Kaventsmann

Merkwürdige Namensgebung für ein Seemonster


Was ist ein „Kaventsmann“?
Kaventsmann wird im NW-deutsch-sprachigen Raum ein großer, stattlicher Mann oder Gegenstand benannt. Die Herkunft des Wortes ist unklar. Möglicherweise stammt es von „Konventsmann“, einem, dem Klischee nach,  dicken Mönch ab. Vom „Kavent“, ein altertümliches Wort für „Bürge“ könnte es auch abgeleitet sein. In der Seemannssprache jedenfalls ist ein Kaventsmann eine Riesen-welle, Freakwave (in engl.) oder schlichtweg, Monsterwelle.
Über Kaventsmänner wurde schon seit Jahrhunderten von Seeleuten berichtet, aber die wenigsten, die eine solche unfreiwillige Begegnung über-lebt hatten, wollte man glauben schenken und hat es als reine Erfindung resp. Seemanngarn abgetan. Bis ins Jahr 1995 hielt man diesen Trugschluss auf-recht und erst als auf zuneh-mende Berichte die ersten Beweise folgten, wurden die Zweifler überzeugt. Im Jahre 2000 wurde Wolfgang Peter-sen‘s The perfect strom“ (was für ein makabrer Titel) auf Celluloid gebrannt, worin ein Kaventsmann die Hauptrolle spielt. Ein lang-atmiger, aber zu empfehlendes Filmepos nach wahren Gegeben-heiten.
In den vergangenen Jahren, vermutlich auf die Klimaerwärmung zurückzuführen, häuften sich die Meldungen über Monsterwellen in beträchtlichem Ausmass. Der folgende Filmausschnitt auf Youtube soll einen „normalen“ Wellengang in einem Nordseesturm vermit-teln. Kaum vorzustellen, welchen Effekt ein Kaventsmann, üblich ist eine doppelte Normalwellenhöhe, auf die lachenden Crew des Frachters gehabt hätte.

Wann verstummten die letzten Zweifler?
 Der Link zur empfohlenen Kurzdokumentation über Freak-Waves erklärt auf eindrückliche Weise wie die letzten Zweifel über dieses Phänomen ausgeräumt werden konnten. Damit war bewiesen, dass es Monster-wellen gibt, und in den folgenden Jahren wurden Berichte und For-schungen ausge-wertet. Mit Hilfe von Satelliten Messungen konnte entgegen der Annahme be-stätigt werden, dass sie in den Ozeanen recht häufig vorkom-men. Ein Kurzfilm des SRF über Laborversuche zeigt Einblicke in die moderne Forschung und über die Entstehung von Rie-senwellen. Ergebnisse fließen direkt in die Schiffsbaunorm ein.
Arten von Monsterwellen
Nachdem man ihre Existenz akzeptiert hatte, wurden die Monsterwellen nach Eigenschaften in drei Hauptgruppen unterteilt;
Vorab die normale Wellenbildung, sie umfasst alle üblichen Wellenbildungen, meist 4-5 kleinere mit 2 grösseren im Gefolge. Diese rhythmische Wellenfolgebildung ist jedem Steuermann geläufig.

Kaventsmann (eng. Rogue Wave) ist eine grosse, relativ schnelle Welle, die nicht der Richtung des normalen Seegangs folgt.
Drei Schwestern (engl. Three Sisters) sind drei schnell aufeinander folgende grosse Wellen, in deren schmalen Tälern Schiffe nicht den nötigen Auftrieb entwickeln können und dann von der zweiten oder spätestens der dritten Woge überrollt werden. Es ist unklar, ob dieses Phänomen immer aus exakt drei Wellen besteht, oder ob Varianten mit zwei, vier oder fünf Wellen vorkommen.
Weisse Wand (engl. white walls) ist eine sehr steile Welle, von deren Kamm die Gischt herabsprüht.

Blue Whale ist es gleichgültig, welche der drei ihr begegnen, eins ist sicher, keine ist willkommen! Man bedenke, durchschnittlich werden zehn Schiffe der 200-Meter-Klasse jährlich durch Seeschlag (Wasserdruck der übergroßen Wellen) verloren, die meisten  davon erfasst von einer Monsterwelle.

Wo besteht die grösste Chance einem Monster zu begegnen?
Küstenzonen mit stark schwankenden Meeres-tiefen und unterschied-lichen Strömungsver-hältnissen gehören zu den anfälligen Seegebieten wo unberechenbar grosse Wellen auftreten können. Weitere Faktoren wie Sandbänke und Strömungen sind dafür verant-wortlich, dass die Wellen ihre Richtung und Geschwindigkeit ändern. Nachstehendes Youtube-Video zeigt einen solchen Hotspot wo bei den Dreharbeiten der Film abreißt. Die Drohne wurde plötzlich von einer Monsterwelle erfasst.
Manöver gegen Kaventsmänner?
 Da steckt viel Sarkasmus in der Frage, denn wenn du ihn siehst ist es für ein Manöver meist zu spät und Abhauen kannst du nicht. Der Monsterwelle muss in jedem Fall ein Sturm vorausgehen und so wird die beste Lösung sein, die angewandte Sturmtaktik (Abwettern) weiterzuführen, das heißt, die Wellen etwas seitlich abzulaufen. Der Winkel zu den Wellen darf nicht zu spitz sein um die Wahrscheinlichkeit des Durchkenterns zu vermeiden.

<Back to Main Page Trivialis>  <Back to Seemannschaft>

 

Schiemannsgarn

Was ist Schiemannsgarn?

