; (mit Mausklick auf Namen öffnet sich ein Link)

1909 Joshua Slocum
Gilt als erster Einhandsegler der eine Weltumrundung vollbrachte. Der kanadisch-amerikanische Seefahrer verschwand mit seinem Boot auf einer Expedition nach Südamerika.

1913 Rudolf Diesel
Der deutsche Ingenieur und Erfinder des Diesel-Motors wurde zuletzt am 29. Sept. 1913 an Bord eines Fährschiffes auf dem Ärmelkanal gesehen.

1928 Franz Romer
Verschwand bei dem Versuch, als Erster mit einem Faltboot den Atlantik zu überqueren.

1961 David Kenyon Webster
Der amerikanische Schriftsteller, Journalist und Soldat fuhr am 9. September 1961 vor die Küste von Santa Monica (Kalifornien) und verschwand.

1975 Bas Jan Ader
Der niederländische Performance-Künstler verschwand im Juli 1975 mit seinem Segelboot Ocean Wave beim Versuch einer künstlerisch motivierten Atlantik-Überquerung. Sein Boot wurde etwa 10 Monate später an der irischen Küste angeschwemmt, er selbst oder Hinweise auf sein Schicksal wurden jedoch nie gefunden.

1978 Alain Colas
Alain Colas war ein französischer Skipper und wurde als Teilnehmer der Einhandregatta „Route du Rhum“ bekannt. Er war auch der Erste, der mit einem Mehrrumpfboot erfolgreich die Erde umsegelte. Er kam auf See vor der Küste der Azoren um.

1978 Eddie Aikau
Der hawaiianische Lifeguard und Surfer gilt seit dem 17. März als verschollen auf See. Er war Crewmitglied des Forschungs-schiffs Hōkūleʻa, das an jenem Tag kenterte. Aikau versuchte Hilfe zu holen und paddelte ohne Rettungsweste mit seinem Surfbrett Richtung Lānaʻi. Er wurde nie wieder gesehen. Der Rest der Crew wurde gerettet.

1979 Agamemnon Despopoulos
Der US-amerikanische Physiologe stach am 2. Nov. in Bizerta (Tunesien) auf seiner Segelyacht Cybele in See, um mit seiner Frau Sarah Jones-Despopoulos den Atlantik zu überqueren. Das Ehepaar gilt seitdem als vermisst.

1992 Nigel Burgess
Teilnehmer des traditionellen Vendèè Globe Race (früher Golden Globe Race) genannt verschwand in der ersten Nacht vor Biskaya.

1997 Gerry Roufs
Er war ein kanadischer Profi-Rennsegler, der während der Einhandregatta Vendée Globe 1996/97 im Südpolarmeer verschwand.

1998 Éric Tabarly
Gilt als einer der herausragender Hochseesegler und innova-tivsten Konstrukteure von Regattayachten des 20. Jahrhun-derts. Tabarlys Segelyachten trugen den Namen Pen Duick. Éric Tabarly lehnte es stets ab, sich an Bord zu sichern. 1998 sollte ihn dies das Leben kosten, als er bei einer Nachtfahrt in der Irischen See über Bord ging.

2007 Jim Gray
Der Informatiker verschwand mitsamt seinem Boot in der Nähe von San Francisco im Pazifischen Ozean.

2018 John Fisher
Der Teilnehmer des Ocean Volvo Race ist in einem Sturm, rund tausendzweihundert Seemeilen westlich der südame-rikanischen Küste, von Deck gespült worden. Trotz sofort eingeleiteter Suchoperation konnte der englische Segler nicht aufgefunden werden und gilt als verschollen.


Ein Zitat zum Abschluss
Der legendäre US-Präsident John F. Kennedy (1917-1963) der ein enthusiastischer Segler war, hat im Rahmen der be-rühmtesten Segelregatta der Welt, dem America’s Cup, in einer Rede nachstehendes bemerkt:
„Wir sind mit dem Ozean verbunden. Und wenn wir zum Meer zurückkehren, egal ob wir segeln oder es nur beobachten, dann gehen wir dahin zurück, wo wir einst hergekommen sind.“

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Abenteuerromane

Erläuterungen zum Begriff „Abenteuer Romane“
In dieser Rubrik sind alle maritime Anekdoten, Geschichten und Abenteuer, fiktive oder nach wahren Begebenheiten aufgeführt. Natürlich könnte man hunderte wenn nicht tausende von guten Abenteuerromanen aufführen, aber ich habe mich auf Werke beschränkt, welche in irgend einem Bezug zu Meer, Inseln oder Segeln stehen und natürlich selbst gelesen habe. Der Umfang erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, die aufgeführten Werke sind alle empfehlenswert.

Hinweis; Mit einem Klick auf den Buchtitel kann das jeweilige Werk geöffnet und Detailinformationen abgerufen werden.

Der Alte Mann und das Meer Ernest Hemingway
Das Geheimnis der Sandbank Erskine Childers
Lord Jim Joseph Conrad
Der Leuchtturm am Ende der Welt (1) Jules Verne
Moby Dick   (Film: Im Herzen der See) Herman Melville
Robinson Crusoe Daniel Defoe
Die Schatzinsel  Robert L. Stevenson
Der Seewolf  Jack London
Chesapeake (09.01.2019) James A. Michener
Rascals in Paradise (08.01.2019) James A. Michener

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