Das Wort teilt sich in zwei Definitionen, wobei als ein Wort geschrieben, eine neue Bedeutung hergeleitet ist. Aber nun mal der Reihe nach;

1.) Schiemann kommt aus dem Niederdeutschen und hat die Bedeutung des Bootsmannsmaat
2.) Garn ist ein Begriff von feinem Zwirn aus Wolle bis zu Seilen aus Hanf
3.) Schiemannsgarn oder Seemannsgarn gehört zu den Kleintau-werken welche an Land und auf See Verwendung hatte. Das Schiemannsgarn besteht in der Regel aus vier bis sechs Garnen, die in S-Drehung (links gedreht) gezwirnt sind. Es ist zwischen drei und sechs Millimeter stark. Das Garn ist geteert, selten wird es ungeteert genutzt. Die Stärke richtet sich nach der vorgese-henen Verwendung. Es dient zum Umwickeln (Kleedern) der Spleißstellen von Drahttauwerk und stehendem Gut (Wanten, Stage etc.). Alternativ mit einem Hüsing-Seil gekleedert wurde dies auch mit Labsal getränkt.

Blue Whale meint; Eigentlich eine banale Arbeit aber notwendige Seemannskunst. Kaum zu glauben, dass daraus die gefürchtetsten Geschichten und Erzählungen entsprangen und die Seefahrt Jahr-hunderte in ihrem Bann hielt.

Die Beziehung zu Seemannsgarn
Das Wort „Seemannsgarn“ wurde der langweiligen Tätigkeit des Schiemannsgarn spinnens hergeleitet weil die Seeleute während des spinnen Erlebnisse erzählten.

Zu den Seemanns- oder Meersagen gehörten Erzählungen über den Klabautermann, Seeungeheuer, Wassermänner und Nixen. Unheimliche Geschichten wie das Geisterschiff des Fliegenden Holländers oder die fantastische Erscheinung des Elmsfeuers faszinierten die Zuhörer immer wieder aufs Neue. Die Existenz resp. Erzählungen über Monsterwellen wurden vom Mittelalter bis in die Neuzeit vehement behauptet. Ab dem 20ten Jahrhundert kursierten auch Geschichten über Verschwinden von Schiffen im Bermuda-Dreieck (Sargassosee) und UFO-Sichtungen. Das Erste entsprach den Tatsachen, aber das Zweite war wohl eine Feak-News! Diese gehören nur bedingt ins Genre des Seemannsgarn und werden auch anders bezeichnet.

Hinweis in eigener Sache;
Link zu verwandten Beiträgen auf Blue Whale’s Webseite
– Seemannsgarn/Meeresgeflüster/Unendliche Geschichte
– Trivialis/Seemannschaft/Wissenswertes/Kavenzmann

<Back to Nautisches Lexikon>
<Back to Main Page Glossar>
.

Das Unwort

Die Pandemie fokussiert UNWÖRTER

Wikipedia beschreibt den Ausdruck fürs Unwort wie folgt;
Der Begriff Unwort“ ist ein Schlagwort aus dem Bereich der Sprachkritik und bezeichnet ein „un-schönes“, aber auch ein „unerwünschtes“ Wort. Die Historie des Unwortes aus vergan-genen Dekaden;
In der Schweiz <Link>      In Deutschland <Link>

Leider hat vor einigen Jahren das Wort-Zwitter „Samihäsi“ das Rennen zum Unwort des Jahres in Deutschland nicht geschafft, obschon es die Attribute wie unschön und unerwünscht erfüllte. Auch was es verwirrend logisch und zum Nachdenken anregend.
Das „Sami-Häsi“ entsprang der aufgeweckten Fantasie eines Kleinkindes, als es von der vorweihnachtlichen Ein-kaufstour im Supermarkt mit den Eltern nach Hause kam. Sprachwissenschaftler muss-ten für die Rekonstruktion des Ausdruckes bemüht werden. Die nüchterne Analyse;
Der Ausdruck benennt die kaufwutanimierende Auslage von Weihnachtsmärkten. Dort werden Weihnachtsauslagen mit Schoko-Osterhasen ver-mischt, welche leider vorsaisonal zur Schau gestellten werden. Ein Osterhase im Weihnachtskostüm zwischen Schoko-Chläusen hat das Kind überfordert und verwirrt. Bedenkenlos werden verschie-dene saisonale Auslagen vermischt und zur Schau gestellten. Welche Dekadenz in Vollblüte! Solcher Wahnsinn ärgert (manche) Erwachsene und verwirrt eben Kinder. Nach der Shoppingtour müssten Kinder einer regelmäßig therapeutischen Behandlungen unterzogen werden um Folgeschäden vorzubeugen. Die aufstre-bende Branche der Psychiater könnte entspannt das neue Jahr frönen, denn Ernährung und ungezügeltes Wachstum wären gesichert!
Kommt da nicht eine Sintflut von Unwörter wegen der aktuellen Geschehnisse auf uns zu? Denkbar ist, dass nach Öffnung der KITAS (Kindertagesstätten) das Vokabular unserer Jüngsten mit Begriffen wie Covidli, Virufobli, Coronemili und Maskcovidli be-reichert wird. So stellt sich die obligate Frage, welches Unwort wird das Rennen im Jahr 2020 machen?

Es bahnt sich ein schwieriger Entscheid an. Viele kluge Juryköpfe werden überhitzen, darum ab mit dem Barett. Es sind zu viele neue Ausdrucksformen seit Ausbruch der Epidemie im Gebrauch. Täglich werden wir damit bombardiert. Abgedroschen und verstän-dlich geworden sind Schlagwörter wie Coronavirus, Lockdown, Sozial Distancing etc. Aber noch sind viele neue Ausdrücke in den Startlöchern und buhlen um die „Corona“ des Siegers.
Blue Whale ist bewusst, dass dieser Artikel mit Segeln nichts ge-mein hat. Mag sein, dass das Gedankengut dem „Corona-Koller“ entsprang. Nachsicht bitte, aber der Beitrag passt in die Rubrik „Coronapoly“, denn diese Thematik wird uns noch eine lange Weile dominieren.
Eine Veröffentlichung in der NZZ vom 25.04.2020 betreffend – Glossar zum Corona Virus -, hat Blue Whale erwogen in den fol-genden 6 Spoilern, zwölf der zwanzig wichtigsten Fachausdrücke zu übernehmen und deren Bedeutung zu erörtern. Die Spoiler sind nur für Interessierte von Belang.

Inkubations- & Latenzzeit, Infektiosität

Inkubationszeit
Die Inkubationszeit beschreibt die Zeit vom Tag der Anstec-kung bis zu dem Tag, an dem sich erste Symptome zeigen. Beim Coronavirus gehen die Wissenschafter inzwischen von einer Inkubationszeit von 5 bis 6 Tagen aus. Diese Tage sind aber ein Mittelwert. Einige wenige Patienten weisen sogar erst nach bis zu 14 Tagen nach der Ansteckung Symptome auf. An diese Werte angelehnt sind die gängigen Isolations- und Quarantäne-Empfehlungen von 14 Tagen. Latenzzeit
Wie lange dauert es von der Ansteckung mit einem Virus bis zu dem Zeitpunkt, wo man selbst ansteckend ist? Diese Zeit-spanne wird Latenzzeit genannt. Bei Sars-CoV-2 ist dieser Wert unter realistischen Bedingungen kaum messbar, daher gibt es bis anhin wenig verlässliche Angaben. In einer Studie mit Daten aus sieben Ländern wird die Latenzzeit auf etwa 2,5 Tage ab der Infektion geschätzt. Andere Studien schätzen den nichtinfektiösen Zeitraum auf 3,5 bis 4 Tage nach Infektion.

Infektiosität
Eine infizierte Person kann nicht nur, wenn sie Husten oder Fieber hat, andere mit dem Virus anstecken, sondern auch schon davor. Das bedeutet, viele Menschen sind bereits an-steckend, noch bevor sie wissen, dass sie selbst infiziert sind. In einer Studie aus Hongkong haben Forscher herausgefun-den, dass 44 Prozent der Übertragungen schon vor Symptom-beginn geschehen. Anders gesagt: Die untersuchten Patienten waren im Mittel am Tag bevor sie sich das erste Mal krank fühlten am stärksten ansteckend. Diese Tatsache macht es auch so schwierig, die Ausbreitung des Coronavirus zu stop-pen oder einzudämmen. Nach einer Woche mit Symptomen waren die Patienten nicht mehr ansteckend.

Reproduktionszahl
Die Reproduktions-zahl R sagt aus, wie viele andere Personen eine infi-zierte Person im Durchschnitt an-steckt. Ist die Re-produktionszahl größer als 1, über-trägt jeder Infizierte die Erkrankung an mindestens eine wei-tere Person – das Virus breitet sich also aus. Erst wenn R kleiner 1 ist, geht die Zahl der Infizierten zurück. Das Ziel der gegenwärtigen einschränkenden Maßnahmen in den meisten Ländern weltweit ist es, den R-Wert möglichst zu senken. In der Schweiz ist der R-Wert laut Berechnungen der ETH Zürich etwa seit dem 21.März deutlich unter 1 gesunken.
Ausbreitungsgeschwindigkeit & Verdopplungszahl
Ausbreitungsgeschwindigkeit
Die Ausbreitung der Infizierungen mit dem Coronavirus verläuft exponentiell, weil eine Person ohne einschränkende Massnahmen in der Regel mehrere andere Person ansteckt. Die Zahlen haben sich am Anfang der Epidemie fast überall innert weniger Tage verdoppelt. Das bedeutet, innerhalb von drei Wochen werden aus 10 Infizierten 20, dann 40, dann 80 usw., und dann bald über 10‘000 Infizierte. Zeigt man dieses Wachstum mit einer linearen Kurve, steigt diese sehr steil nach oben. Bei einer logarithmierten Kurve ist die Y-Achse gestaucht, und das Wachstum wird besser sichtbar. Bei der Ausbreitungsgeschwindigkeit gilt also: Je steiler die Kurve, desto schneller ist die Ausbreitung. Je flacher die Kurve, desto stärker gebremst ist sie.

Verdopplungszahl 
Die Verdopplungszahl ist die Zeitspanne, in der sich die Zahl der Corona Virus-Ansteckungen in einem Land oder einer Region verdoppelt hat. Wenn sich die Fallzahl in unter 4 Tagen verdoppelt, ist die Zu-nahme schnell und ungebremst. Verdoppelung in 4–8 Tagen heißt moderat und ungebremstes Wachstum, ab 8 Tagen ist die Ausbreitung gebremst. Wenn sich die Zahlen nur noch alle 30 Tage verdoppeln, dann ist die Ausbreitung stark gebremst oder gestoppt.

Containment & Mitigation
Epidemie stoppen («Containment»)
Es gibt zwei Strategien, mit der eine Gesellschaft gegen eine Epidemie vorgehen kann. Beim Containment ist das Ziel, die Epidemie zu stoppen. Diese Strategie kann ein betroffenes Land am Anfang des Ausbruchs wählen, wenn es eine über-schaubare Anzahl Fälle gibt. Beim Containment wird die Ver-breitung einer Krankheit innerhalb einer Gemeinschaft genau verfolgt, gegebenenfalls auch mit dem Einsatz von Apps. Infizierte werden identifiziert und dann strikt isoliert. Beim Contact-Tracing werden die Personen gesucht, mit der die Person in engem Kontakt war, und ebenfalls isoliert.
Epidemie eindämmen («Mitigation»)
Das ist die zweite Strategie, die eine Gemeinschaft im Kampf gegen eine Epidemie wählen kann. Ab einer bestimmten Fall-zahl funktioniert die Containment-Strategie nicht mehr – dann kann man die Ausbreitung nicht mehr stoppen, sondern nur noch verlangsamen. Es werden Massnahmen angewendet, die vor allem darauf abzielen, die Kontakte zwischen Menschen zu minimieren: Schulen, Geschäfte und Büros werden geschlos-sen, das öffentliche Leben wird lahmgelegt. Die Menschen sollen wenn immer möglich zu Hause bleiben.
Flatten the Curve & Social Distancing
«Flatten the Curve»
Bei Infektionskrank-heiten wie Covid-19 nimmt die Ausbreitung oft einen exponentiellen Verlauf. Die Infektions-kurve verläuft steil nach oben und soll ab-geflacht werden; daher kommt der Ausdruck «flatten the curve». Im Prinzip will man die Ausbreitung des Coronavirus verlangsamen. Das Ziel: dafür sorgen, dass nicht zu viele Menschen gleichzeitig erkranken, ins Spital müssen und das Gesundheitssystem überlasten. Anstatt einer gleich-zeitigen Erkrankung vieler Menschen sollen sich die Erkran-kungen auf einen längeren Zeitraum verteilen. Der Ausdruck beschreibt das Gleiche wie die «Mitigations»-Strategie, be-zieht sich aber auf die Statistik.

Social Distancing
Eine Strategie, die zur Mitigation oder Verlangsamung gehört. Um die Kurve so flach wie möglich zu halten, sollen die Men-schen möglichst Abstand voneinander halten, wenn sie sich begegnen. Denn eine Ansteckung mit dem Coronavirus kann erfolgen, wenn man einer erkrankten Person sehr nahe kommt. In der Schweiz wie in den meisten anderen Ländern sollen die Menschen wenn immer möglich zu Hause bleiben und sich nur für das Nötigste draussen aufhalten, etwa zum Einkaufen oder, wenn es nicht anders geht, um zur Arbeit zu gelangen.

Letalität & Herdenimmunität
Letalität
Wird auch Tödlichkeit genannt. Die Letalität oder Tödlichkeit gibt an, wie viele der Infizierten an einer bestimmten In-fektion sterben. Nicht zu verwechseln ist die Leta-lität mit der Mortalität, die die Anzahl Toten einer Krankheit auf die ganze Bevölkerung angibt. Die Mortalität wird erst bekannt, wenn die Epidemie vorbei ist.

Herdenimmunität
Wie bei vielen Infektionskrankheiten geht man auch bei Covid-19 davon aus, dass die Menschen nach überstandener Krankheit immun werden, sich also nicht erneut anstecken können. Wenn eine bestimmte Zahl von Menschen in der Bevölkerung gegen einen Krankheitserreger immun ist, kann sich der Erreger nicht weiter ausbreiten, das nennt man Herdenimmunität. Dadurch sind dann auch jene Personen relativ gut vor der Erkrankung geschützt, die selbst nicht immun sind. Experten rechnen erst mit Herdenimmunität, wenn 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung infiziert waren.

Schlusswort zum Beitrag
Wann werden wir so beisammen- sitzen können und „blöde“ Sprüche klopfen?
Ein Spruch von Mark Twain zum Schluss, dem nichts weiteres hinzuzufügen ist;
In 20 Jahren wirst du mehr enttäuscht sein über Dinge die du nicht getan hast, als über Dinge die du getan hast.
Also löse die Knoten, laufe aus dem sicheren Hafen.
Fange die Winde mit deinen Segeln ein, erforsche, träume.

<Back to Wissenswertes>           <Back to Coronapoly>

 

Eine unendliche Geschichte

(rev. 26.10.2024)

Fantasie, Mythologie oder nur Seemannsgarn?
Ein Zitat von Albert Einstein;
Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.
Eine visionäre Aussage für jemanden der unser Dreidimensional System um eine Vierte erweitert hat. Vermutlich ahnte er, bezogen auf die Aussage, dass es eine fünfte Dimension geben muss? Raum und Zeit können wir heute nachvollziehen, aber könnte die fünfte Dimension, wie einige proklamieren, ein Bewusstseinszu-stand sein, welcher die Fantasie einschließt? Wer weiß das schon! Eins ist aber sicher. Folgende Geschichte stellt unter Beweis, dass Fantasie wahrhaftig keine Grenzen kennt und Blue Whale’s Fazit dazu ist: „Nur die Unendlichkeit selbst kann sich begrenzen!

Wie alle begann

Fantasie – Mythologie & Glauben,
<< ägypt. Sonnengottheit Re
Bedeuten nicht die drei Begriffe schlussendlich das Gleiche und unterscheiden sich nur von der Epoche ihrer Betrachtungsweise?
Die Fantasie hat von Anbeginn der Menschheit die Kreativität ange-trieben und zum stetigen Fortschritt geführt. 
Die Mythologie könnte als ein Pro-dukt der Fantasie erachtet werden, oder war es mehr als das? Warum entwickelte jede Hochkultur daraus ihren Glauben und verehrte ihre Gottheiten?
Wo lässt sich der Seemannsgarn einordnen? Die Überlieferung der griechischen Mythologie ist uns Seefahrern vermutlich am geläufigsten. Die Argonauten der Antike beteten für eine sichere Überfahrt zu Poseidon. War er gut gelaunt, ließ er neue Inseln entstehen und die See ruhen. War er schlecht gelaunt, stach er mit seinem Dreizack in die Erde und verursachte Erdbeben, Überschwemmungen oder brachte Schiffe zum Sinken.
Es liegt auf der Hand, dass See-mannsgeschichten, der Fantasie, den Mythen und des Glaubens entsprungen sind. Das „dunkle Zeitalter“ der abendländischen Kultur, dass das Mittelalter ge-prägt hat, charakterisierte sich durch Rückständigkeit, Analpha-betismus und zu einem befoh-lenen, bedingungslosen und fanatischen Dogma des einen wahren Glaubens. Das Finale endete in der Inquisition und fraß seine eigenen Kinder auf. Die Fantasie landete auf dem Scheiterhaufen und wurde verbrannt! Erst die  Reformation brachte die Befreiung vom Irrglauben und die Fantasie ent-faltete sich aufs Neue. Das Seemannsgarn blühte auf und entwickelte über die Jahrhunderte eine vielfältige Dynamik bis in unsere Zeit hinein.
Eine Priese Wahrheit steckt in jeder Geschichte oder Anek-dote, wie viel, muss jeder für sich entscheiden. Aber aufge-passte, Zweifler konnten schon des öfteren Belehrt werden. Versuchen wir uns der unendlichen Geschichte in den nächsten Spoilern anzunähern.

Poseidon der Gottvater der Meere
Poseidons Wiege ist die griechische Mythologie. Wie er zum Meeresgott avancierte bedarf es einem kurzen geschichtlichen Überblick
Die Geschehnisse erfolgten in drei Etappen. Zuerst herrschte das Chaos aus welchem die Titanen als herrschende Gottheit hervorgingen. Kronos der jüngste Sohn der Gaia (Erde) und des Uranos (Himmel), Anführer der Titanen zeugte mit Rhea viele Nachkommen. Um die Macht zu erhalten fraß Kronos seine Kinder auf. Zeus der jüngste Spross widersetzte sich und befreite seine Geschwister.
Hinweis zu den 12 wichtigsten Gottheiten; Der erste Name ist griechisch, der zweite römische(Klick zum öffnen)Nachdem Zeus die Titanen in einem langwährenden Kampf bezwungen hatte, wurde der Olymp begründet. Die überle-benden Titanen wurden in die Unterwelt verbannt. Der Olymp entstand als neues Ordnungsgefüge. Die Aufteilung der Welt in drei Herrschaftsgebiete erfolgte unter den göttlichen Brü-dern mittels Los. Zeus der Jüngste erhielt nebst dem Titel der höchsten olympischen Gottheit auch den Himmel, Hades der Älteste die Unterwelt und Poseidon die Gewalt über die Meere. Die Erde und den Olymp verwalteten sie als gemeinsames Territorium.
Die Menschenkinder respektierten ihre Gottheiten und verehr-ten sie. Die pantheistische Weltanschauung des römischen Folgeimperiums übernahm die griechischen Gottheiten und versah sie mit, für sie, zeitgemäßen Namen. Die Hierarchie der Götter wurde beibehalten und so behielt die oberste Gerichtsbarkeit im Olymp Zeus inne. Die Verwandlung des Poseidons in den römischen Gott Neptun war auch eine Folge des Epochenwechsels. Poseidon war und Neptun blieb der Schutzpatron der Seefahrer.
Hierarchie der Ozeane und Meere
Im Laufe der gött-lichen Unendlichkeit zeugte Poseidon un-zählige Nachfahren. Diese wuchsen zu geachteten Gott-heiten heran und erlangten in Sagen und Erzählungen Berühmtheit. Nur um einige aufzuzählen; Sein erster Sohn Triton war der Wellengott, mit Medusa zeugte er Pegasus, das geflügelte Pferd und aus Liebschaften mit Meeresnymphen entsprangen unzählige Riesenkreaturen und Zyklopen. Die Meeresjungfrauen und Nixen verkörperten seinen Hofstaat und waren treue Untertanen. Poseidon durchstreifte mit dem Streitwagen die Weltmeere und nahm die Huldigungen der Meeresbewohner entgegen. Berüchtigt war sein Auftreten mit Wagen und vorgespannten Zugpferdchen, die Hyppocamp. Alle Bewohner der Meere, auch die Ungeheuer und Fabelwesen achteten ihn. Ein Gerücht besagt, dass er aus dem Wellenschaum der Zugpferde seinen Palast auf dem Grund des Meeres gebaut haben soll. Jede Welle, erzeugt mit Hilfe der Hyppocamp, trug zum sagenumwobenen Palast bei. Die Verehrung für seine Meerpferdchen ging so weit, dass er sich mit dem Beinahmen Hippios schmückte.
Die Meeresungeheuer
Die Meeresungeheuer waren in allen Ozeanen heimisch. Ihnen wurde die Aufgabe zuteil, dem ungezügelten Entdeckungstrieb der Seefahrer Einhalt zu bieten. Sie versetzten die Seeleute in Schrecken woraus der Aberglaube entsprang. Entrichteten die Matrosen Tribut so war die Weiterreise erlaubt, aber immer noch ungewiss. Diese Tradition war im Mittelalter sehr ver-breitet und wurde bis in die heutige Zeit überliefert. Vor jeder Ausfahrt soll der erste schluck Rum, in Gedenken an Neptun, als Tribut ins Fahrwasser geschüttet werden und nur so würden Fürbitten für gute Winde und sichere Fahrt Gehör finden.Eines der gefürchtetsten Ungeheuer war die Midgardschlange. Lautlos und geschmeidig näherte sie sich den Schiffen und umschlang sie mit ihrem langen glitschigen Körper.
Ein gefährlicher Zeitgenosse war der Riesenkrake. Mit seinen Saugnäpfen an den acht Tentakeln konnte er sich am Rumpf so festsaugen, dass ein entrinnen fast unmöglich war. Die Seeleute konnten die Krake von der Hydra nicht auseinander halten, es war ihnen auch gleich, denn mit keinem der beiden war zu spaßen. Der Aspidochelone, eine Riesenschildkröte, musste wegen ihrer behäbigen Bewegungen eine spezielle Taktik anwenden. Sie täuschte auf offener See eine üppig bewachsene, fruchtbare Insel vor und lies den ahnungslosen Kapitän auf sie auflaufen, in der Folge war Kenterung und Sinken gewiss. Nur wenige Seeleute entkamen und konnten die Tragödie erzählten. Sie sorgten ungewollt für Angst und Ehrfurcht vor den weiten der offenen See.Es gab auch gute Fabelwesen und Schiffsgeister, welche die Matrosen vor den Schrecken der Meere bewahren wollten. Ein hilfreicher „Blinder Passagier“ war zum Beispiel der Klabauter-mann. Er warnte den Kapitän vor aufziehenden Gefahren und trieb Schabermack mit den Matrosen. Die Sylphen waren die Naturgeister der Lüfte, die Wassergeister, der Gewässer. Nicht zu vergessen die Wasserfrauen, welche gemäß den Mythen Schutz und Segen den Matrosen spendeten.
Ein Paradies am Scheideweg
Poseidons Paradies, welches schon lange keines mehr war, drohte endgültig zerstört zu werden. Die Meeresbewohner beschwerten sich schon seit längerem über die Veränderun-gen im Meer, aber er schenkte ihnen zu wenig Beachtung.
Bild links; Mythische Dar-stellung, der Fall der Titanen
Erst eine Rund-reise brachte die nüchterne Gewiss-heit, dass die Zer-störung schon un-vorstellbare Aus-masse angenom-men hatte. Die angestiegene Meerestemperatur und das übersäuerte Salzwasser nagten an den Riffen, die drastische Verschmutzung durch zersetzenden Plastikmüll, Unrat und ausgelaufenes Öl gefährdeten das maritime Leben. Die Emissionen und Lärm des globalen Schiffsverkehrs fügten nachweislich sehr viel Leid den Meeresbewohnern zu. Eine Emigration, mangels Alternativen, war ausgeschlossen.
Als wäre das nicht schon schlimm genug, kam noch die Rück-sichtslosigkeit und mangelnder Respekt der Anrainer und Meeresbesucher hinzu. Die Jahrtausende lange Grundlage für ein prosperierendes Leben um und aus dem Meer war aufs äusserste gefährdet. (P.S. Merkwürdig, wie sich Parallelen zu unserer Geschichte ergeben!)
Neptun hatte versucht die Verantwortlichen durch Erdbeben und Tsunamis wach zu rütteln und zur Vernunft zu bringen. Leider vergeblich. Keine Reaktion, das Götzen-bild „Geld“ war wichtiger. Die Meeresungeheuer, welche ihren Dienst über lange Epochen erfolgreich vollführten fanden keine Beachtung mehr, ja sogar Nessie, das letzte aktive Ungeheuer von Loch Ness widerfuhr Verschmähung und Spott. Poseidons Rückfrage bei Zeus ergab; „Bei uns stinkt‘s sogar bis zum Himmel und der Fluglärm raubt unser Gehör! Lieber Bruder, guter Rat ist teuer.“ Auf sich alleine gestellt wendete Poseidon sich an seine Meeresjungfern. Sie kannten die Erdbewohner besser und hatten verschiedentlich für sie ein gutes Wort eingelegt. Nun waren auch ihnen die Argumente ausgegangen. Den Sirenen hat es sogar die Stimme verschlagen! Um Zeit zu gewinnen bat Neptun die chinesische Meeresgöttin Mazu um Hilfe. Mazu freute sich über die Anfrage und sandte daraufhin ein heimtückisches Virus den Erdbewohnern. Dies sollte Neptun zu einer Atem-pause für eine nachhaltige Problemlösung verhelfen.
Schon bald durchzuckt ihn ein Gedankenblitz. Eine neue Sint-flut heraufzubeschwören wäre eine Lösung, aber wie soll ich die göttliche Konkurrenz der Dreifaltigkeit überzeugen? Meine Kraft übersteigt ein solches Unterfangen.
So grübelt er weiter in seinem Schaumschloss, von Plastik-müll mittlerweile zugedeckt und einer nachhaltigen Lösung weit entrückt, ja, schlichtweg überfordert.

Auch der Olymp ist ratlos! Die Götter befürchten, nachdem die Menschen alles Zerstört haben, wird das Chaos wieder ausbrechen. Der Kreis der unendlichen Geschichte schliesst sich. Die Titanen werden aus der Unterwelt hervorgekrochen kommen, wo sie vor Urzeiten verbannt wurden. Ihre Rache-gelüste sind Gigantisch und wollen befriedigt werden. Was wenn Sie den Olymp erklimmen und die Macht ergreifen? Werden Sie das Chaos abwenden oder beenden können? Mit welchen Konsequenzen? Wir wissen es nicht oder werden es nie erfahren, denn dies wird mit tödlicher Sicherheit auch das unsere Schicksal beenden. Unsere Geschichte ist endlich, die der Götter nicht!

Zum Abschluss eine Erkenntnis von Albert Einstein der ein Zitat des Sokrates wie folg formulierte:
Je mehr ich weiß, desto mehr erkenne ich, dass ich nichts weiß.“

<Back to Seemannsgarn>      <Back to Meeresgeflüster>

 

Mann über Bord (MOB)

(rev. 21.05.2020)

Das Horror-Szenario seegängiger Schiffe „MOB“

Der Kapitän fragt den neuen Matrosen:
„Sie wollen anheuern? Können Sie den überhaupt schwimmen?“

„Nein, aber in 23 Sprachen um Hilfe rufen.“
In diesem Beitrag sollen nicht die umstrittenen Segelmanöver eines „MOB“ (Mann über Bord) erläutert, sondern auf das Horror-Szenario als solches eingegangen werden.
Spätestens seit Erscheinen von Robert Louis Stevensons Roman «Die Schatzinsel», in dem Vizekapitän Arrows auf hoher See nächtlich von Bord der «Hispaniola» verschwindet, halten sich ähnliche Zwischen-fälle hartnäckig in den Schlag-zeilen (siehe dazu Spoiler „Schlagzeilen über POB“).
Sogenannte Segelunfälle, bei denen jemand angeblich von einer großen Welle weggespült wird, sind ein effizientes Mittel, um ungeliebte Ehefrauen, natürlich auch Ehemänner, aufdringliche Rivalen oder aufsässige Gläubiger auf elegante Weise loszuwerden (siehe Link zu Adria-Seeunfall). Dies hat unweigerlich auch bei modernen Kreuzfahrten Einzug gehalten wo Seeunfälle weniger auf Witterungseinflüsse zurück zu führen sind. Fachleute emp-fehlen, reisen so zu buchen, dass sicherheitshalber abgelegene und vorzugsweise haifischreiche Gewässer auf der Cruise ange-steuert werden.

Die HMS Hispagnola

Nun kommt es hin und wieder auch vor, dass jemand unbe-absichtigt über Bord geht, sei
es, weil er tat-sächlich von hoher See überrascht wird, sei es, weil er im Gedenken an Admiral Nelson dem Rum zu stark zugesprochen hat. In einem solchen Fall gelangt dann das soge-nannte «Mann über Bord»-Manöver zur Ausführung. Im Zeichen seglerischer Emanzipation der Frauen und in Einhaltung der „Political Correctness“ möchte Blue Whale auf den ersten Spoiler „WAS IST EIGENTLICH POB“ hinweisen.

1 Was ist eigentlich POB?
Die Modernisierung hat uns auch in der Seefahrt allgegen-wärtig. Die Seefahrtsbibel „Seemanschaft“, welche aus einer über tausendjährigen Tradition geschnitzt wurde, musste mit dem „Yacht-Knigge“ für „Verhaltensgestörte“ Schiffer-Egozentriker ergänzt werden. So war absehbar, dass infolge des Gender-Mainstreaming auch vor dem eingebürgerten Warnruf “Mann über Bord“ (MOB) nicht halt gemacht werden würde. Seit Urzeiten Bestandteil der traditionellen Seefahrt musste dieser Ausruf in „Person über Bord“ (POB) umbenannt werden. Welch ein Graus für Salzbuckel und Seebären! Pardon, auch diese Titel bedürfen zum Leidwesen ihrer Adressaten der Überarbeitung.  Unschwer zu erkennen, dass die retuschierte Bildbeilage unseres Patrons der Meere „Neptun“, im Gender-Look etwas lächerlich wirkt. Diese geschändete Karikatur-Darstellung „übermannte“ Blue Whale mit einem Anfall von Seekrankheit.
Für die seglerische Laien unter den Lesern: Das Kunststück des POB-Manövers besteht darin, Wind und Geschwindigkeit des Segelbootes so genau einzuschätzen, dass das Rettungsschiff tatsächlich unmittelbar neben dem im Wasser Schwimmenden anhält. Es darf nicht in voller Fahrt am Verunglückten vorbeirauschen und auch nicht zehn Meter vor ihm, im Gegenwind stehen bleiben, oder Gott behüte, überfahren werden. Eine Handbremse gehört nicht zum Rüstzeug einer Jacht. Die Bergung nötigt zur Eile, denn die fatale Auskühlungsgefahr des über Bord gegangenen ist der Leitwert eines MOB-Manövers; Deadline sind gleich viele Minuten, wie die Wassertemperatur in Grad jeweils ist! Regeln ohne Ausnahme gibt’s nicht, folglich der nächste Spoiler „SCHLAGZEILEN ZU POB“.
2 Schlagzeilen über POB resp. MOB
Ein Ehepaar auf hoher See in ihrer Yacht. Sturm. Sie fällt über Bord und schreit „Mausi, den Ring, Mausi, den Ring!! Er wirft ihr seinen Ehering nach und sagt:“ Stimmt, den brauch ich auch nicht mehr…“ Jedes Jahr verschwinden bis zu 20 Menschen auf Kreuzfahrt-schiffen, nicht nur durch Unfälle. Die Reeder erklären zwar, dass ein Teil der Vermisstenfälle auf Suizide zurückzuführen sei. In den anderen Fällen sei das Resultat unglücklicher Unfälle, oft als Folge von Alkoholmissbrauch. Besorgniserregend ist jedoch, dass es in rund 30 Prozent aller Fälle keinen Anhaltspunkt gibt, was mit den Passagieren geschehen sein könnte. So der letzte „prominente“ Fall des D. Küblböck, der im Jahr 2018, während einer Kreuzfahrt über Bord ging. Seit dem fehlt jede Spur von ihm. Vermutlich kein Gewaltopfer eines Abhorrers.
Ein Strafrechtler geht sogar so weit, das Kreuzfahrtgeschäft als „ein Eldorado für Mordgetriebene“ zu beschreiben. Nachstehend drei MOB-Ereignisse, die einen glücklichen Ausgang nahmen und dieser These entgegnen;

Person geht über Bord und überlebt fast 24 h im Meer vor Kuba (01. Juli 2018 Nau.ch)
Grosses Glück für einen Mann in der karibischen See vor Kuba. Der 33-Jährige Matrose des Kreuzfahrtschiffes „Norwegian Getaway“ wurde über 30 Kilometer vor der Küste nach auf-wendiger Suche gefunden.

Britin überlebt nach Sturz von Kreuzfahrt-schiff zehn Stunden in der Adria (20.08.2018 dx.com)
Singen und Yoga-Fitness haben der Frau laut eigenen Angaben das Leben gerettet, nachdem sie von Bord gegangen war. Ein Schiff der kroatischen Kriegsmarine konnte die Frau schließlich unversehrt bergen.

42-Jähriger wird aus See geholt und entert Boot des Retters (23. Juli 2019 Tagesanzeiger.ch)
Nachdem ein Mann aus dem Zürichsee gerettet worden war, stieß er seinen Helfer von dessen Schiff und fuhr davon. Dann prallte er in andere Boote. Auch der verdutzte Bootseigner konnte schlussendlich gerettet werden.

Blue Whale hat sich mit dieser Thematik schon mal auseinandergesetzt und zwar im Bericht; „Überleben dank Jeans“! Mit Mausklick öffnet sich der Bericht.

3 Einhandsegler & MOB
Praktisch alle MOB Szenarien decken Varianten von Cruising mit Crew’s ab, seien diese Kreuzfahrer oder Yachten. Selbst bei einer großen Crew sind die Chancen, wieder lebend an Bord zu kommen, minimal. Die Solosegler kommen da etwas kurz, verständlich, das beim „Gau-Happening“ mit tödlicher Sicherheit „Game Over“ sein wird. Ausnahme, du bist auf einem Teich unterwegs resp. du bist wegen einem Ausweich Manöver auf einem überfüllten Seegebiet über Bord gegangen. Wenn der „worst case“ den Solosegler doch ereilen soll, sind die Möglichkeiten und Hilfsmittel sehr bescheiden.
Dazu ein paar Tipps;

  • Das Cockpit auf offener See nicht verlassen.
  • Life-Leine tragen
  • achteraus schwimmende Leine installieren, natürlich nur bei geringer Bootsgeschwindigkeit tauglich.
  • Autopilot mit körpergetragener Fernsteuerung gekoppelt, sofern vorhanden, d.h. das Ruder wird quer gelegt resp. „Schuss in den Wind“ erfolgt bei abbrechen des Funkkontaktes.
  • PLB-Gerät (Personal Location Beacon) am Körper tragen, erleichtert die Ortung resp. Bergung

Die Schwimmweste ist umstritten seit die Seglerikone Eric Tabarly erklärte; „Ich trage keine Weste weil ich nach dem über Bord gehen nicht länger als notwendig leiden möchte!“
Es muss nicht das Extrem des Einhandseglers Conrad Colman sein, der an der Vendee Globe über Bord ging und Glück hatte. Diese gilt als härteste Einhandregatta der Welt. Es kann auch ein Kurztörn auf einem Binnen-See sein, wo die Verkettung unglücklicher Umstände zum Super Gau des Einhandseglers führen.

Zum Gedenken an die vielen auf See verschollenen Persön-lichkeiten und Legenden des Einhandsegeln, widmet Blue Whale den Spoiler 4.

4 Verschollene Legenden
Viele berühmte Persönlichkeiten und Legenden des Segel-sportes haben ihre Leidenschaft mit dem Leben bezahlt und gelten auf See als verschollen. Die näheren Umstände bleiben für immer ungelüftet. Nicht nur Regatten durch gefährliche Seegebiete fordern ihren Tribut. Verwunderlich ist, obschon dort mehrheitlich Profis am Werk sind, beste Ausrüstungen zur Verfügung haben und die Retter „Gewehr bei Fuss“ stehen, fordert die See regelmässig ihre Opfer.
Als berühmte Ausnahme und Ikone des America‘s Cup zählte Sir Peter Blake, der im Dezember 2001 an Brasiliens Küste als Umweltschützer unterwegs, überfallen und ermordet wurde.

Ein Vers von Jules Verne soll uns nachdenklich stimmen;

Die Ahnengalerie der Legenden nach Ereignisjahren gelistet; (mit Mausklick auf Namen öffnet sich ein Link)

1909 Joshua Slocum
Gilt als erster Einhandsegler der eine Weltumrundung vollbrachte. Der kanadisch-amerikanische Seefahrer verschwand mit seinem Boot auf einer Expedition nach Südamerika.

1913 Rudolf Diesel
Der deutsche Ingenieur und Erfinder des Diesel-Motors wurde zuletzt am 29. Sept. 1913 an Bord eines Fährschiffes auf dem Ärmelkanal gesehen.

1928 Franz Romer
Verschwand bei dem Versuch, als Erster mit einem Faltboot den Atlantik zu überqueren.

1961 David Kenyon Webster
Der amerikanische Schriftsteller, Journalist und Soldat fuhr am 9. September 1961 vor die Küste von Santa Monica (Kalifornien) und verschwand.

1975 Bas Jan Ader
Der niederländische Performance-Künstler verschwand im Juli 1975 mit seinem Segelboot Ocean Wave beim Versuch einer künstlerisch motivierten Atlantik-Überquerung. Sein Boot wurde etwa 10 Monate später an der irischen Küste angeschwemmt, er selbst oder Hinweise auf sein Schicksal wurden jedoch nie gefunden.

1978 Alain Colas
Alain Colas war ein französischer Skipper und wurde als Teilnehmer der Einhandregatta „Route du Rhum“ bekannt. Er war auch der Erste, der mit einem Mehrrumpfboot erfolgreich die Erde umsegelte. Er kam auf See vor der Küste der Azoren um.

1978 Eddie Aikau
Der hawaiianische Lifeguard und Surfer gilt seit dem 17. März als verschollen auf See. Er war Crewmitglied des Forschungs-schiffs Hōkūleʻa, das an jenem Tag kenterte. Aikau versuchte Hilfe zu holen und paddelte ohne Rettungsweste mit seinem Surfbrett Richtung Lānaʻi. Er wurde nie wieder gesehen. Der Rest der Crew wurde gerettet.

1979 Agamemnon Despopoulos
Der US-amerikanische Physiologe stach am 2. Nov. in Bizerta (Tunesien) auf seiner Segelyacht Cybele in See, um mit seiner Frau Sarah Jones-Despopoulos den Atlantik zu überqueren. Das Ehepaar gilt seitdem als vermisst.

1992 Nigel Burgess
Teilnehmer des traditionellen Vendèè Globe Race (früher Golden Globe Race) genannt verschwand in der ersten Nacht vor Biskaya.

1997 Gerry Roufs
Er war ein kanadischer Profi-Rennsegler, der während der Einhandregatta Vendée Globe 1996/97 im Südpolarmeer verschwand.

1998 Éric Tabarly
Gilt als einer der herausragender Hochseesegler und innova-tivsten Konstrukteure von Regattayachten des 20. Jahrhun-derts. Tabarlys Segelyachten trugen den Namen Pen Duick. Éric Tabarly lehnte es stets ab, sich an Bord zu sichern. 1998 sollte ihn dies das Leben kosten, als er bei einer Nachtfahrt in der Irischen See über Bord ging.

2007 Jim Gray
Der Informatiker verschwand mitsamt seinem Boot in der Nähe von San Francisco im Pazifischen Ozean.

2018 John Fisher
Der Teilnehmer des Ocean Volvo Race ist in einem Sturm, rund tausendzweihundert Seemeilen westlich der südame-rikanischen Küste, von Deck gespült worden. Trotz sofort eingeleiteter Suchoperation konnte der englische Segler nicht aufgefunden werden und gilt als verschollen.


Ein Zitat zum Abschluss
Der legendäre US-Präsident John F. Kennedy (1917-1963) der ein enthusiastischer Segler war, hat im Rahmen der be-rühmtesten Segelregatta der Welt, dem America’s Cup, in einer Rede nachstehendes bemerkt:
„Wir sind mit dem Ozean verbunden. Und wenn wir zum Meer zurückkehren, egal ob wir segeln oder es nur beobachten, dann gehen wir dahin zurück, wo wir einst hergekommen sind.“

<Back to Maritimes Kaleidoskop>     <Back to Glossar>